Bryan Adams in München:Ein Konzert wie ein Bad im Jungbrunnen

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Byran Adams

Der kanadische Musiker Bryan Adams.

(Foto: Rolf Vennenbernd/dpa)

In der Olympiahalle tanzen Bryan Adams' Fans zu einer Mischung aus alten, neuen und potenziellen Hits. Dem 63-Jährigen selbst kann nichts die Show stehlen - nicht einmal ein fliegendes Auto.

Von Dirk Wagner

"Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde", zitiert in der ausverkauften Olympiahalle die Stimme des englischen Komikers John Cleese aus dem ersten Buch Moses. Dann wird die Bibelstelle gekürzt, um schneller zu der Stelle zu gelangen, wo der von Gott erschaffene Mensch degenerierte und schlechte Musik machte. Und Gott sah, dass etwas fehlte: "Es gab keine Rockmusik!" Also sprach Gott: Es werde Gitarre! Schlagzeug, Bass, Piano. Und weil Gott alias John Cleese all das auf Englisch sagt, erinnert es nicht ohne Grund an den AC/DC-Song "Let there be rock", wenn der Prolog mit den Worten endet: "Let there be a kick-ass-rockin' band".

Und schon steht Bryan Adams mit Band auf der Bühne und reißt mit dem Song "Kick Ass" vom neuen Album "So Happy It Hurts" die Zuschauer von ihren Sitzen. Weil sie fortan das gesamte über zwei Stunden dauernde Konzert des 63-jährigen Kanadiers durchtanzen, erweist sich die Bestuhlung des Zuschauerraums als lieb gemeinter Unfug. Denn so altersschwach wie befürchtet sind die Bryan-Adams-Fans noch nicht.

Zudem wirkt die gebotene Musik wie ein Jungbrunnen, aus dem die Fans nun eine fachkundig dosierte Mischung aus alten, neuen und potenziellen Hits schöpfen. Denn unter einem Hit macht es der erfolgsverwöhnte Adams ja nicht, dessen nebenberufliche Foto-Arbeit mittlerweile übrigens das neue Rammstein-Album ziert.

Indem Adams aber seinen Erfolg mit seiner versierten Band teilt, jeder Musiker darin also selbst im Konzert brillieren darf, gelingt dem Glücklichen ein weiteres Feuerwerk der Superlative. Beflügelt von Keith Scotts mitreißenden Gitarrenverzierungen und vom treibenden Bass eines Solomon Walker, der zwischenzeitlich zum stilvollen Kontrabass wechselt, steigt Adams vor den Augen seiner Fans einmal mehr in den Rockhimmel. Eigene Hits wie "Summer of 69", "Run to you" oder "(Everything I do) I do It for you" funkeln an jenem Firmament. Aber auch ein Gruß vom King ist zu vernehmen, als Adams seine Rockabilly-Darbietung "You belong to me" in Elvis Presleys "Blue Suede Shoes" verwandelt.

Sah man in ähnlichen Sternstunden der Rockmusik noch Schweine über ein Pink-Floyd-Konzert fliegen, schwebt während Adams' Konzert passend zur Video-Aufbereitung seines neuen Titelstücks ein Auto durch die Olympiahalle. Natürlich verwandelt solch fliegendes Gefährt die Mehrheit der Konzertbesucher in Vogelfotografen, die augenblicklich ihre als Telefone getarnten Fotoapparate auf jenes Flugobjekt richten. Doch letztlich kann auch das Bryan Adams nicht die Show stehlen.

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