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Konzert von Caetano Veloso:Ein brasilianischer Volksheld in der Philharmonie

Brazilian singers-songwriters Caetano Veloso and Maria Gadu

Caetano Veloso bei einem Auftritt im Jahr 2011.

(Foto: dpa)

Caetano Veloso ist ein musikalisches Chamäleon, hat den "Tropicalismo" begründet und ist für viele Brasilianer zudem eine Integrationsfigur: Zusammen mit seinen Söhnen hat er die Philharmonie zum Jubeln gebracht.

Man vergisst gerne, wie viele Brasilianer in München leben, wenn nicht gerade Fußball-WM ist - oder Caetano Veloso in der Philharmonie auftritt. Gefühlt war der riesige Saal fest in brasilianischer Hand, so viel Portugiesisch lag in der Luft. Als das Licht ausgeht, erhebt sich ein Jubelsturm, und als Caetano Veloso dann mit seinen Söhnen Moreno, Zeca und Tom auf die Bühne kommt, steht der ganze Saal auf. Für die Brasilianer, ganz besonders für die in der Diaspora, ist Caetano (wie er in seiner Heimat schlicht heißt, mit Nachnamen nennt ihn dort niemand) eben ein Volksheld:

Als Begründer des "Tropicalismo", der die traditionellen brasilianischen Stile wie Choro oder Bossa mit damals aktuellen Elementen des Jazz, Rock und Pop verknüpfte und so in die bis heute fruchtbare und unverwechselbare "Musica Popular Brasileira" überführte. Als musikalisches Chamäleon, das immer neue Projekte und Besetzungen ausprobierte und den Brasilianern so Hunderte von Songs bescherte, die zum Volksgut wurden.

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Aber auch weit über die Musik hinaus als Integrationsfigur und Freiheitsheld, der im Kampf gegen die Militärdiktatur ins Gefängnis und ins Exil ging; als einer, der bis heute für Demokratie und Liberalismus Stellung bezieht. Das ist allerdings bei seinem ersten München-Gastspiel seit 23 Jahren - damals im Circus Krone - nicht die Rede, das aktuelle Projekt "Ofertorio" des bald 77-Jährigen ist gewissermaßen ein nostalgisches: Alles dreht sich um die Familie. Nicht nur, weil Caetano, der sonst mit anderen brasilianischen Berühmtheiten, aber auch amerikanischen Stars wie Arto Lindsay, Marc Ribot oder David Byrne aufgetreten ist, erstmals nur mit seinen drei Söhnen unterwegs ist und deshalb gut die Hälfte des Repertoires in der Philharmonie selbst den Fans eher unbekannt war. Stücke seiner Söhne wie Morenos "Um passo a frente", Stücke von ihm für seine Söhne oder Gemeinschaftsproduktionen fürs aktuelle Album wie der Titelsong "Ofertorio".

Auch inhaltlich konzentrierte sich das Meiste aufs Private. Neben ein paar Hits wie dem mit einem anspruchs- und wundervollen Chorsatz umarrangierten "O seu amor", dem von allen mirgesungenem "Forca estranha" oder dem (als fünfte ZUgabe) abschließendem "Alegria, alegria" spielten Hommagen an Caetanos Mutter (als "Dona Caño" war die 2012 mit 105 Jahren Gestorbene selbst eine Art Nationalheiligtum), die Schwester Bethania (ihrerseits die Grande Dame der brasilianischen Musik), an Cesar, den Gitarrenlehrer der Söhne oder an die alte Heimatstadt Bahia die Hauptrolle. "Genipapo absoluto" etwa war eine kleine Hymne ans alte heimatliche Bahia, "so wunderschön, dass man die Stadt geradezu sehen und riechen kann", wie Moreno sagt. So kann man sich auch als Deutscher nicht der Rührung entziehen, die den Konzertsaal durchdrang.

Selbst wenn man sich ganz auf die Musik konzentrierte, wurde man nicht enttäuscht. Zwar wird keiner der vier je einen Virtuosenpreis gewinnen, aber das spielt eben auch überhaupt keine Rolle. Zum Beispiel ist der jüngste Sohn Zeca anders als seine Brüder ja eigentlich nicht in die Fußstapfen des Vaters getreten: Er machte bislang als Schauspieler in Brasilien auf sich aufmerksam. Erst für dieses Projekt hat er sich der Musik verschrieben, weshalb ihn seine Vater auch ganz neutral einen "beginner" nennt. Aber so wie er dann E-Bass, halbakustische Bassgitarre und Fender Rhodes bedient und im Falsett singt - meine Güte, so ein Anfänger möchte man auch gerne sein.

Vor allem war aber wieder einmal die Meisterschaft Velosos zu bewundern, wie man das Einfache, die schlichte Melodie mit den unwiderstehlichen Rhythmen Brasiliens und ganz unmerklichen Anreicherungen auf maximale Wirkung trimmen kann. So ist und bleibt er die Gallionsfigur dieser Musik, die es wie kaum eine andere schafft, leicht zu sein, ohne je seicht zu werden.

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