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Politischer Aschermittwoch:Elegantes von Söder

Der CSU-Chef und Kanzlerkandidaten-Kandidat übt sich in der Kunst des Nebensatzes.

Von Peter Fahrenholz

Für Politiker ohne Entertainer-Qualitäten wie den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz können digitale Veranstaltungen durchaus Vorteile haben. Ob Scholz das am Aschermittwoch etwas genutzt hat, ist fraglich. Er hielt eine typische Scholz-Rede: sachlich, unaggressiv und in Maßen emotional. Den Wahlkampf hat er damit jedenfalls nicht eingeläutet.

CSU-Chef Markus Söder musste den wachsenden Unmut in der CSU über seine strikte Corona-Linie irgendwie einfangen. Sein CDU-Rivale Armin Laschet hat dagegen gerade erst wieder neue Rätsel aufgegeben, welche Linie er hier überhaupt vertritt. Laschet umschiffte das heikle Thema in seinem Grußwort vollständig.

Söder hingegen saß in einer bayerischen Klischee-Stube samt Kachelofen und gab den gütigen Papa, der seine Kinder davor warnt, dass die Gefahr noch nicht vorbei ist, aber gleichzeitig Verständnis zeigt, wie schwer das Durchhalten ist. Gehe ihm doch genauso. Kein Abrücken, keine konkreten Öffnungsdaten. Stattdessen eine diskrete Botschaft, die Laschet und dem Lockerungsflügel in der Union in den Ohren klingen wird: Wer im Herbst auf Merkel-Stimmen hoffe, müsse wissen, dass es Merkel-Stimmen nur mit Merkel-Politik gebe. Da hat einer seinen Anspruch elegant in einen Nebensatz verpackt.

© SZ
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