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Boazn in München:Frau Pils und der Teufel

Barhocker aus Eichenholz, vergilbte Gardinen und ein "Stüberl" im Namen - so muss eine Boazn aussehen. Ein Streifzug durch München mit viel Bier, Rauch und wilden Geschichten.

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Promillchen

Quelle: SZ

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Barhocker aus Eichenholz, vergilbte Gardinen und "Stüberl" im Namen - so muss eine Boazn aussehen. Ein Streifzug mit viel Bier, Rauch und wilden Geschichten.

Promillchen

Einer hat Michael Jackson persönlich gekannt, ein anderer hat die Brücke über den Bosporus gebaut und die dritte hat den Rolling Stones Abendessen gekocht. Wo trifft man solche Leute? Im Promillchen.

Es ist drei Uhr nachmittags, das Bier fließt in Strömen - und das schon 36 Jahre lang. Der Kunde, der hier schon am Eröffnungstag des Promillchen sein Bier getrunken hat, sitzt immer noch an der langen, dunkel getäfelten Bar, sogar seine Hochzeit hat er hier gefeiert. "Unser Promillchen ist einer der ältesten Stehausschänken in Schwabing", sagt die Claudia, die oft hinter der Bar steht und vor allem für ihre Gulaschsuppe bekannt ist (4,20 Euro). Die Pächterin Barbara Wiesmüller ist "eine alte Rock'n'Rollerin, die hat schon für die Rolling Stones Catering gemacht". Ein Stammgast mit schwarzer Sonnenbrille meint: "Von Altakademikern, über Rechtsanwälte bis Hartz-IV-ler, hierher kommen alle möglichen Leute. Und das Schöne daran: alle verstehen sich."

Schon um 12 Uhr Mittags wird im Promillchen das erste Bier ausgeschenkt, richtig voll...

Texte: H. Schwarzenbeck Foto: H. Schwarzenbeck

Promillchen

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...wird es vor allem, wenn die Löwen spielen. Bei den vielen Promillchen kommt es beim Philosophieren und Diskutieren auch mal zum Streit. Damit der nur laut und nicht handfest wird, stehen zu Schlichtungszwecken direkt neben der Bar mehrere Lexika in der "Bibliothek", meint die Claudia.

Promillchen, Wilhelmstr. 27 Halbe Bier: 2,60 Euro Max. 40-50 Gäste Stammgäste: 95% Öffnungszeiten: jeden Tag von 12 bis 22 Uhr Empfehlung vom Wirt: Die Gulaschsuppe von der Claudia für 4,20 Euro

Foto: H. Schwarzenbeck

Du und I

Quelle: Helena Schwarzenbeck

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Du und I

"Pils - wie's Bier" erklärt Inge Pils ihren Nachnamen. Die 65-jährige Wirtin des "Du und I" ist eine der wenigen Müchner, die den Titel "Original" verdienen. Aufgewachsen ums Eck in der Hirschstraße, ist sie der Maxvorstadt seit jeher treu geblieben.

Gegen fünf Uhr nachmittags begrüßt sie die ersten Gäste, die nach der Arbeit auf ein paar Bier und Zigaretten bei ihr vorbeikommen - jeden Tag außer am Sonntag. "Das 'Du und I' war einer der ersten Raucherklubs in München - da war sogar das Fernsehen da", meint Frau Pils.

In den 13 Jahren, in denen sie hinter der Bar steht, hat sie schon einiges erlebt: Acht Mal ist die Polizei gekommen, weil es zu laut war und nächtliche Reibereien hat es auch etliche gegeben -"aber des is ned die Welt", sagt sich lächelnd. Stolz erzählt sie: "Sogar einen Krimi haben sie hier schon gedreht."

Besonders viel ist immer an Fasching, zum Oktoberfestanstich und an Weihnachten los - da spielt die Jukebox die ganze Nacht. "Junge kommen aber weniger her, die meisten Gäste sind schon über 40."

