Trauer um Kommunalpolitiker:"Er hat sich von niemandem verbiegen lassen"

Trauer um Kommunalpolitiker: Im Stadtrat war August Haas über die Parteigrenzen hinweg beliebt und höchst geachtet.

Im Stadtrat war August Haas über die Parteigrenzen hinweg beliebt und höchst geachtet.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Der langjährige CSU-Stadtrat August Haas ist mit nur 62 Jahren gestorben. Die Stadt reagiert bestürzt auf seinen Tod. Politiker unterschiedlicher Parteien würdigen seine Empathie, Geradlinigkeit und Fähigkeit zum unideologischen Streit.

Von Anna Schwarz, Dachau

Dachau reagiert bestürzt auf den Tod von August Haas. Fast 30 Jahre lang saß der Landwirt für die CSU im Stadtrat. Außerdem kennen ihn Dachauerinnen und Dachauer aus seinem Hofladen in der Münchner Straße. Am Wochenende ist August Haas nach schwerer Krankheit gestorben, er wurde 62 Jahre alt.

Seit 1996 war er CSU-Stadtrat und "engagierte sich in vorbildlicher Weise für die Dachauerinnen und Dachauer", schreibt Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) in einer Pressemitteilung am Montag: "Im Stadtrat war er über die Parteigrenzen hinweg beliebt und höchst geachtet."

"Er hat seine Meinung einfach geradeheraus gesagt"

Haas arbeitete fünf Jahre lang für die Finanzämter in München und Dachau, bevor er sich 1991 als Landwirt in Neuhimmelreich selbständig machte. Als Stadtrat engagierte er sich unter anderem als Referent für kommunale Liegenschaften, war Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses und Aufsichtsrat der Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau GmbH Dachau.

"August Haas war ein Mensch, der stets mit großer Empathie auf die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger einging", so Hartmann. Seine zugängliche Art habe ihn zu einem beliebten Ansprechpartner gemacht, der immer ein offenes Ohr für die Wünsche und Sorgen seiner Mitmenschen hatte. Haas habe sich in hervorragender Weise um das Wohl der Stadt Dachau verdient gemacht, die Stadt sei ihm zu großem Dank verpflichtet und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren, schreibt Hartmann.

"Er war eine Bereicherung für den Stadtrat"

Der Zweite Bürgermeister Kai Kühnel (Bündnis) schätzte Haas vor allem für seine klare Meinung und weil man mit ihm diskutieren konnte - auch wenn man komplett unterschiedlicher Meinung gewesen sei, sagt Kühnel: "Er hat seine Meinung einfach geradeheraus gesagt und ist nicht rumgeeiert." Auch nach den Stadtrats-Sitzungen haben sich Haas und er immer wieder ausgetauscht, vor allem zu Umweltthemen. "Er hat mir viel von seinem Fachwissen als Landwirt weitergegeben", es sei vor allem um das Thema Pestizide gegangen. Kühnel habe dadurch die Sichtweise der Landwirte kennengelernt und unter welchen Zwängen diese stehen. Kühnels Fazit: "Wir hatten über die lange Zeit im Stadtrat ein gutes Verhältnis, auch wenn es manchmal geknirscht hat."

Als Thomas Kreß (Grüne) von August Haas' Tod in der Zeitung las, sei er geschockt gewesen, erzählt er am Telefon. Zwar hatte Haas schön länger Herzprobleme, aber nahm weiterhin an den Stadtrats-Sitzungen teil. Kreß sagt: "Sein Tod ist nicht nur ein menschlicher Verlust, sondern auch ein Verlust für den Stadtrat." Er hat ihn in den vergangenen 15 Jahren im Stadtrat miterlebt und schätzte seine klare Meinung: "Er war nicht stromlinienförmig, sondern eckig und kantig", sagt Kreß: "Er war eine Bereicherung für den Stadtrat."

"Das war keine ideologische Plänkelei im Stadtrat"

Auch wenn Haas meist eine konservativere Meinung als er selbst hatte, sei der Landwirt immer offen für Diskussionen gewesen, sagt Kreß: "Das war keine ideologische Plänkelei." In Erinnerung bleibe ihm vor allem, dass der CSU-Stadtrat "ein wandelndes Lexikon" gewesen sei, was die städtischen Liegenschaften anging. Haas wusste genau, welche Gebäude der Stadt gehören, was in den vergangenen Jahren gekauft oder veräußert wurde. Darüber hinaus habe August Haas aufgezeigt, wo es im Stadtgebiet Probleme geben könnte, zum Beispiel beim Hochwasserschutz an der Amper - auch Flächen seines Landwirtschaftsbetriebes lagen im damaligen Überschwemmungsgebiet. Seine Kritik vor rund sieben Jahren brachte die Stadt zum Umdenken, in Dachau und Bergkirchen sollen Dämme errichtet werden.

An die Geradlinigkeit von August Haas erinnert sich auch sein ehemaliger Stadtrats- und Parteikollege Anton Limmer: "Er war ein grundehrlicher Kerl und hat sich von niemandem verbiegen lassen." Die beiden saßen bei Fraktionssitzungen immer nebeneinander und wurden Freunde. Limmer unterstütze Haas bei seinem Landtagswahlkampf im Jahr 2018, denn er sollte dem beliebten Landtagsabgeordneten Anton Kreitmair nachfolgen.

"Wennst an Gustl braucht hast, war er einfach immer da"

Anton Limmer schätzte Haas aber nicht nur als engagierten Politiker, sondern auch als Experten für Garten und Gemüse. "Sogar als er schon schwer krank war, hat er sich noch meinen Garten angeschaut und mir Tipps gegeben." Haas erklärte ihm unter anderem, wo er die Erde in seinen Beeten auflockern müsse, empfahl Pferdemist zum Düngen oder brachte Gartenerde für die Hochbeete vorbei, sagt Limmer.

Mit Gemüse kannte sich Haas eben aus und verkaufte seine Erzeugnisse wie Äpfel, Karotten, Kartoffeln oder Sellerie in seinem Hofladen in der Münchner Straße - mit großer Leidenschaft: "Das war sein Ding", sagt Limmer. Denn hier kam Haas gerne mit seinen Kundinnen und Kunden ins Gespräch. Wer etwas bei ihm kaufte, bekam meist auch gleich ein Rezept von Haas mitgeliefert: "Das haben viele Leute geschätzt", sagt Anton Limmer. Sein Fazit: "Wennst an Gustl braucht hast, war er einfach immer da."

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