Hacker:"Plötzlich war alles weiß"

Hacker zerstören die Internetseite der Dachauer Hallenmeisterschaften, des größten bayerischen Jugendturniers im Fußball. Die Veranstalter rätseln über die Gründe.

Christine Heumann

Hacker: Die Organisatoren der Dachauer Hallenmeisterschaft haben die Internetseite notdürftig wieder hergestellt.

Die Organisatoren der Dachauer Hallenmeisterschaft haben die Internetseite notdürftig wieder hergestellt.

(Foto: © joergensen.com)

Dass Banken, Militärs, Regierungsbehörden oder große Konzerne Opfer von spektakulären Hackerangegriffen werden, ist heutzutage nichts Ungewöhnliches. Das Internet ist ein weltweites Netzwerk, die Angriffsfläche ist groß, die Systeme sind verwundbar. Zu den schlimmsten Angreifern zählen Experten die sogenannten Hacktivisten, die aus politischen Gründen digitalen Schaden anrichten wollen. Aber auch Profi-Hacker gehören dazu, die einfach nur auf Geld aus sind. Aber was hat einer davon, die Internetseite der Dachauer Hallenmeisterschaft (DHM) der Fußball-Junioren zu zerstören, des größten Jugendturniers in ganz Bayern?

"Ich weiß es nicht", sagt Peter Prunitsch vom Organisationsteam. "Bei uns gibt es doch keine brisanten Daten zu holen, das kann doch nur einer dummer Jungenstreich gewesen sein." Allerdings einer mit weitreichenden Folgen. Denn seit dem Angriff am vergangenen Samstag arbeitet Andreas Huber, der Computerfachmann im Team, jede freie Minute daran, den Internetauftritt wieder herzustellen.

Bernd Battermann ist der erste gewesen, der den Hackerangriff bemerkt hat. Er gehört neben Peter Prunitsch, Andreas Huber, Peter Müller, Thomas Schüßler und Richard Wild zum sechs Mann starken Organisationsteam, welches das Jugendturnier seit nun acht Jahren stemmt. Als er am Samstagnachmittag die ersten Ergebnisse einstellen wollte, ging nichts mehr. Die Seite war praktisch nicht mehr existent. "Die ganze Homepage war weg, plötzlich war alles nur noch weiß", sagt Battermann. Er berichtet auch von Störungen aus der Vorwoche, als die Nutzer zwar auf die Startseite der Hallenmeisterschaft gelangten, Klicks auf die Buttons der Unterordner aber nicht mehr zum Ziel führten. An einen Hackerangriff habe zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand gedacht. Eher an irgendein technisches Problem. "Wir haben einen immens hohen Zugriff auf unsere Seite, das rattert nur so", sagt Prunitsch. Klar, bei einem Turnier, an dem insgesamt knapp 300 Juniorenmannschaften in zwölf Altersklassen von der U7 bis zur U19 teilnehmen, und jeder wissen will, wie der andere gespielt hat, wer ausgeschieden oder weitergekommen ist.

Der totale Absturz am Samstag hat das Organisationsteam jedenfalls völlig unvorbereitet getroffen. "Mit so etwas hätten wir niemals gerechnet, das wäre mir nicht im Traum eingefallen", sagt Prunitsch. "Vielleicht hätten wir uns besser schützen müssen, ich weiß es nicht." Auch Bernd Battermann versucht, die ganze Sache genauer zu durchleuchten. "Am Wochenende hat mir ein User erzählt, dass bei ihm ein Trojaner aufgetaucht sei, als er auf unserer Seite das Banner eines Sponsors angeklickt habe." Er selbst habe davon nichts bemerkt. Und er habe auch keine Erklärung dafür, warum jemand die Homepage der Hallenmeisterschaft zerstört: "Will uns einer sagen: Schaut her, was ich alles kann?" Oder ist die Ursache für den Angriff reine Schikane? Eine solche Absicht kann sich Peter Prunitsch vorstellen: "Vielleicht ist ja einer einfach nur sauer, weil er ausgeschieden ist und will sich dafür an uns Organisatoren rächen".

Wie dem auch gewesen sein mag, so ein Hackerangriff ist jedenfalls kein Kavaliersdelikt. Das Organisationsteam will am Donnerstag beraten, den Vorfall eventuell anzuzeigen. "Das Unbrauchbarmachen von Daten kann man selbstverständlich zur Anzeige bringen", sagt Michael Richter, Pressesprecher der Polizeiinspektion Dachau. So ein Tatbestand sei unter Paragraf 303a des Strafgesetzbuches als "Datenveränderung" aufgelistet. Die Erfolgsaussichten solcher Ermittlungen kann Richter nur vage einschätzen. "Ansätze gibt es immer. Nur sollte man mit einer Anzeige nicht zu lange warten, denn vom Gesetzgeber her dürfen Daten ja nicht all zu lange gespeichert werden."

Die Finalspiele der Fußball-Junioren und -Juniorinnen am kommenden Wochenende, 2/ 3. Februar, in Erdweg, Bergkirchen und Odelzhausen werden natürlich trotz des Hackerangriffs stattfinden. "Die Spielpläne sind auch wieder abrufbar", sagt Battermann. "So weit hat Andreas Huber unsere Seite wieder hergestellt."

© SZ vom 30.01.2013
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