Café am Hochhaus Die Party ist vorbei

Das Café am Hochhaus in der Blumenstraße muss schließen, auf die Fensterscheiben sind Abschieds-Songtitel gemalt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Im Café am Hochhaus darf nicht mehr getanzt werden. Nach zehn Jahren muss die Bar in der Blumenstraße schließen. Das Ende kommt für den Betreiber früher als gedacht.

Von Mathias Weber

Das musste sich Michael Dietzl die vergangenen Tage oft anhören: "Wenn ich das gewusst hätte", haben seine ehemaligen Gäste zu dem Gastronomen gesagt - wenn sie gewusst hätten, dass es am Ende so schnell geht, dann wären sie noch mal vorbei gekommen. Bis zuletzt dachte Dietzel, dass sein Café am Hochhaus an der Blumenstraße, gleich gegenüber dem Backsteinturm des Alten Technischen Rathauses, noch eine Galgenfrist hätte.

Obwohl eigentlich klar war, dass der Laden irgendwann schließen muss: Der Mietvertrag mit der städtischen Wohnungsgesellschaft Gewofag, die den Altbau an der Ecke zur Papa-Schmid-Straße verwaltet, lief Ende August aus. Nachdem die Stadt, der das Gebäude gehört, schon in den vergangenen Jahren das ganze Haus für knapp drei Millionen Euro grundlegend saniert hatte, war eben jetzt das Ladenlokal im Erdgeschoss dran - ein ehemaliges Oma-Café, in dem zehn Jahre lang das Gärtnerplatzviertel gefeiert hat. 2004 hatte Dietzel sein Café am Hochhaus eröffnet, und eigentlich war immer was los, sieben Tage die Woche: Mal wurde Hip-Hop gespielt, mal Funk, am Sonntag gab es Elektro, wenn sich die Schwulen dort getroffen haben, für die es eh nicht mehr viele Orte im Viertel gibt.

Aus, vorbei. Obwohl, sagt Dietzel, es noch gar nicht vorbei sein müsste. Seit Monaten war er in Kontakt mit dem Kommunalreferat und hatte auf eine Zwischennutzung gehofft, bis die Bauarbeiten richtig los gehen. Und er war bester Dinge: Mündlich sei ihm noch im Juli versichert worden, dass er erst mal weitermachen könnte, sagt Dietzel. Auch der Stadtrat Jens Röver von der SPD, der sich für eine Weiternutzung stark gemacht hatte, habe ihm das letzte Woche noch versichert. Dietzel sagt: "Es ist eine ungute Geschichte."

Probleme mit dem Brandschutz

Denn dann, vergangenen Montag, kam von der Gewofag die endgültige Bestätigung: Der Gastronomiebetrieb muss eingestellt werden, sofort. "Wir bedauern, Ihnen nichts anderes mitteilen zu können", schreibt die Gewofag. Es gebe Probleme mit dem Brandschutz, und deswegen schließe das Kommunalreferat aus, dass dort noch länger getanzt wird.

Wirt Dietzel reagiert säuerlich: Warum, fragt er, ist jetzt plötzlich der Brandschutz ein Thema, wo er doch zehn Jahre lang kein Problem war? Ein vorgeschobener Grund, um ihn schnell draußen zu haben? SPD-Stadtrat Jens Röver, der sich immer wieder für Dietzel bei den Behörden eingesetzt hat, bleibt da lieber vorsichtig: "Da kann man leider nichts machen", sagt er, dem Referat will er nichts unterstellen. Im Rahmen der Sanierung hätte es eben ein Gutachten gegeben, und das sei eindeutig ausgefallen. Dietzel meint, dass das Kommunalreferat schon gekonnt hätte, wenn es gewollt hätte. Dort sagt man, das Gutachten sei leider eindeutig.

Dem Gastronomen bleibt jetzt nicht mehr, als das Lokal auszuräumen, es gibt noch eine Party für die Mitarbeiter, der "Schwule Sonntag" zieht um ins Beverly Kills in der Müllerstraße. Aber sich gebührend von den Gästen verabschieden, das kann Dietzel jetzt nicht mehr. Alles was bleibt, sind trotzige Kommentare in den großen Schaufenstern: Je ne regrette rien.

Das Kommunalreferat zumindest reicht Dietzel den kleinen Finger: In der Behörde gibt es offenbar keine Vorbehalte dagegen, dass er mit seinem Café wieder in den Laden einzieht, nach der Sanierung. Ob es dann noch das gleiche Café am Hochhaus sein wird - mal sehen. Und wie lange die Sanierung dauern wird, ob drei Jahre oder eines, dazu mag sich das Kommunalreferat lieber nicht äußern.