Karlsfeld:Hochwassergefahr gebannt

Karlsfeld: Das Hauser Schlösschen auf dem MAN Gelände am Ufer des Würmkanals.

Das Hauser Schlösschen auf dem MAN Gelände am Ufer des Würmkanals.

(Foto: Toni Heigl)

Die Firma MAN will deutlich weniger Grundwasser als früher geplant zu Kühlungszwecken hochpumpen und versickern lassen. Hydrologen geben Entwarnung für Anwohner, die überschwemmte Keller befürchteten.

Von Walter Gierlich, Karlsfeld

Karlsfelds Hausbesitzer können aufatmen: Die Firma MAN Truck & Bus hat ihre Pläne zur Grundwasserentnahme auf dem an die Gemeinde angrenzenden Betriebsgelände geändert. Statt 9,98 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr sollen danach künftig nur 3,20 Millionen zu Kühlungszwecken hochgepumpt und wieder versickert werden. Die Gefahr, dass massenweise Keller in Karlsfeld überflutet werden, dürfte damit abgewendet sein. Die Firma MAN und das von ihr beauftragte Ingenieurbüro Knorr für Hydrogeologie und Wasserversorgung stellten die Neuplanung am Donnerstag im Gemeinderat vor.

2018 wurden die Bürger und die Kommune aufgeschreckt, als ein Genehmigungsbescheid der Landeshauptstadt München bekannt wurde, welcher der MAN Truck & Bus erlaubt hätte, fast zehn Millionen Kubikmeter Grundwasser zur Kühlung von Gebäuden und ihrem Rechenzentrum zu entnehmen und anschließend wieder in den Boden zu leiten. Dadurch wäre der in Karlsfeld ohnehin schon hohe Grundwasserstand noch einmal um bis 80 Zentimeter aufgestaut worden. Viele Keller in Karlsfeld wären dadurch wohl vollgelaufen, so die damaligen Befürchtungen. Mehr als 700 Hausbesitzer unterschrieben gegen die Entnahmeerlaubnis, die Gemeinde reichte im Sommer 2018 Klage dagegen ein, um eine Erhöhung des Grundwasserspiegels zu verhindern. Zudem wurden Verhandlungen mit MAN, der Stadt München, dem Wasserwirtschaftsamt und der Regierung von Oberbayern geführt. Mit Erfolg: das Vorhaben wurde gestoppt.

Das Wasser wird jetzt in den Würmkanal geleitet

Im Gemeinderat bedauerte nun Bernhard Dietl, Leiter Infrastrukturplanung, Umwelt und Energie bei MAN, dass das Unternehmen sich seinerzeit eine Anlage habe genehmigen lassen, "die negativen Auswirkungen auf die Gemeinde Karlsfeld gehabt hätte". Man habe daraufhin nach einer akzeptablen Lösung gesucht und jetzt eine gefunden, "die das Problem beseitigt", versicherte er. Wie das neue Vorhaben aussieht, das mittlerweile bei der Stadt München zur Genehmigung eingereicht worden ist, präsentierte Hydrogeologe Claudio Starace. Dabei erinnerte er zunächst an die schädlichen Auswirkungen, die die ursprünglich geplante Grundwasserentnahme von fast zehn Millionen Kubikmeter jährlich auf Karlsfeld und seine Bürger gehabt hätte: "Die hydraulischen Auswirkungen wären erheblich gewesen, deswegen war das nicht möglich."

"Die MAN hat versucht, die Anlage zu optimieren, sodass sie jetzt dank Effizienzsteigerung nur noch etwa ein Drittel an Grundwasser braucht", erklärte er. Die Hauptentnahme werde im Süden des Werksgeländes vorgenommen, die Versickerung im Norden. Statt 9,98 Millionen Kubikmeter würden nur noch 3,20 Millionen Kubikmeter Grundwasser hochgepumpt, ein Minus von 68 Prozent, wie er erläuterte. Das Wasser, das anschließend in den Boden zurückgeleitet werde, sei nach den neuen Plänen sogar um 75 Prozent reduziert. Ein kleiner Teil werde zudem auch in den Würmkanal abgeleitet. Auf Nachfragen aus dem Gemeinderat betonte Starace, dass es dadurch keine negativen ökologischen Auswirkungen geben werde. Eine Aussage, die Jonas Hürten vom Wasserwirtschaftsamt München bestätigte: Die Wassertemperatur im Kanal dürfe 23 Grad auch in heißen Sommern nicht übersteigen, sonst müsse die Einleitung gestoppt werden. Das gelte auch bei drohender Hochwassergefahr durch gewaltige Niederschlagsmengen.

10 statt 80 Zentimeter Aufstauung

Statt 80 Zentimeter, wie nach dem ursprünglichen Bescheid, werde die Aufstauung des Grundwassers in Karlsfeld höchstens zehn Zentimeter betragen. Starace ist sicher, dass dadurch "keine zusätzliche Hochwassergefahr für Karlsfeld" entstehen werde. Zudem habe sich MAN zu einem Monitoring verpflichtet, also zu einer genauen Kontrolle der Auswirkungen. So werden 16 Grundwassermessstellen und zwei Prüfposten im Würmkanal eingerichtet. Der Hydrogeologe betonte ausdrücklich, dass diese Maßnahmen von den Behörden überprüft würden. Das Wasserrechtsverfahren sei eröffnet, die Antragsunterlagen bei der Stadt München eingereicht. Mit der Information des Gemeinderats habe die MAN "maximale Transparenz" gezeigt, denn die Firma sei keineswegs gezwungen, die Änderungen vorzustellen, lobte Starace seine Auftraggeber.

Laut Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) wird die Gemeinde nun die Unterlagen prüfen und eventuell die Klage, die derzeit ohnehin ruht, zurückziehen. CSU-Fraktionschef Bernd Wanka zeigte sich "zuversichtlich, dass wir das Verfahren konstruktiv zu Ende führen". Rathauschef Kolbe rang MAN-Manager Dietl noch die Zusage ab, dass auch die Gemeinde die Monitoring-Ergebnisse erhalten werde. Ganz am Schluss der Sitzung bedankte sich eine Zuhörerin bei der MAN, dass diese ihr ursprüngliches Vorhaben fallen gelassen habe.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusBilanz-Interview
:"Wer soll entscheiden, wenn nicht ich?"

Stefan Löwl ist seit zehn Jahren Landrat in Dachau. Der CSU-Politiker, der gerade 50 geworden ist, blickt zurück auf politische Erfolge und Niederlagen. Und er verrät, was ihn an seinem Job frustriert und was ihm nachts den Schlaf raubt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: