Gleichberechtigung in der Verwaltung:Frauen sind fast überall

Symbolbild - Managerin

Im Landratsamt und den Verwaltungen der Landkreisgemeinden arbeiten viele Frauen - nur auf den Bauhöfen und Kläranlagen findet man sie bislang nicht.

(Foto: dpa)

Kreisrätinnen verschiedener Fraktionen haben gemeinsam einen Antrag gestellt, um in Erfahrung zu bringen, wie viele Frauen in den Verwaltungen im Landkreis arbeiten. Die Bilanz ist gut - es gibt aber noch Verbesserungsbedarf

Von Jacqueline Lang, Dachau

Seit gut 25 Jahren verfügt der Landkreis Dachau über ein Gleichstellungskonzept nach dem bayerischen Gesetz zur Gleichstellung von Männern und Frauen. Schon viel früher, am 1. Juli 1958, trat das "Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts" auf Bundesebene in Kraft. Theoretisch sind Männer und Frauen seitdem gleichberechtigt. Praktisch werden Frauen immer noch in vielen Bereichen benachteiligt. Ob und inwieweit das auch für die Verwaltung des Dachauer Landratsamts sowie die Gemeinden im Landkreis gilt, das wollten die Kreisrätinnen Marese Hoffmann, Sabrina Spallek (beide Grüne), Stephanie Burgmaier (CSU), Dagmar Wagner (FW) und Lena Wirthmüller (Bündnis für Dachau) anlässlich des Weltfrauentags am 8. März mittels eines Antrags herausfinden. Die Ergebnisse einer Umfrage, die die Verwaltung daraufhin gestartet hat, liegen nun vor. Von völliger Chancengleichheit kann auch im Landkreis noch keine Rede sein, doch die Ergebnisse zeigen zumindest, dass die Verwaltungen auf dem richtigen Weg sind.

Der Fragenkatalog, den die Kreisrätinnen erstellt hatten, umfasst Fragen wie "In welchen Bereichen arbeiten Frauen vornehmlich?", "Wie wird ihnen der Wiedereinstieg erleichtert?" und "Gibt es ein Lohngefälle bei gleicher Aufgabe zwischen Frauen und Männern?". Diese und viele weitere Fragen haben Ilka Kamenka, stellvertretende Sachgebietsleiterin Haupt- und Personalverwaltung, und ihr Team sowohl in ihrer eigenen Verwaltung gestellt, als auch an die einzelnen Landkreisgemeinden, die Stadt Dachau und einige freie Träger im Landkreis. Sie kommen zu folgendem Ergebnis: In den kommunalen Verwaltungen sind Frauen nahezu in allen Bereichen tätig. Eine Ausnahme bieten hierbei die Bauhöfe und Kläranlagen, sie sind ausschließlich männlich besetzt.

Stephanie Burgmaier Kreisrätin Dachau

Stephanie Burgmaier (CSU).

(Foto: Privat)

Alle Befragten geben an, Frauen den Wiedereinstieg nach einer Schwangerschaft durch ganz unterschiedliche Modelle zu ermöglichen: So bieten viele Kommunen und freie Träger Frauen flexible Arbeitszeiten, Home-Office, Teilzeitmodelle, Jahresarbeitszeitkonten, die Möglichkeit eines Tätigkeitswechsels und die Berücksichtigung kurzfristiger Arbeitszeitänderungswünsche an.

