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Karlsfelder Gemeinderat:Ein Offenbeck geht, ein Offenbeck kommt

Gemeinderat

Wie der Vater, so der Sohn: Paul Offenbeck (links) tritt in die politischen Fußstapfen seines Vaters Wolfgang Offenbeck.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wolfgang Offenbeck saß vier Amtsperioden für die CSU im Karlsfelder Gemeinderat. Nun übernimmt sein Sohn Paul Offenbeck seinen Platz.

Ein Offenbeck geht, ein Offenbeck kommt. Es ist ein Generationenwechsel, der vom Willen der Wähler getragen ist. 4319 Karlsfelder haben dem 28-Jährigen Paul Offenbeck ihre Stimme gegeben und ihn so vom CSU-Listenplatz 17 auf vier vorgehäufelt. "Es ist ein tolles Ergebnis. Das hätte ich nicht erwartet", freut sich Offenbeck junior, der im Mai erstmals in den Gemeinderat einziehen wird - womöglich auf dem Platz seines Vaters Wolfgang Offenbeck.

Wolfgang Offenbeck verrät indes, dass er anfangs gar nicht wusste, dass sein Sohn für den Gemeinderat kandidiert. "Das hat er zu Hause nicht angekündigt." Erst als er die Liste gesehen habe, entdeckte er den Namen seines Sohnes. "Es sollte eine Überraschung werden", lacht der Junior. Wolfgang Offenbeck ist begeistert und auch ein wenig stolz. "Als ich Schüler und Student war, hatte ich eine ziemliche Distanz zur Politik. Ich hatte Vorurteile", gesteht der Vater. "Ich dachte, das sind alles Wichtigtuer, die unbedingt in der Zeitung stehen wollen." Inzwischen weiß er es besser.

Schon am Beispiel seines Schwiegervaters, Rudolf Kauppe, der 30 Jahre lang im Karlsfelder Gemeinderat saß, habe er sehr bald gemerkt, dass in der Kommunalpolitik viele Persönlichkeiten sind, die man nicht alle über einen Kamm scheren könne. "Darunter sind sehr engagierte und gescheite Leute, die viel Positives tun für die Gemeinschaft", sagt Offenbeck heute. Er selbst hat erst im Alter von 41 Jahren den Weg in die Politik gefunden. "Ich habe gelernt, dass man nicht nur meckern kann, sondern selbst den Hut in den Ring werfen muss." Dass sein Sohn sehr viel früher diesen Schritt wagt und damit in der dritten Generation die Familientradition fortführt, sich für die Gemeinschaft zu engagieren, freut ihn.

Ein paar Vorschusslorbeeren hat Paul Offenbeck von seinen Wählern sicher bekommen, nachdem viele seinen Vater kennen und schätzen. "Vielleicht ist das eher eine Belastung, weil das mit Erwartungen verbunden sein könnte", fürchtet der Vater. Damit müsse man erst einmal umgehen. "Aber ich bin zuversichtlich, dass Paul die Erwartungen erfüllt." Im übrigen glaube er, dass viele seinen Sohn vom Erdbeerfeld her kennen. Im Wahlkampf war der Junior ebenfalls sehr präsent - vor allem an den Infoständen. Außerdem ist Paul Offenbeck bereits seit drei Jahren bei der Jungen Union.

"Ich werde mein ganzes Leben in Karlsfeld sein. Da will ich mich auch in die Politik einbringen", sagt Paul Offenbeck. "Ich will, dass Karlsfeld lebenswert bleibt." Der Ort an der Grenze zu München soll keinesfalls eine Schlafstadt werden, er soll vielmehr als eigene Gemeinde wahrgenommen werden und eigene Akzente setzen, erklärt der junge Landwirt seine Idee von der Zukunft. Außerdem wünscht er sich, dass alle Generationen und Kulturen friedlich zusammenleben und dass Familien gerne in Karlsfeld wohnen.

