Neuer Investor in Karlsfeld:Viele neue Pläne für das Anna-Quartier

Neuer Investor in Karlsfeld: So soll es einmal aussehen im Karlsfelder Zentrum: Ein eckiger Turm zur Münchner Straße hin und urbanes Leben.

So soll es einmal aussehen im Karlsfelder Zentrum: Ein eckiger Turm zur Münchner Straße hin und urbanes Leben.

(Foto: Kehrbaum Architekten/Gröner Group)

Das Ludl-Gelände heißt jetzt anders und die neuen Eigentümer haben auch einige Änderungswünsche. Der Gemeinderat will die Bürger mitreden lassen

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Gut zwei Jahre haben die Karlsfelder Gemeinderäte überlegt, diskutiert, mit Investoren verhandelt, Sondersitzungen einberufen, Pläne studiert, verworfen und neu entwickelt. Es war ein Kraftakt. Im Mai 2020 wurde dann der Bebauungsplan für das rund 40 000 Quadratmeter große Ludl-Areal im Karlsfelder Zentrum beschlossen. Doch jetzt scheint alles wieder von vorne loszugehen. Ein neuer Investor hat das Gelände erworben: CG Elementum, ein Projektentwickler, der seit 25 Jahren bundesweit operiert. Das erste, was er geändert hat, ist der Name: Das Ludl-Areal firmiert nun unter Anna-Quartier. In der jüngsten Gemeinderatssitzung legte Prokurist George Moutoulis zudem eine lange Liste von Änderungswünschen vor - insgesamt 69. "Es sind nur ein paar Änderungen - nicht gravierend. Nur 2,04 Prozent der Fläche weichen vom Bebauungsplan ab", wirbt er für Zustimmung. Doch die Pläne, die er mit dem Beamer an die Wand wirft, sehen anders aus, als das, was in den vergangenen Jahren erdacht wurde.

Am auffälligsten: Der elliptische Turm, den die Karlsfelder Kommunalpolitiker als Blickfang an der Münchner Straße besonders reizvoll fanden und für deren Erhalt in den Plänen sie lange mit den vorherigen Investoren gestritten hatten, soll seine Form verändern. Statt rundlich wünscht der neue Eigentümer eine eckige Variante. "Eine Ellipse ist von den Baukosten her enorm", erklärt Moutoulis sein Begehr. Das müsse man "marktfähig" machen. Dafür wolle seine Firma die Skybar realisieren. Ein Zuckerl, von dem die Gemeinderäte gerne hören, hatten sie doch schon vor zwei Jahren von Cocktails im Sonnenuntergang mit Blick über Karlsfeld geträumt. Deshalb hatten sie dem Bauherrn auch avisiert, dass er höher bauen dürfe, wenn der elliptische Turm von einer Roof-Top-Bar gekrönt würde, wenn nicht, müsse er ein Stockwerk tiefer bleiben. Die Vision vom Sundowner Cocktail in luftigen Höhen stellte sich aber schon zwei Monate nach dem Beschluss des Bebauungsplans als trügerische Hoffnung heraus. Architekt Klaus Kehrbaum, der die Bar immer als absolutes Highlight angepriesen hatte, sagte nur: "Es hat sich kein Betreiber gefunden."

CG Elementum wirbt aber noch mit etwas anderem: Das Quartier soll CO₂-neutral werden. Alle Energie, die in Wohnungen, Geschäften, Gastronomie, dem Hotel, der Kindertagesstätte und den Betrieben benötigt wird, soll auch in diesem Areal erzeugt werden, so Moutoulis. "Das ist eine Herausforderung", sagt er. Doch man werde eigens für das Anna-Quartier ein Energiekonzept entwerfen. Bei zwei anderen Projekten habe man das bereits realisiert, sagt Moutoulis. Wasserstoff sei groß im Kommen. In Köln setze man sich bereits mit Brennstoffzellen auseinander. Die Energiespeicher seien heute schon so, dass man sie in fünf Jahren umrüsten könne, erklärt er. Auf der Homepage der Gröner Group, deren Tochterunternehmen die CG Elementum ist, wird das Projekt bereits beworben. Dort heißt es: "Unter dem Leitspruch ,H2-ready' konzipiert die CG Elementum ... Blockheizkraftwerke in den Quartieren so, dass eine Umstellung von Erdgas- auf Wasserstoffbetrieb perspektivisch möglich ist."

62 000 Quadratmeter Wohn- und Geschäftsfläche sollen laut Investor auf dem Ludl-Areal entstehen. 43 Prozent davon ist fürs Wohnen vorgesehen, auf etwa 7900 Quadratmeter Wohnungen mit einkommensorientierter Förderung. Im Turm soll zumindest auf drei Stockwerken ein klassisches Drei-Sterne-Hotel unterkommen - vier namhafte Ketten hätten bereits Interesse bekundet, so Moutoulis. Außerdem will die CG Elementum Business-Appartments im Quartier, in denen Geschäftsleute bis zu sechs Monate unterkommen können, wenn sie etwa bei MAN oder MTU an einem Projekt arbeiten. Baubeginn für das Anna-Quartier soll im Sommer nächsten Jahres sein, so die Vorstellung des Eigentümers. "Sportlich", gibt Moutoulis zu.

"Wir brauchen Gutachten und die müssen beauftragt und erstellt werden", bremst Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU). Im "Schweinsgalopp" wolle man nicht arbeiten, so die Kommunalpolitiker. Der Gemeinderat ist sich aber einig, in einem Workshop die Änderungswünsche durchzugehen. Franz Trinkl (SPD) legt großen Wert darauf, dass, wie schon bei der Entwicklung des Bebauungsplans, die Bevölkerung mit einbezogen werden soll. Kolbe stimmt sofort zu: "Das Gelände ist so wichtig, dass wir die Vorstellungen der Bürger dazu abfragen werden." Es sei eines der "Herzgrundstücke" der Gemeinde.

Mechthild Hofner (Bündnis) freut sich, dass die Kita nach den neuen Plänen nicht mehr auf das Dach des Getränkemarktes gebaut werden soll, sondern ebenerdig mit Zugang ins Grüne in dem Wohnkomplex, in dem auch Sozialwohnungen sein werden. "Und das Energiekonzept ist wirklich wunderbar", jubiliert sie. Finanzreferent Stefan Theil (CSU) ist angesichts der leeren Gemeindekasse ebenfalls positiv gestimmt: "Wir haben die einmalige Chance neue Firmen anzusiedeln", sagt er. Peter Neumann (Bündnis) erinnert an das Mobilitätskonzept: "Ziel soll sein, den Verkehr zu reduzieren."

© SZ vom 28.07.2021
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