Absolventen im Landkreis:"Das Glas Sekt und das Plaudern hinterher fehlen"

Die Absolventen von FOS, Real- und Mittelschulen erhalten nach zwei schwierigen Schuljahren in der Pandemie ihre Abschlusszeugnisse. Große Verabschiedungsfeiern sind noch immer nicht möglich. Die Schulen bemühen sich trotzdem um einen angemessen festlichen Rahmen

Von Eva Waltl, Dachau

Ein neues Schuljahr im Landkreis Dachau endet - und es endet erneut unter erschwerten Bedingungen. Viele Absolventen sind bereits in Besitz eines Abschlusszeugnisses, die Realschüler treten an diesem Donnerstag zum allerletzten Mal über die Türschwelle ihrer Schule. Nach intensiven Jahren des Lernens ist die Zeugnisvergabe die Krönung unzähliger Schulaufgaben. Ein zweites Jahr in Folge beeinflusst das Virus Schulleben und Feierlichkeiten. Abschlussfahrten und -bälle fallen, zum Leidwesen der Schüler, auch in diesem Jahr aus.

Absolventen im Landkreis: Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule (FOS) Karlsfeld bei der Abschlussfeier im Bürgerhaus der Gemeinde.

Schülerinnen und Schüler der Fachoberschule (FOS) Karlsfeld bei der Abschlussfeier im Bürgerhaus der Gemeinde.

(Foto: Toni Heigl)

"Ich bin stolz, unter diesen besonderen Bedingungen den Abschluss geschafft zu haben", sagt Anna Plattner aus Dachau, sie ist Abschlussschülerin der Dr.-Josef-Schwalber-Realschule. Es sei ein ewiges Auf und Ab gewesen, sagt sie, insgesamt aber sei es auch "toll, in einer solchen Krisensituation bestehen zu können". Anna Plattner und die etwa 140 Schüler der Dachauer Realschule erhalten am Donnerstag, 29. Juli, klassenweise ihre Zeugnisse. Eine freudige Besonderheit in diesem Jahr: Eltern dürfen der Veranstaltung beiwohnen. "Im vergangenen Jahr war es leider nicht möglich", erzählt der stellvertretende Schulleiter Simon Smyrek. Ebenso organisiert die Erzbischöfliche Realschule Vinzenz von Paul in Markt Indersdorf die diesjährige Feierlichkeit. Das bewährte Konzept aus dem vergangenen Jahr habe die Schule wieder aufgegriffen, erklärt Schulleiter Klaus Fortner. "Wir freuen uns, dass in diesem Jahr neben den Eltern auch Geschwister teilnehmen dürfen", ergänzt er. Dies sei eine Neuerung zum Vorjahr. Im Garten der Schule gebe es ausreichend Platz, um die jeweiligen Familien in entsprechendem Abstand zueinander zu platzieren. Die Mittelschule Dachau-Süd übergab bereits am Dienstagabend den etwa 100 Abschlussschülern, aufgeteilt in zwei Veranstaltungen, ihre Zeugnisse. Obwohl die Musikanlage und das Spalierstehen der Lehrkräfte den feierlichen Rahmen unterstreichen sollten, beklagt Schulleiterin Anja Kreter, dass trotz des "sehr schwierigen Jahres, das Schöne am Schulleben letztendlich nicht gefeiert werden" könne.

Absolventen im Landkreis: Geschafft: Ahmet Ciftci hat die Realschule abgeschlossen.

Geschafft: Ahmet Ciftci hat die Realschule abgeschlossen.

(Foto: Toni Heigl)

Auch an den beiden Fachoberschulen im Landkreis konnten die Abiturienten ein letztes Mal im Beisein von zwei Begleitpersonen ein Schulzeugnis in den Händen halten. Tobias Draxler, Schulleiter der Vinzenz-von-Paul-Fachoberschule Markt Indersdorf, freut sich, dass es ihnen möglich war, die Verabschiedung doch weitestgehend "normal" zu halten. Einzig "das Glas Sekt und das Plaudern hinterher fehlte", bedauert Draxler.

