Dachau:Polizei nimmt Autoposer am Schlossberg ins Visier

Polizei schleppt Raser an Tankstelle in Olching ab

Aus dem Verkehr gezogen: Die Polizei lässt ein getuntes Auto an der Tankstelle in Geiselbullach abschleppen.

(Foto: Polizeipräsidium Oberbayern Nord)

Die Beamten stellen bei Kontrollen zahlreiche Verstöße fest. Anwohner bezweifeln aber, dass sich die Situation verbessert.

Von Thomas Altvater, Dachau

Die Polizeiinspektion Dachau hat von Mitte März an verstärkt in der sogenannten "Autoposer-Szene" kontrolliert. Im Fokus der Beamten stand vor allem der Dachauer Schlossplatz, ein beliebter Treffpunkt der Szene. In der Kloster- und Schloßstraße sei es in den vergangenen Wochen wieder vermehrt zu Lärmbeschwerden der Anwohner gekommen, beschreibt die Polizei in einer Pressemitteilung den Anlass der Kontrollen. Ihre Bilanz: Zwar sei die Autoposer-Szene rund um den Schlossberg zwischen März und April "überwiegend nicht präsent" gewesen. Trotzdem deckten die Beamten dort im Rahmen ihrer Kontrollaktion viele Verstöße auf, sowohl gegen die Zufahrtsbeschränkung als auch gegen die Bestimmungen des Infektionsschutzes. Insgesamt 47 Personen wurden deshalb mündlich oder per Anzeige beanstandet.

"Ja, das ist schon richtig", bestätigt ein Anwohner der Klosterstraße am Telefon die Eindrücke der Polizei, aber auch die vermehrten Lärmbeschwerden. Er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, habe er sich doch in der Vergangenheit immer wieder gegen die Poser positioniert, mit teils heftigen Folgen: Es habe "Attacken" auf ihn und sein Haus gegeben, erzählt er. "Zur Winterzeit war es natürlich ruhiger, weil es den Posern wahrscheinlich einfach zu kalt war", sagt der Anwohner. Doch das habe sich nun mit den wärmeren Temperaturen der vergangenen Wochen geändert: "Jetzt, da es wieder wärmer geworden ist, waren auch wieder mehr Poser auf dem Schlossplatz unterwegs, die Poser geben sich dort oben dann ein Stelldichein."

"Kurz vor der Ausgangssperre ist da mittlerweile der meiste Verkehr"

Während im vergangenen Sommer und Herbst die Anwohner vor allem nachts durch aufheulende Motoren und quietschende Reifen geweckt wurden, so hat sich das Treiben der Poser nun aufgrund der Ausgangssperre zeitlich nach vorne verlagert: "Kurz vor der Ausgangssperre ist da mittlerweile der meiste Verkehr", sagt der Anwohner. Die meisten Poser würden deshalb schon zwischen 18 und 20 Uhr das Kopfsteinpflaster hinaufbrettern, "die kommen wohl direkt nach Arbeit hierher", mutmaßt er. Während ihn sonst hauptsächlich der Lärm gestört hat, so sieht er jetzt eine neue Gefahr: "Das ist eine Zeit, in der noch Kinder draußen unterwegs sind und da auf dem Weg ohne Gehsteig herumlaufen". Auch die Maskenpflicht und die Abstandsregelungen würden dort oben wohl nicht gelten, berichtet der Anwohner.

Die Autoposer auf dem Schlossplatz sind ein politischer Dauerbrenner, dennoch überwog auf Seiten der Stadt zuletzt die Ratlosigkeit. Die Poser sind der Verwaltung oft einen Schritt voraus: Die vor zwei Jahren auf Höhe der Hexengasse installierten Poller tricksten sie zeitweise aus. Im September vergangenen Jahres ließ die Stadt ein neues Verkehrsschild in der Klosterstraße auf Höhe der Buchhandlung Wittmann anbringen, das signalisiert, dass zwischen 23 und 5 Uhr nur Anlieger hochfahren dürfen. Dasselbe Schild ist schon seit Längerem auf Höhe der Hexengasse angebracht und wird von den Rasern ignoriert.

"Das hat alles nur einen begrenzten Nutzen", sagt der Anwohner. Zwar habe er seitdem einige Polizeikontrolle beobachten können, die auf die Einhaltung des Schildes gerichtet war, erzählt er. Doch auch das helfe nicht wirklich: "Die bezahlen nur eine geringe Strafe, wenn sie denn überhaupt erwischt werden, das tut denen nicht weh". Er habe den Protest mittlerweile fast schon aufgegeben.

Während den Anwohnern vor allem der Lärm der Poser ein Dorn im Auge ist, argumentiert die Polizei in eine andere Richtung: "Durch diese Kontrollen leisten wir einen wichtigen Beitrag für die allgemeine Verkehrssicherheit auf unseren Straßen", so Thomas Rauscher, der Leiter der Polizeiinspektion Dachau. "Vielen der zumeist jungen Fahrer ist oft gar nicht bewusst, welche Gefahren zum Beispiel von nicht zugelassenen Autoteilen oder Beschleunigungsrennen ausgehen."

© SZ vom 09.04.2021
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