Brauchtum:Spektakel für Ross und Reiter

Lesezeit: 2 min

Brauchtum: Gut eingespannt: Während die Rösser den Wagen ziehen, beten die Wallfahrer für den Schutz ihres Viehs.

Gut eingespannt: Während die Rösser den Wagen ziehen, beten die Wallfahrer für den Schutz ihres Viehs.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Leonhardifahrten gehören zu den ältesten Traditionen in Bayern. Jedes Jahr ziehen Anfang November prächtig geschmückte Kutschen und Gespanne durch die Ortschaften, begleitet von Musikapellen und Trachtenvereinen. Diesmal wurden die großen Umzüge wegen Corona erneut kurzfristig abgesagt, einige halten dennoch an ihren Planungen fest. Ein Überblick über die Prozession in diesem Herbst.

Von Sarah Maderer

Brauchtum: Gut eingespannt: Während die Rösser den Wagen ziehen, beten die Wallfahrer für den Schutz ihres Viehs.

Gut eingespannt: Während die Rösser den Wagen ziehen, beten die Wallfahrer für den Schutz ihres Viehs.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Oberammergauer Passionsspiele gehören dazu, der Further Drachenstich und inzwischen auch die Tölzer Leonhardifahrt. Das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Unesco listet dort kulturelle Traditionen, die "exemplarisch für die Kreativität und den Erfindergeist unserer Gesellschaft" stehen. Und die Leonhardifahrt hat eine lange Tradition. Schon seit 1772 ist die Wallfahrt am Kalvarienberg von Bad Tölz nachgewiesen. Der feierliche Umzug finden immer im Spätherbst zu Ehren des Heiligen Leonhard von Limoges statt, dessen Todestag im frühen 6. Jahrhundert auf den 6. November gefallen sein soll. Um diesen seinen Namenstag herum prozessieren in Gedenken an den Schutzpatron des Viehs gestriegelte und schmuckbeladene Pferdegespanne durch die Ortschaften Tölz, Kreuth, Schongau und viele andere im bayerischen Umland. Anfangs stand im Mittelpunkt dieser Fahrten die Segnung der Tiere, beispielsweise zum Schutz vor verheerenden Seuchen, die die Ernte gefährden konnten. Zwar ist dieser Ritus auch heute Teil der Leonhardifeste, doch vielerorts dürfen sich die Besucher zudem auf Musik, Markttreiben und Umtrunk freuen, nicht zu vergessen natürlich auf die Festgottesdienste und Umzüge selbst.

Die Wallfahrten in Kreuth am Tegernsee, 1442 erstmals urkundlich erwähnt, und die durch Tölz gelten sind die ältesten und bekanntesten. Doch beide, wie auch die ähnlich großen Schwesternveranstaltungen in Benediktbeuern und Murnau, wurden pandemiebedingt nun schon das zweite Jahr in Folge kurzfristig abgesagt. Zwar sind öffentliche Veranstaltungen aktuell erlaubt, allerdings gelten ab 1000 Besuchern strenge Vorschriften, und zu den Brauchtumsveranstaltungen dieser Größenordnung kamen zu Hochzeiten mehrere Tausend Menschen zusammen. Hier kontrollierte Zugänge zu schaffen und jeden Teilnehmer gemäß der 3G-Regelung zu überprüfen, erscheint den Veranstaltern riskant bis unmöglich.

Ein paar Ortschaften trauen sich aber doch an die Umsetzung heran, "unter Vorbehalt", wie die Chiemgau-Website bezüglich der Leonhardifahrt am 6. November in Greimharting vermerkt. Der feierliche Gottesdienst in der Filialkirche Greimharting beginnt um 9 Uhr, anschließend gibt es den Ritt mit Prozession und Pferdesegnung auf dem Dorfplatz. Ebenfalls direkt am Gedenktag des Heiligen Leonhard soll nach aktuellem Stand der Leonhardiritt in der Schongauer Altstadt stattfinden. Auf die 10-Uhr-Messe in der St.-Sebastians-Kirche folgt die Segnung der Pferde und Reiter am Pferdebrunnen vor dem Sparkassenforum mit anschließendem Festzug und Reiterbrotzeit. Das 19. Leonhardifest in Rossholzen am Samerberg beginnt am 7. November um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, der bei schönem Wetter im Freien abgehalten wird. Nach dem Umritt und der Pferdesegnung kommt man zum Bauernmarkt am Feuerwehrhaus zusammen. Ebenfalls am 7. November um 10 Uhr gibt es eine Feldmesse mit Pferdesegnung am Fohlenmarktplatz in Rottenbuch mit anschließendem Umritt durch den Ort. Kirchweidach im Landkreis Altötting, das bereits 2020 mit seinem Leonhardiritt der Pandemie trotzte, hält auch in diesem Jahr an der Tradition fest: Um 12 Uhr kommen am 7. November Reiter und Schaulustige am Dorfplatz für Umritt und Markt zusammen - schon zum 290. Mal. Einen passenderen Zeitpunkt zur Segnung vor Seuchen dürfte es wohl kaum geben.

Leonhardifahrten: Schongau, Samstag, 6. November, 10 Uhr; Greimharting, Samstag, 6. November, 9 Uhr; Reichling, Samstag, 6. November, 9.30 Uhr; Rossholzen am Samerberg, Sonntag, 7. November, 10 Uhr; Rottenbuch, Sonntag, 7. November, 10 Uhr; Kirchweidach, Sonntag, 7. November, 12 Uhr

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB