Feinstaubbelastung Keine saubere Luft für München

So undurchdringlich, wie es dieses Foto suggeriert, ist die Münchner Luft normalerweise nicht. Aber sauberer könnte sie sein, findet eine Initiative, deren Bürgerbegehren vor zwei Jahren vom Stadtrat übernommen wurde.

(Foto: Lukas Barth)

Die Initiative "Green City" hat bereits vor Jahren mit einem Bürgerbegehren den Kampf für bessere Luft aufgenommen. Doch der Stadtrat ließ den Vorstoß verpuffen - meinen die Aktivisten.

Von Dominik Hutter

Es wirkte wie ein Sieg, als der Stadtrat im Frühjahr 2017 die Ziele des Bürgerbegehrens "Sauba sog i" übernahm. Die Initiatoren der Unterschriftensammlung feierten die Festschreibung ihrer Forderungen, die dem Ziel dienen sollten, die Schadstoffbelastung in der Luft mit einer Verkehrswende zu senken, als großen Erfolg. Die Münchner mussten gar nicht mehr darüber abstimmen, ob sie radikal umsteuern wollen. Inzwischen, fast zwei Jahre später, ist die Euphorie der Ernüchterung gewichen.

"Reichlich wenig" sei passiert, um den Autoverkehr zurückzudrängen, ärgert sich der damalige Kampagnenleiter Andreas Schuster vom Verein "Green City". Das Vorgehen des Stadtrats "entspricht nicht meinem Demokratieverständnis". Es gebe Forderungen nach einem neuen, konkreter formulierten Bürgerbegehren.

"Winzige Millimeterschritte", mehr könne das Rathaus nicht vorweisen, findet auch Grünen-Fraktionschef Florian Roth, dessen Partei damals die Initiative unterstützte. Die rot-schwarze Rathausmehrheit habe den Vorstoß verpuffen lassen. Indem sie so tat, als würde sie das gleiche Ziel verfolgen.

Das Bündnis für saubere Luft, zu dem rund 20 Organisationen gehörten, hatte im Herbst 2016 mit der Unterschriftensammlung begonnen. Die Forderung lautete: Bis 2025 sollen nur noch maximal 20 Prozent des Münchner Verkehrs mit Verbrennungsmotoren abgewickelt werden. 80 Prozent würden dann zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem MVV oder auch (lokal) emissionsfreien Antrieben wie Elektromotoren bewältigt.

Aktuell fahren in München jedoch 34 Prozent mit dem Auto, die meisten davon mit Benzin und Diesel. Rechnet man das Umland dazu, entfällt auf das Auto ein Anteil von 46 Prozent, Tendenz seit 2008 nahezu gleichbleibend. Ein Problem: Die Prozentwerte bilden nicht ab, dass wegen der stark gewachsenen Einwohnerzahl der Verkehr insgesamt deutlich zugelegt hat - wie die Münchner täglich im Stau oder in überfüllten U-Bahnen erleben. Selbst ein sinkender Anteil an Autos könnte also theoretisch eine wachsende Zahl an Pkw-Fahrten bedeuten.

SPD-Fraktionschef Alexander Reissl hält die Betrachtung nach dem sogenannten Modal Split, also dem Verkehrsmix, grundsätzlich für wenig aussagekräftig. Denn er werde für München nicht separat analysiert, sondern von einer bundesweiten Studie heruntergerechnet. Und er berücksichtigt nur die Zahl der Wege, nicht deren Länge. Ein Fußmarsch zum Bäcker an der Ecke hat daher im Modal Split die gleiche Relevanz wie eine Autofahrt von 20 Kilometern.