In der Nacht zum Donnerstag ist das Obdachlosenlager unter der Reichenbachbrücke vollständig abgebrannt. Kurz nach Mitternacht bemerkten Passanten tiefen, schwarzen Rauch, schon kurze Zeit später schlugen die Flammen bis über die Brückenbrüstung. Verletzt wurde nach Angaben der Feuerwehr niemand, Fahrspuren und Gehwege wurden vorübergehend gesperrt.
Die Polizei zeigte sich offenbar wenig sensibel, wie ein Augenzeuge berichtet: Einen Bewohner, der sich wie die anderen Obdachlosen in Sicherheit bringen konnte, soll ein Beamter mit dem Satz "Das passiert, wenn man zu viel säuft" bedacht haben. Die Feuerwehr bekämpfte den Brand von zwei Seiten aus, konnten die Flammen aber erst nach einer halben Stunde unter Kontrolle bringen.
Erst im April dieses Jahres hatte das Obdachlosenlager unter der Reichenbachbrücke schon einmal gebrannt. Die Polizei ging damals zunächst von Brandstiftung aus, stellte dann aber fest, dass das Feuer offenbar durch Unachtsamkeit entstanden war. Die vier Wohnsitzlosen, die sich an der Isar zum Schlafen gelegt hatten, konnten unverletzt entkommen, mussten aber zuschauen, wie ihre wenigen Habseligkeiten abfackelten.
Die Polizei hat am Donnerstag Ermittlungen zur Ursache aufgenommen, geht aber derzeit nicht von einer absichtlichen Tat aus. Insgesamt lebten zuletzt zehn Menschen unter der Reichenbachbrücke. In der kommenden Woche sollte das Obachlosenlager geräumt werden, weil die Stadt im Winter gesundheitliche Schäden bis zum Erfrieren befürchtet - so wie auch im Frühjahr Hochwasserprobleme mit dem Mobiliar unter der Brücke.