Untersuchung von Ausländern:Mit Risiken und Nebenwirkungen - für Russland

Lesezeit: 1 min

Moskau ordnet medizinische Routineuntersuchungen für Ausländer an - und riskiert damit auch wirtschaftliche Probleme.

Kommentar von Frank Nienhuysen

Die Wirtschaft ist von guter Stimmung abhängig, und Zuversicht zu zeigen ist derzeit schon eine Kunst für sich, da sind die Russland-Geschäfte keine Ausnahme: Das Coronavirus hat sich als hartnäckiger Störenfried erwiesen, der dräuende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ängstigt viele Menschen, die russische Zivilgesellschaft wird dauerhaft eingeschüchtert, und immer noch wird die fast fertige Gaspipeline Nord Stream 2 von Politikern infrage gestellt.

Trotzdem: Kurz vor dem Jahreswechsel ist der wirtschaftliche Optimismus zurück, schreibt der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft auf seiner Internetseite. Ausgerechnet der Blick auf 2022 wird nun getrübt durch ein neues Gesetz, das allen Langfrist-Ausländern in Russland regelmäßig ungeliebte medizinische Untersuchungen abverlangt. Das mäßigt die Stimmung vor allem in Unternehmen, aber auch weit über die Geschäftswelt hinaus. Betroffen sind - von Diplomaten abgesehen - alle Branchen, alle Länder, außer Belarus, mit dem sich Russland ohnehin stärker verzahnt.

Verständlich ist der Unmut bei den Betroffenen, die vor Folgen auch für die russische Wirtschaft gewarnt haben: Wer hat schon Lust, einmal im Quartal sich nur zur Routine gesundheitlich auf den Kopf stellen zu lassen, auch wegen vermeintlicher Drogen und Syphilis, Röntgenstrahlen inklusive. Im letzten Moment ist nun immerhin der Zyklus auf ein Jahr vergrößert worden. Offensichtlich hat der Moskauer Regierung dann doch gedämmert, welche Risiken und Nebenwirkungen das Gesundheitsgesetz haben könnte.

Bei allem Selbstbewusstsein und trotz der derzeit hohen Energiepreise kann Russlands Wirtschaft es sich kaum leisten, Investoren abzuschrecken und die vielen Wanderarbeiter aus Zentralasien womöglich in die illegale Schattenwirtschaft zu drängen. Sollte auch schlicht Schikane ein Antrieb für die neuen Regeln sein, so bleibt sie ohnehin: nur halt nicht mehr ganz so oft wie ursprünglich geplant.

Zur SZ-Startseite

Ausländer in Russland
:Regelmäßig durchleuchtet

Die Regierung in Moskau zwingt alle, die keinen russischen Pass haben, zu Röntgen-, CT- und anderen Medizinchecks. Zwar hat der Kreml das Gesetz nun leicht abgeschwächt, aber der Deutsche Journalisten-Verband fordert Außenministerin Baerbock auf, klar Position zu beziehen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB