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Kneipe Maxvorstadt "Bei Otto":Gnadenlos ausgesiebt

Mittlerweile trinkt die Wirtin berufsbedingt öfter mal Alkohol, denn: "Eine Wirtin, die nix trinkt, ist schlecht fürs Geschäft", weiß Renate. Freilich nicht viel, hier und da mal einen Piccolo oder auch einen Cognac. Die Wirtin achtet auch darauf, dass es ihre Gäste nicht allzu sehr mit den Spirituosen übertreiben. "Zu 95 Prozent hab ich Stammgäste. Manche sind schon länger als ich hier herin. In der Regel weiß ich schon, wenn einer reinkommt, was er trinkt", sagt Renate. Bei einem hieße das Codeword "wi" - "wie immer". Vom Hilfsarbeiter bis zum Professor, Arzt oder Schauspieler kämen sie.

"Am Anfang hab ich gnadenlos ausgesiebt, weil ich eine Kneipe mit Niveau wollte. Das ist vielleicht mein größter Verdienst hier", überlegt die Wirtin. Vielleicht kommen auch deshalb gerne junge Leute hier vorbei, oder wegen des nostalgischen Charmes? So sitzt auch heute ein junges Paar an einem kleinen Tisch unter der Luftaufnahme von München, die 20 Jahre alt ist. Auf ihr kann man noch die Pferdeställe der Löwenbrauerei erkennen, die längst abgerissen sind. Genau in der Mitte des Straßenlabyrinths findet man das Bei Otto. "Ich würd ja gerne hie und da mal was verändern. Aber da hagelts gleich Proteststürme von den Stammgästen: 'Geh Renate, das ist doch unser Wohnzimmer. Da darfs nix dran machen.'"

Als Renates Mann Otto vor ein paar Jahren starb - übrigens hinter dem Tresen, so wie er sich das immer gewünscht hatte - habe Renate von vielen Stammgästen Hilfe erhalten - aber auch Avancen. "Manche dachten, wo der Otto tot ist, könnten sie bei mir landen." Renate lacht glucksend. Nein, sie komme im Lokal recht gut alleine zurecht. "Hier gibts nie Schlägereien. Aber: Angst darfst do net hom."

Wenn einer hier nicht reinpasse, dann werde er höflich von ihr entfernt. "Oder wenn einer die Stimmung kaputt macht, dann lassen wir ihn einfach leer laufen. Wenn jemand einen Schmarrn red, sag ich, halt besser die Klappe oder gib mir an Piccolo aus."

Das funktioniere meist recht gut. "Die meisten erwarten sich einfach ein bisserl Unterhaltung, einen kleinen Scherz, eine Gaudi oder ein freundliches Lächeln", weiß Renate. Und das bekommen sie hier inklusive ihrem Getränk. Wie lang noch? "Manchmal ärger ich meine Gäste und sag: 'Ich mach bald zu.'" Im Ernst? "Schmarrn! So lang, bis ich sag: 'I mog nimma'." Renate gibt uns einen Zwickel, und STS singt in ihrem Lied "Irgendwann" die Zeile: "Aber noch is' net so weit." Hoffenlich!

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