Als Tipp hat Wolfgang Offenbeck seinem Sohn bisher lediglich auf den Weg gegeben, Einführungskurse in die Kommunalpolitik zu besuchen, um sich besser einarbeiten zu können. "Wichtig ist vielleicht noch, dass es weniger auf Parteipolitik ankommt als auf Sachargumente", schaltet sich der Vater ein. "Es ist klug, Zuspitzungen aus den Fraktionen herauszunehmen. Das bringt nichts. Man sollte lieber versuchen sachlich miteinander zu reden, auch wenn man unterschiedlich an die Sache herangeht." 24 Jahre war Wolfgang Offenbeck nun im Gremium. Er weiß also, wovon er redet, hat oft in den Debatten ausgleichend reagiert. Auch im Kreistag arbeitete er mit und schätzte vor allem konstruktive Gespräche. Zur Wahl wollte er nicht mehr antreten: "Man soll lieber aufhören, wenn es noch schön ist - lieber zu früh als zu spät." Er sei nun 65 Jahre alt. "Jetzt müssen die Jungen auch mal in die Verantwortung kommen." Er werde auf dem Hof gebraucht. Seine Frau habe so lange Zeit auf seine Mithilfe verzichten müssen, oft auch wenn es schwierig war, dass er ihr jetzt versprochen habe aufzuhören Doch viel wird sich wohl nicht ändern auf dem Beerenhof, denn künftig fehlt dort ein anderer bei der Arbeit. "Das ist die Kehrseite der Medaille", sagt Wolfgang Offenbeck. "Es wird schon gehen", meint sein Sohn.

Das Erbe, das die nächste Generation antritt, wird wohl kein leichtes: Die Rücklagen der Gemeinde sind dahingeschmolzen, der Schuldenberg in schwindelerregende Höhen geschnellt. Das beschränkt den Handlungsspielraum enorm. Das Problem habe Karlsfeld schon immer gehabt, sagt Wolfgang Offenbeck. Auch wenn allzu große Sprünge momentan wohl nicht möglich seien, "wer weiß, es kann sich alles ändern, wenn das Gewerbegebiet an der Schleißheimer Straße gebaut wird und sich das ehemalige Eon-Gelände positiv entwickelt." Keine Generation habe es leicht gehabt, sagt der scheidende CSU-Gemeinderat. Auch in seinen vier Amtsperioden sei das Geld meist knapp gewesen. Die Gemeinde habe bauliche Entwicklungen nur als Genehmigungsbehörde begleiten können, weil sie praktisch keine eigenen Grundstücke hat. "Das ist ein Manko."

Außerdem habe man es geschafft, trotz des enormen Bevölkerungswachstums und finanzieller Engpässe hinsichtlich der Kinderbetreuungsmöglichkeiten immer gut aufgestellt zu bleiben. "Das war eine wahnsinnige Herausforderung", so Offenbeck. Auch das Thema Integration sei gelungen. Viele Nationen leben in Karlsfeld positiv und friedlich zusammen. "Das ist ein Aushängeschild Karlsfelds." Ebenso wie die konstruktive Diskussionskultur im Gemeinderat, trotz "tief greifender Debatten, die nicht immer emotionsfrei waren". "Ich habe viel gelernt und hochinteressante Menschen kennengelernt", zieht Offenbeck sein Fazit.

Auch als Schwiegervater Rudolf Kauppe 1960 in den Gemeinderat kam, hatte man große Herausforderungen zu meistern. "Heute klingt es vielleicht selbstverständlich. Doch damals war es das nicht. Es galt die Trinkwasserversorgung zu sichern und eine Schule zu bauen", sagt Wolfgang Offenbeck. "Jede Generation hat ihre eigenen Probleme."

Paul Offenbeck hat in den Gesprächen mit den Karlsfeldern schon mitbekommen, wo der Schuh drückt. Das größte Problem ist für alle die massive Verkehrsbelastung. Ein Thema, das die Politiker schon seit Jahrzehnten verfolgt, ohne dass eine echte Lösung gefunden wurde. "Der Wohnraum, der knapp und teuer ist", ist das zweite große Thema. Viele junge Leute müssen aus Karlsfeld wegziehen, weil sie sich das Leben hier nicht leisten können. Da ist auch der neue Gemeinderat gefordert.

© SZ vom 25.03.2020
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