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Abfall:Im Visier der Mülldetektive

Das gehört da nicht rein: Ein Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs München fischt ein Stück Plastik aus einer braunen Tonne für Biomüll.

(Foto: Stephan Rumpf)

Mit vergorenem Bioabfall erzeugt die Stadt Strom und verdient Geld. Aus den Resten wäre aber weit mehr herauszuholen, würden die Münchner besser wegwerfen.

Wer stiehlt schon Blumenerde? Siegfried Müller, der Geschäftsbereichsleiter im Entsorgungspark des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM), hätte auf diese Frage einiges zu antworten. "Sie glauben gar nicht..." Doch dann bricht er den Satz ab, das große grüne Plakat, das da an einem der Betonbunker auf dem Gelände des Entsorgungsparks weit draußen in Freimann hängt, mag genügen. Es weist mögliche Diebe darauf hin, dass die dort gelagerte "Münchner Erde" nicht Allgemeingut ist, sondern der Stadt gehört. Und die verkauft sie für gutes Geld, denn sie ist gefragt, diese Erde, nicht nur bei Hobbygärtnern, sondern auch bei Öko-Anbaubetrieben. Dabei ist sie, wollte man es böse ausdrücken, im Grunde der Abfall vom Abfall.

Diese Gartenerde steht ganz am Ende eines Prozesses, den der Biomüll hinter der Fröttmaninger Arena durchwandert, wie man an Ort und Stelle auch ganz deutlich riechen kann. Die biologischen Abfälle aus den Münchner Haushalten werden hier angeliefert, um dann vergoren zu werden. So entsteht Biogas, das wiederum in Strom umgewandelt wird. Mit dieser Bio-Energie könnten immerhin rund 1500 Münchner Haushalte versorgt werden, wie Michaela Jüngling, die stellvertretende Zweite Werkleiterin des AWM, sagt. Und die Gärreste? Sie werden verrottet zu Kompost, der auch für den Biolandbau geeignet ist. Zum Teil wird dieser direkt vermarktet, zum Teil wird er mit anderen Bestandteilen zu Münchner Blumenerde aufbereitet, die guten Absatz findet.

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Ein ökologisch wie auch ökonomisch sinnvoller Kreislauf, den der AWM jetzt noch ausbauen und perfektionieren will. Auch wenn seine Biogasanlage nur etwa die Hälfte der jährlich in München gesammelten Abfälle aus der braunen Tonne verarbeiten kann - rund 22 000 Tonnen, der Rest geht per Ausschreibung an Unternehmen in der Umgebung -, weiß man, dass in der Stadt noch weitaus mehr zu holen wäre. Denn zu 40 Prozent findet sich der Biomüll noch im Restmüll, was laut Jüngling einen "Schatz" darstellt, den man heben wolle.

Nur 28 Kilogramm Bioabfälle pro Münchner landen jährlich in der dafür bestimmten Tonne. Auch wenn von den 840 000 Münchner Haushalten viele von Singles betrieben werden, die nicht oft selbst kochen, könnte das mehr sein. In Neuhausen, wo man 2015 ein Pilotprojekt mit einer großen Aufklärungskampagne startete, konnte man die Sammelmenge an Bioabfällen verdoppeln.

Derzeit analysiert man stichprobenartig in Freimann den Inhalt einzelner Tonnen. Per Hand - das ist keine schöne Arbeit, und man kann dabei vielleicht ein bisschen verstehen, dass die braune Tonne ein Imageproblem hat. Als Anreiz bekommt jeder Haushalt einen kleinen Bio-Eimer. Den gibt es in unterschiedlichen Farben, "der Renner" sei Türkis, hat Silke Pesik, zuständig für das Marketing des AWM, festgestellt.

Doch leider sei der gesammelte Biomüll bei Weitem nicht so sauber, wie er sein sollte. Die Münchner werfen immer wieder - aus Unwissenheit oder aus Nachlässigkeit - auch Plastik und anderes, was nicht hinein gehört, in die braune Tonne. Selbst die angeblich recycelbaren Bio-Kunststoff-Tüten für den Bioabfall tun dem Kompost nicht gut, sagt Michaela Jüngling, weil sie nicht schnell genug verrotten. Auch dazu hat sich der AWM etwas einfallen lassen. Künftig wird es Qualitätskontrolleure geben, die stichprobenartig die Biotonnen im Stadtgebiet prüfen. Derzeit ist es noch ein Quartett aus Mülldetektiven, das in Laim im Einsatz ist. Findet ein Kontrolleur Fremdstoffe in der Biotonne, dokumentiert er das mit einem Foto. Bei einer leichten Verfehlung gibt es fast wie im Fußball einen gelben Aufkleber. Darauf bittet der AWM um mehr Sorgfalt beim Sortieren. Bei starker Verschmutzung des Tonneninhalts gibt's Rot. Dann gilt die Biotonne als Restmüll: Sie wird abgeholt und entsprechend in Rechnung gestellt.

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