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Band der Woche:Kadie

Katharina Pauer veröffentlicht ihre erste EP auf Deutsch - so könne sie "ehrlicher sein, auch zu mir selbst"

Von Johanna Schmidt

Ihren ersten Auftritt als Sängerin hatte Katharina Pauer, ohne davon zu wissen. In der Zeit auf dem Gymnasium ging es ihr nicht gut, sie verbrachte viele Pausen allein im Klavierzimmer ihrer Schule. Spielte und sang dazu. Einmal, als sie aus dem Zimmer kam, standen etwa fünfzehn ihrer Mitschülerinnen vor der Tür. Sie hatten ihr die ganze Zeit zugehört. "Das war für mich der Punkt, an dem ich ganz genau wusste, dass ich singen möchte," sagt sie.

Sie hatte vorher schon Musik gemacht. Mit sechs Jahren spielte sie Geige, später ging sie auf ein musisches Gymnasium, lernte Bratsche und brachte sich Klavier bei. Dann kam das Singen. Nach dem ungeplanten Auftritt in der Schule nahm sie erste Coverversionen auf und lud sie auf Youtube hoch. Zu der Zeit schrieb sie auch ihre ersten eigenen Songs, war aber noch nicht bereit, sie auch zu teilen. "Mir fehlte es damals einfach an Selbstbewusstsein," sagte die 23-Jährige heute. Das kam erst mit der Zeit. Auch durch die Zusammenarbeit mit FreeMindMonaco oder Emotional Club.

2019 veröffentlichte sie dann ihren ersten eigenen Song "Remedy" unter dem Namen Kadie . Im Vergleich zu ihrem gerade erschienenen Song "Paradox" wirkt "Remedy" - der auf Spotify bereits über 200 000 Mal gestreamt wurde - sorglos und unbeschwert. "Paradox" ist dagegen intimer und nachdenklicher. Auch kommt hier die unangestrengte Varianz von Kadies Stimme mehr zu Geltung. Das Video zum Song erscheint am 1. März auf Youtube.

Die Ideen für Lyrics kommen bei Kadie oft nachts, wenn sie nicht schlafen kann. Am Klavier baut sie dann ein Grundgerüst für die Songs. Sie versucht, Melodien zu entwickeln, die nicht den klassischen Pop-Akkordfolgen entsprechen. Danach leitet sie ihre Skizzen an Produzenten weiter, die daraus Beats bauen. So auch bei "Paradox". Der Song war schon vor dem ersten Lockdown geschrieben, doch gefielen ihr die Beats nicht. Sie fand sie "zu fröhlich".

"Vor dem Lockdown habe ich Gefühle wie Traurigkeit und Schmerz nicht zugelassen, sondern mit Partys verdrängt. Seit einigen Monaten verstecke ich meine Stimmung nicht mehr, sondern lege sie in meine Musik", sagt sie. In ihrer EP, die in diesem Jahr erscheinen soll, geht sie noch einen Schritt weiter und singt auf Deutsch. Über das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater, über Drogen, Fernbeziehungen und ihre besten Freundinnen. Sie sagt: "Auf Englisch ist es einfacher eine Mauer zu den Gefühlen aufzubauen. Wenn ich auf Deutsch singe, kann ich ehrlicher sein, auch zu mir selbst."

© SZ vom 22.02.2021
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