Anders handhabt es die Glonntal-Realschule in Odelzhausen. Die Zehntklässler nehmen ihr vorerst letztes Zeugnis nicht in Anwesenheit der Eltern, dafür in Gesellschaft aller 63 Abschlussschüler entgegen. Der Aufwand, die Eltern einzuladen, sei sehr hoch, erklärt Schulleiterin Anette Schalk, daher habe man sich in Absprache mit Schülersprechern und Elternbeirat dazu entschlossen, die Zeugnisübergabe ausschließlich mit Schülern und Lehrern zu feiern. Auch weil viele Schüler die Gefahr einer zweiwöchigen Quarantäne so klein wie möglich halten wollten, ergänzt die Schulleiterin. In der Turnhalle der Realschule können die Abstandsregeln eingehalten und kurze Reden vorgetragen werden. Auf viele Ehrengäste und entsprechende Vorträge verzichtet Schalk aber bewusst. "Auch ich werde mich sehr einschränken müssen", scherzt sie. Wofür man sich in Odelzhausen wie auch in den anderen Schulen aber sehr wohl Zeit nimmt, ist die Ehrung der Schulbesten: In Odelzhausen haben es 22 der 63 Schüler geschafft, eine Eins vor dem Komma stehen zu haben. In der Fachoberschule Markt Indersdorf sind die besten Absolventen "mal wieder zu 100 Prozent weiblich", lobt Schulleiter Draxler Anja Mayriedl, Nicola Auracher, Marie Schär und Theresa Nefzger.

Absolventen im Landkreis: Auch Anna Plattner erhält an diesem Donnerstag ihr Abschlusszeugnis.

Auch Anna Plattner erhält an diesem Donnerstag ihr Abschlusszeugnis.

(Foto: Toni Heigl)

In allen Schulen sind die Lehrer bemüht, dass trotz des kleinen Rahmens die Bedeutung des Tages gebührend zum Ausdruck kommt. In der Realschule Dachau formulieren Klassensprecher in einem kurzen Film ihre Zukunftswünsche für die Absolventen. In der Fachoberschule Karlsfeld hat sich eigens ein Dekoteam aus Schülern der 13. Klasse gegründet. Luftballons und das Klavierspiel zweier Schüler tun das Ihre, um "einen versöhnlichen und feierlichen Abschluss" zu unterstützen, wie Schulleiterin Carola Zankl sagt. "Es tat gut, nach zwei Coronaschuljahren ein Stück Normalität zu haben."

Auch Zehntklässler Ahmet Ciftci verlässt am Donnerstag die Realschule Dachau, obgleich seine Schullaufbahn an der FOS im Herbst erst mal weitergehen wird. Er freut sich, dass dieser Meilenstein geschafft ist: "Corona war für mich kein Nachteil, dennoch ist es sehr schade, dass die Feier nicht so groß stattfindet." Aber er nehme, was er kriege, ergänzt Ahmet. Eine "pompöse Feier mit Musik, Tanzeinlagen, Sketchen und etwa 500 Gästen", wie sich Smyrek an die Feierlichkeiten vor 2020 erinnert, wird es nicht geben, und dennoch erhält der stellvertretende Schulleiter mehrheitlich positives Feedback von den Schülern: "Bereits im vergangenen Jahr erhielten wir gute Rückmeldungen." Nun habe die Schulleitung vor allem das Persönliche und den Klassenzusammenhalt in den Vordergrund gestellt, und das werde sowohl von Schülern als auch von Eltern sehr gut angenommen, so Smyrek. "Wir überlegen sogar, dieses Konzept der klassenweisen Verabschiedung auch nach Corona beizubehalten." Was die Dachauer Schülerin Anna Plattner aber dennoch am letzten Realschultag beklagt, ist der Ausfall des Abschlussballs. "Das ist sehr schade, aber insgesamt ist alles besser als nichts", so die Schülerin.

© SZ vom 29.07.2021
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