bedeckt München
vgwortpixel

Container Collective:Im Container-Kollektiv darf es auch mal richtig laut werden

Leo Bauer, 24, und Felix Flemmer, 23, vom Radio 80 000 wirken zwar mit ihren jungen Jahren schon sehr ernst, doch wenn man sie fragt, was der Container für sie bedeutet, spürt man es doch: die Begeisterung. Seit April 2015 gibt es das Radio, seit Mai 2016 sogar einen permanenten Stream. Bislang mussten Leo und Felix aber alles von zu Hause aus machen. Den Container, der ihnen vom Musiklabel "Public Possession" zur Verfügung gestellt wird, begreifen sie als Plattform, als "Raum für die Community", wie Felix sagt. Mit einer zuverlässigen Technik wollen der gelernte Grafikdesigner Felix und Leo, der aktuell noch seinen Master im Bereich Exhibition Design macht, ihre Grenzen austesten, sich selbst etablieren.

Der erste Livestream aus dem Container Ende Februar war ein Höhepunkt. Bis zum 11. März, wenn ihre offizielle Eröffnungsfeier stattfindet, wollen sie aber noch weiter an den Feinheiten feilen. Weil in dem weiß gestrichenen Container fast die komplette Einrichtung aus Holz ist und auf Rollen steht, können sie die Turntables im Sommer auch problemlos an die Tür schieben und die Container-Stadt beschallen, wenn der Livestream nicht sowieso im Café läuft.

Subkultur in München München braucht mehr Mut zum Dreck
Subkultur

München braucht mehr Mut zum Dreck

Kulturkutter, ein riesiges Pop-up-Projekt, Elektro-Club im Deutschen Museum: Man könnte meinen, München kann plötzlich Subkultur. Aber die Stadt muss noch mehr tun.   Kommentar von Michael Bremmer

Das ist schließlich das Schöne an der Lage des Container-Kollektivs: Wirklich stören kann man hier mit lauter Musik niemanden, weil sich rund herum nur Bürobauten und zahlreiche Baustellen befinden. Ärger könnte es also am Ende nur mit den Container-Nachbarn geben. Robinson ist jedoch darum bemüht, die Container so zu vermieten, dass jeder zufrieden ist. Dass auch Kreative nicht immer ganz so entspannt sind, wie sie vorgeben zu sein, versteht sich für ihn dabei von selbst. Was sich die Radiomacher vom Leben im Kollektiv erhoffen? "Ich hoffe, dass die Leute mit ihrem Kaffee einfach bei uns vorbeikommen", sagt Leo und legt eine neue Platte auf den Plattenteller. Demnächst wollen sie noch eine Flagge mit ihrem Logo aufhängen, damit man sie leichter findet. Der Fahnenmast liegt schon bereit.

Die meisten Bewohner des Kollektivs kennen sich aber sowieso schon, zumindest über mehrere Ecken. Beim Betreten des Radio 80 000-Containers sitzt auch Pawel in der Ecke, der gerade erst in seinen eigenen Container eingezogen ist. Pawel Szczypinski ist 26 und bezeichnet sich selbst als experimentellen Produktdesigner. Seine jüngste Arbeit war die philosophische Auseinandersetzung mit dem Begriff Transparenz.

Das Ergebnis ist ein Tisch aus Epoxidharz, dem er Farbe beigemischt hat. Das ganze erinnert an eine Wolke. "Ich setze Design in einen abstrakten Kontext", sagt Pawel. Ihm sei bewusst, dass es dafür aktuell noch keinen großen Markt gebe. Deshalb teilt er sich seinen Container auch mit zwei Architekten und einem weiteren Produktdesigner, um Geld zu sparen. Mit ihnen will er aber auch seine Erkenntnisse teilen und einen Weg finden, sie für eine breitere Masse umzusetzen.

Der Container ist für ihn die Möglichkeit, auch mit geruchsintensiven Materialien arbeiten zu können, ohne jemanden zu stören. In erster Linie soll der Container aber als eine Art PR-Stand für seine Arbeit fungieren. Pawel ist in jedem Fall froh, dass Robinson sich für ihn als Mieter entschieden hat, statt für einen Millionenkonzern. Hätte er nicht einen der Container beziehen können, hätte er wahrscheinlich noch sehr lange nach einem geeigneten Raum suchen müssen. Denn in diesem Punkt sind sich alle Bewohner des Kollektivs einig: In München ist es schwer, bezahlbare Räume zu finden - egal, ob man bereits etabliert ist oder nicht.

Robinson will die kommerzielle Nutzung nicht komplett ausschließen. Einer der 15 Container soll deshalb als Pop-up-Store fungieren. Maximal drei Monate soll der Store an einen Betreiber vermietet werden. Alle anderen Container hat Robinson zunächst für ein Jahr ausgeschrieben, danach wird sich zeigen, ob die Leute bleiben oder ob andere von der langen Warteliste nachrücken.

Werksviertel Kaffee trinken im Schiffscontainer

Container Collective

Kaffee trinken im Schiffscontainer

Wie bunte Legosteine stehen die Stahlquader am Eingang zum Werskviertel. Und langsam kommt Leben in die kleine Stadt - Künstler und hippe Unternehmer ziehen ein. Ein Tagescafé hat schon geöffnet.   Von Laura Kaufmann

Stellt man sich gegen Abend auf die Terrasse der Bar im ersten Stock, sieht man zwischen den Hochhäusern bereits das leuchtende Abendrot. Mit der untergehenden Sonne wird es langsam frisch. Die letzten Handwerker wuseln noch umher und eine junge Frau mit leuchtend roten Lippen lässt sich auf einer der blauen Holzbänkchen vor dem Café nieder und dreht sich eine Zigarette. Im Hintergrund hört man das Rattern der Züge und das leise Wummern der Bässe.