Bundesliga Streit zwischen Sky und Eurosport wird ein Problem für Fußballkneipen

So sieht es aus, wenn im Stadion an der Schleißheimer Straße über die Bayern gejubelt wird, hier bei einem Spiel der Champions League.

(Foto: dpa)
  • Neben Sky wird nun wohl auch Eurosport einen Teil der Bundesliga übertragen.
  • Somit müssten Kneipen noch einen weiteren Anbieter bezahlen, wenn sie weiter alle Fußballspiele zeigen möchten.
  • Die steigenden Kosten stehen im Kontrast zu den Rekordumsätzen der Deutschen Fußball Liga.
Von Bernhard Hiergeist

Für viele Fußballfans hat das Leben bald endlich wieder einen Sinn: Der FC Bayern und Bayer Leverkusen eröffnen an diesem Freitag die neue Bundesliga-Saison.

Die Tragweite dieses Ereignisses lässt sich besonders gut festmachen an Orten wie dem Stadion an der Schleißheimer Straße. In der Fußballkneipe ist alles voll behängt mit Schals in Vereinsfarben, nostalgischen Fotografien und anderen fußballerischen Opfergaben. Und egal, welches Spiel man übertrage, erklärt Geschäftsführer Michael Jachan, es findet sich immer ein Fan der jeweiligen Mannschaften im Stadion.

Fußball zu schauen ist kein sportlicher Wettkampf, es ist ein soziales Event mit bestimmten Maßgaben an Kleidung, Verhalten, Auftreten. Die Spiele gemeinsam zu verfolgen, "das gehört für viele einfach zum Fansein dazu", sagt Jachan. Und für viele Wirte in München gehört es zum Geschäft dazu, dass sie an Bundesliga-Spieltagen Hochbetrieb haben. Einen Strich durch die Rechnung könnte dem aber der Streit zwischen Sky und Eurosport machen. In den vergangenen Jahren übertrug Sky die Bundesliga noch komplett, doch nun hat sich auch Eurosport ein kleines Paket gesichert. Daher könnte es sein, dass Gaststätten in der nun anlaufenden Saison zwei Abos brauchen, um alle Spiele live übertragen zu können.

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Wie teuer das wird, ist noch unklar. Je nach Lage, Umfeld oder Art der Gaststätte zahlen Wirte für die Bundesliga bei Sky im Monat zwischen wenigen Hundert und mehr als tausend Euro. Das Eurosport-Paket kostet 30 Euro - für Privatpersonen. Angeblich dulde es Eurosport zwar, wenn Gastwirte das Privat-Abo öffentlich nutzen. Die finanzielle Belastung ist also vielleicht gar nicht so groß.

Es bleibt aber die Frage, ob das Vorgehen für die Wirte rechtssicher ist. Von Eurosport oder dem US-amerikanischen Mutterkonzern Discovery sind kaum verbindliche Aussagen zu erhalten. Dazu kommen die technischen Probleme: Eurosport bietet die Spiele über den Satellitensender HD+ an, das ist für Kneipen, die einen Kabelanschluss haben, aber keine Option. Bliebe die Möglichkeit über das Internet, aber die ist technisch oft kompliziert umzusetzen.

Leichter werde es für die Wirte sicherlich nicht, teilt der bayerische Gaststättenverband mit. Zu viel ist noch ungewiss, findet Jachan vom Stadion. "Wir hoffen deshalb darauf, dass sich Sky und Eurosport vielleicht noch irgendwie einigen." Eine Woche Zeit bleibt dafür noch, das Eröffnungsspiel zwischen Bayern und Leverkusen wird auch im ZDF gezeigt. Dann aber müssen sich die Wirte entscheiden, wie sie vorgehen.

Können sie es sich überhaupt erlauben, auf einen Teil der Übertragungen zu verzichten? Manche Kneipen wie das Substanz an der Poccistraße schon. "Für uns sind fast eh nur die Bayernspiele wichtig", sagt Inhaber Jürgen Franke. Das Eurosport-Paket umfasst fast ausschließlich Freitagsspiele. Und weil der FC Bayern häufig unter der Woche in der Champions League spielt, ist er seltener am Freitag dran. "Wenn wir dann ein oder zwei Spiele in der Saison weniger übertragen, macht uns das nicht viel aus", sagt Franke.

