Glasflaschenverbot am Karlsfelder See:Die Jugend braucht Räume

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Müllprobleme

Die Polizei musste am Wochenende einen Bereich am Karlsfelder See wegen Glasscherben im Gras absperren.

(Foto: N.P.JØRGENSEN)

Das geforderte Verbot greift zu kurz, weil es das eigentliche Problem nicht löst: Den Jugendblichen fehlt es an Orten, an denen sie sich frei entfalten können.

Kommentar von Christiane Bracht

Klar, kann man feierwütigen Jugendlichen nicht alles durchgehen lassen. Besonders dann nicht, wenn andere gefährdet werden. Doch alles zu verbieten, ist wohl auch keine Lösung. Erst vor kurzem hatte die Karlsfelder Streetworkerin davor gewarnt, dass die Jugendlichen sich inzwischen an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlen. Das bestätigt auch Fabian Handfest mit seiner Reaktion. Das Glasflaschenverbot ist praktisch ein Bierflaschenverbot. Ein lockeres Treffen zwischen zwei, drei Freunden am Abend ist damit kaum mehr in der Ungezwungenheit möglich wie bisher. Es hat den Effekt, dass die Jugendlichen sich weiter verkriechen, wenn sie sich mal auf ein Bierchen treffen wollen. Irgendwohin, wo man sie nicht so schnell entdeckt. Damit würde sich das Problem aber nur verlagern.

Es ist dringend an der Zeit, dass sich die Politik ausgiebig Gedanken um die Jugendlichen macht. Man muss sich auch mal überlegen, warum einige junge Menschen ihre Wut an Glasflaschen auslassen. Die vergangenen Monate waren gerade für Jugendliche schwer zu ertragen. Statt Freunde zu treffen, mussten sie in häuslicher Abgeschiedenheit leben. Noch dazu werden sie in unserer Gesellschaft gerne von ihren Treffpunkten vertrieben - in der Karlsfelder Neuen Mitte etwa. Plätze, wo sie ihre Freiräume haben, gibt es kaum. Menschen, die sich für sie einsetzen, damit solche Plätze entstehen, gibt es auch nur sehr wenige. Und seit der Corona-Pandemie scheitert ohnehin alles am fehlenden Geld.

Die Aufforderung des Landrats an die Jugendlichen kreativ zu sein, ist jedenfalls zu kurz gegriffen. Selbst wenn sie künftig mit Bierfässern, Dosen oder selbst gemixten Getränken zum See kommen, so behebt dass das eigentliche Problem nicht: Die Jugend braucht einen Platz, an dem sie sich entfalten kann, ohne dass die Polizei permanent aufkreuzt. Und der Karlsfelder See braucht nicht noch mehr Blechdosen rund um die Mülleimer.

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