Du und I, Schleißheimer Str. 45 Halbe: 3,00 Euro ca. 30, bei Feiern 75 Gäste Stammgäste: 70 % Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 17 Uhr bis der letzte geht.

Foto: H. Schwarzenbeck

Ungewitter

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Ungewitter

"Der Teufel" kommt aus Franken - deswegen heißt er auch "Deufel". Er ist der Mann von der Charlotte, und steht ab 4 Uhr im Ungewitter hinter der Bar. Die Charlotte heißt eigentlich Bozena Gomik und ist die Wirtin hier.

Die Blondine lächelt neben längst verblassten Promi-Sternchen von unzählichen Fotos aus mindestens vier Jahrzehnten, die alle Wände der kleinen Kneipe tapezieren."Charlotte war der erste weibliche Disk-Jockey in Deutschland" erzählt "der Deufel" stolz und zeigt Fotos aus den sechziger Jahren, auf denen Charlotte mit dem damals "kürzesten Minirock" posiert.

Die Polin meint: "Das einzige, was ich kann, ist Kinder großziehen und Diskjockey sein - und deswegen habe ich das Ungewitter in München eröffnet." Ihr zweites Lokal nach einer Disko in Oberstdorf. Die Musikauswahl überlässt sie mittlerweile jedoch ihren Gästen und der großen "Musikbox".

Foto: H. Schwarzenbeck

Ungewitter

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Ungewitter, Arcisstr. 62 Halbe: 3,00 Euro Max. 30 Gäste Stammgäste: 90% Öffnungszeiten: täglich, außer Sonntag und Montag, von 16 Uhr bis open end. Empfehlung des Wirts: Flamkuchen (original elsässisch) für 7,00 Euro; Für Geburtstagskinder und ihre Gäste gibt es 10% Abschlag.

Foto: H. Schwarzenbeck

Augustin's

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Augustin's

Schon um zehn Uhr morgens geht im Augustin's an der Ecke Nordendstraße, Adalbertstraße das erste Bier über die Theke. Da verwundert es nicht, dass der Pegel der trinkfreudigen Gäste am frühen Nachmittag schon beachtliche Höhen erreicht.

Klein ist es, dafür hell: Die große Fensterfront ist nur zur Hälfte von vergilbten Spitzengardinen verhängt. Und auch sonst wird das Klischee der Boazn erfüllt: Ein Spielautomat blinkt an der Wand und alle halbe Meter steht ein Aschenbecher.

Als die alten Besitzer aufhörten, wurde die frühere Gymnastik- und Sportlehrerin Gertraud Augustin-Kiecke vor fast 6 Jahren selbst Wirtin des Augustin's.

Foto: H. Schwarzenbeck

Augustin's

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Augustin's, Nordendstr. 7a Halbe: 2,80 Euro Max. 30 Gäste Stammgäste: 80% Öffnungszeiten: täglich, von 10 bis 22 Uhr.

Foto: H. Schwarzenbeck

Heß-Stüberl

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Heß-Stüberl

Das Heß-Stüberl gibt es schon seit 30 Jahren. Vor allem Stammgäste finden sich hier ab 10 Uhr morgens an den Spielautomaten, beim Karteln oder Dartspielen ein.

Seit einem halben Jahr steht "Benny" Suppinger hinter der Bar: "Vor allem bei unseren Dart-Turnieren wird es oft sehr voll. An Fasching, Silvester und am Heiligen Abend sind auch immer viele Leute da."

Zwischen zwei Schnupftabak-Ladungen schnieft ein Stammgast: "Das ist wie eine Familie hier - man kennt alle und alle sind per Du."

Foto: H. Schwarzenbeck

Heß-Stüberl

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Heßstüberl, Heßstraße (fast auf Höhe Schleißheimer) Halbe: 2,80 Euro Max. 30, bei Feiern 80 Gäste Stammgäste: 70 - 80% Öffnungszeiten: täglich von 10 Uhr bis 22 Uhr Empfehlung des Wirts: Zombie für 7,50 Euro (0,5 l)

Foto: H. Schwarzenbeck

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