Der Streit zwischen den Sendern

Wer Fußball live im Fernsehen schauen will, braucht möglicherweise in der kommenden Bundesliga-Saison zwei Abos bei verschiedenen Sendern. In den vergangenen Jahren zeigte der Pay-TV-Sender Sky alle Bundesligaspiele live. Nun hat sich das amerikanische Medienunternehmen Discovery Lizenzen für 40 Spiele der ersten Liga gesichert. Das Eröffnungsspiel an diesem Freitag läuft zwar auch im ZDF, die restlichen 29 Freitagsspiele zeigt Discovery aber auf "Eurosport"-Sendern exklusiv. Dazu kommen jeweils fünf Spiele am Sonntagmittag und am Montagabend.

Discovery nutzte für einige Sender seiner Eurosport-Reihe bisher die Infrastruktur von Sky. In der besten aller möglichen Fußballwelten würden Fans nun also Sky abonnieren und könnten im Paket zwischen den Sky-Sendern und Eurosport hin- und herschalten. Jedoch wurden sich Sky und Discovery bisher nicht einig. Im Juni erwirkte Discovery gar eine einstweilige Verfügung gegen Sky, weil der Sender seine Bundesliga-Übertragungen immer noch mit dem Slogan "Alle Spiele - alle Tore" beworben hatte. Dabei müsste es richtigerweise "fast alle" heißen.

Ansonsten bleibt das gewohnte öffentlich-rechtliche Angebot bestehen, Sportschau und Sportstudio zum Beispiel. Hier sind zumindest Zusammenfassungen und Höhepunkte der 306 Spiele der Saison zu sehen. bhi

Vor allem reine Fußballkneipen wie das Stadion sind dagegen darauf angewiesen, das volle Programm zu zeigen. "Ein Verzicht auch nur auf einen Teil der Spiele kommt für uns nicht in Frage", sagt Geschäftsführer Jachan. "Wir leben schließlich von den Fußballübertragungen." Er schätzt: Ohne Freitagsspiele gingen etwa fünf Prozent des kompletten Umsatzes verloren. "Das macht uns in gewisser Weise abhängig von den Anbietern", erklärt Jachan.

Rekordumsätze stehen gegen steigenden Kosten für Fans

Er macht noch ein anderes, größeres Problem aus: Die Fußballrechte werden immer teurer, Sky wird immer teurer, Fußballkneipen werden teurer - dem gegenüber stünden die Rekordumsätze der Fußballvereine. Zuletzt hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) mehr als drei Milliarden Euro Umsatz gemacht. Es war der zwölfte Umsatzrekord in Folge.

Gleichzeitig gebe es aber kaum eine Saison, in der nicht über irgendwelche Rechte gestritten wird. Jachan bekommt im Stadion viele Stimmungen mit, man sitze ja "direkt am Mund des Fußballfans". Streitigkeiten um Übertragungsrechte und die fortschreitende Kommerzialisierung würden das Gemeinschaftsgefühl der Fans untergraben, das beim Fußballschauen entstehe und das für viele so wichtig sei. "Die Fans nehmen das wahr und wenden sich vielleicht irgendwann ab", sagt Jachan.

Gerade sieht es nicht danach aus. Aber auch die Bundesliga ist nicht vor Veränderungen geschützt. Es gibt sie ja laufend: Mit Bibiana Steinhaus pfeift nun zum ersten Mal eine Frau in der höchsten deutschen Spielklasse. Zum ersten Mal arbeiten bei den Spielen auch Video-Schiedsrichter. Und die Vereine dürfen nun den linken Trikotärmel selbst vermarkten. Dass der zunehmende Kommerz manchen Fans aber irgendwann zu viel werden könnte - an diesen Gedanken müssen sich Vermarkter wohl erst noch gewöhnen.

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