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Dachau:Corona-Leugner bringen Aufkleber an

Unbekannte verharmlosen mit Stickern im Dachauer Stadtgebiet den NS-Terror.

Von Thomas Altvater, Dachau

Corona-Leugner haben im Dachauer Stadtgebiet mit großflächigen Aufklebern die Verbrechen der NS-Diktatur verharmlost. Angebracht waren die Aufkleber an einer Bushaltestelle in Dachau-Ost sowie einem Stromverteilerkasten in Unteraugustenfeld. Darauf zu lesen ist: "Die Corona-Lügen gehen weiter, Monat für Monat, bis alles kaputt ist. Wie unter Hitler".

Eine besondere Häufung von Aufklebern der Corona-Leugner in Dachau konnte die Stadt in der Vergangenheit jedoch nicht beobachten. "Diese speziellen Aufkleber sind mir nicht bekannt", sagt der Hauptamtsleiter der Stadt Dachau, Josef Hermann. Er ist mit dem Bauhof zuständig für die Entfernung rechtswidrig angebrachter Aufkleber und Plakate. Dass ähnliche Aufkleber seit Beginn der Corona-Pandemie vermehrt im Stadtgebiet aufgetaucht wären, kann Hermann nicht bestätigen: "Aktuelle Auffälligkeiten unter Corona können wir nicht feststellen", sagt er. "Die Mitarbeiter der Straßenreinigung und des Bauhofs würden es wissen, wenn da so etwas aufgetreten und angeklebt worden wäre", so Hermann. Das Anbringen von Aufklebern im Stadtgebiet bezeichnet Hermann als "absolut unangebracht und unverschämt, unabhängig von der Botschaft auf den Aufklebern".

Einen ähnlichen Vorfall gab es vor zwei Wochen in Petershausen

Einer, der in der Vergangenheit immer wieder rechtsextreme Aufkleber entfernt hat, ist Fabian Handfest vom Freiraum Dachau. Er sagt: "Die Aufkleber der Corona-Leugner sind zahlenmäßig nicht mit den Nazi-Aufklebern zu vergleichen." Gerade angesichts der geringen Stückzahl bereiten Fabian Handfest die Aufkleber der Corona-Leugner keine großen Sorgen. "Trotzdem müssen es jetzt auch nicht mehr werden", sagt er. Vielmehr hat Handfest bemerkt, dass die einzelnen Aufkleber ohnehin nicht lange kleben bleiben würden: "Die werden zuverlässig weggerissen." Er vermutet, dass viele derjenigen, die rechtsextreme Sticker verkleben, auch für die Aufkleber der Corona-Leugner verantwortlich sind. "Einfach, weil die Denkmuster ähnlich sind", sagt er.

Einen ähnlichen Vorfall gab es vor zwei Wochen in Petershausen: Dort haben Corona-Leugner mit Plakaten antidemokratische und antisemitische Hetze betrieben. Die SPD wurde auf die Plakate aufmerksam und schaltete die Polizei ein, die daraufhin die Ermittlungen aufnahm. Die SPD-Ortsvorsitzende Hildegard Schöpe-Stein kritisierte die Plakate vehement: "Wieder werden - wie schon bei anderen Gelegenheiten bei Querdenker-Demos - perfide Parallelen zur NS-Diktatur gezogen." Zudem betonte Schöpe-Stein, dass es zwar wichtig sei, hier klar Position zu beziehen, erfreulich sei aber, dass nur eine kleine Minderheit eine solche Position vertrete, was sich auch an der besonders hohen Impfquote im Landkreis Dachau zeige.

© SZ vom 18.05.2021
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