Die Frage, wie Frauen gezielt gefördert werden, hat nur das Landratsamt beantwortet. Demnach gibt es im Dachauer Landratsamt Fortbildungsangebote speziell für Frauen, darunter auch hausinterne Angebote speziell für Teilzeitkräfte. Teilzeitkräfte, die an externen Förderprogrammen teilnehmen, erhalten hierfür genau wie Ganztagskräfte einen Freizeitausgleich. Laut der stellvertretenden Sachgebietsleiterin Kamenka werden Frauen bei der Neubesetzung von Stellen vorrangig behandelt, sofern sie geeignet sind. Keinen Nachteil sollen Frauen demnach dadurch haben, dass sie durch Pflege- und Kinderbetreuungszeit weniger Berufserfahrung haben. Außerdem werde in Stellenausschreibungen immer die Möglichkeit der Besetzung der Stelle in Teilzeit erwähnt. Das Ziel, so Kamenka, sei zudem eine paritätische Besetzung der Stellen, auch in der Ausbildung. Mittlerweile suche man im übrigen auch nicht mehr nur Männer und Frauen, sondern "auch divers". "Diese Frage wurde nahezu einheitlich damit beantwortet, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen, insbesondere geschlechtsneutral, gefördert werden", heißt es in der Präsentation zu den übrigen Kommunen und freien Trägern. Die Frage, ob Frauen und Männer bei gleicher Tätigkeit unterschiedlich entlohnt werden, beantwortet Kamenka mit einem klaren Nein. Es gebe ausschließlich eine tätigkeitsbezogene Entlohnung, die auch durch das Tarif- beziehungsweise Besoldungsrecht für alle gleichermaßen geregelt sei.

Auch die Frage, wie hoch der Anteil weiblicher Führungspositionen in den jeweiligen Verwaltungen ist, wurde gestellt. Hier schwanken die Ergebnisse jedoch teilweise drastisch: So liegt etwa der Anteil weiblicher Führungspositionen in Weichs sowie bei der Weitblick Jugendhilfe laut Statistik bei null Prozent. Angaben der Stadt Dachau sowie der Gemeinden Röhrmoos und Odelzhausen fehlen gänzlich. In einer anschließenden Diskussion erklärt Kreisrat und Oberbürgermeister der Stadt Dachau, Florian Hartmann (SPD), dass der Begriff Führungsposition nicht klar genug definiert gewesen sei und man deshalb keine Angaben habe machen können. Für zukünftige Befragungen will man daher den Begriff näher definieren um ein aussagekräftigeres Ergebnis zu bekommen.

Kandidaten Podium

Sabrina Spallek (Grüne).

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die Frauenbilanz hält Kamenka nach dieser ersten Befragung für durchaus "ausgewogen und nicht nachteilig". Die befragten Dienststellenleiter zeigten "eine fürsorgliche Sichtweise auf Themen und Bedürfnisse der Frauen, aber auch Männer" und auch wenn in einigen Kommunen Führungspositionen ausschließlich männlich besetzt seien, so sei dies doch lediglich eine Momentaufnahme. Für mögliche Defizite in diesem Bereich macht Kamenka auch das nach wie vor eher traditionelle Rollenbild in Bayern verantwortlich, sagt aber gleichzeitig, dass Frauen mittlerweile in einer Welt leben würden, die "relativ entspannt ist" und in der sie grundsätzlich alles werden könnten.

Spallek, eine der Antragstellerinnen, regte an, in allen Kommunen Gleichstellungsbeauftragte anzustellen. Landrat Stefan Löwl (CSU) erklärte jedoch, dass dies im Entscheidungsbereich jeder Gemeinde selbst liege und man hier nichts vorschreiben könne. Ebenso reagierte er auf den Einwand von Carsten Schleh (Grüne), der bemängelte, dass es in der Runde der Bürgermeister kaum Frauen gebe. Es sei, so Löwl, schwer, hier paritätisch zu besetzen. Immerhin entscheide, wen er ins Amt wähle, doch immer noch der Wähler.

Burgmaier, ebenfalls Antragsstellerinnen, sagte eine wirksame Förderung von Frauen sei nur "gemeinsam möglich" und kommunale Vertreter hätten hier eine Vorbildfunktion. Sie schlug daher eine erneute Bilanz im kommenden Jahr vor. Löwl plädierte dafür, eine solche erst in zwei Jahren in Auftrag zu geben, da in einem Jahr nicht allzu viel passiere. Darauf einigte man sich. 2023 will man demnach erneutschauen, wie es um die Gleichberechtigung in den Landkreisverwaltungen bestellt ist.

© SZ vom 28.07.2021
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