Olympia-Gedenken:Ein spätes Wunder

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Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag des Olympiaattentats

Dass Deutschland nun endlich dazu bereit ist, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner emotionalen und ehrlichen Fürstenfeldbrucker Rede überzeugend klargemacht.

(Foto: dpa)

Ein tiefer Graben trennt Israels Wahrnehmung des Attentats von der Deutschlands. Die gemeinsame Gedenkveranstaltung kann ein Anfang sein.

Kommentar von Peter Münch, Tel Aviv

In Deutschland spricht man vom Olympia-Attentat, in Israel erinnert man sich an den Anschlag auf die Spiele von 1972 unter einem anderen, weitaus drastischeren Begriff: das München-Massaker. In Deutschland sah man die palästinensische Terrortat als - möglichst schnell und unauffällig zu tilgenden - Schandfleck auf einer ansonsten doch so heiteren und gelungenen Sportveranstaltung. In Israel ist die Ermordung der elf Sportler durch palästinensische Terroristen auf deutschem Boden Teil des Kollektivtraumas von Verfolgung und versuchter Vernichtung.

Es liegt also ein tiefer Graben zwischen der deutschen und der israelischen Perzeption dieses Ereignisses - und die deutsche Seite hat in den vergangenen 50 Jahren viel dafür getan, diesen Graben tiefer werden zu lassen: durch Verdrängung und Vertuschung, die auf den desaströsen Polizeieinsatz zur Geiselbefreiung folgte. Dass vor diesem trennenden Hintergrund nun in München und Fürstenfeldbruck zum 50. Jahrestag eine gemeinsame Gedenkveranstaltung abgehalten werden konnte, darf also getrost zu den oft zitierten "Wundern" im deutsch-israelischen Verhältnis gezählt werden.

Die Schuld ist nicht getilgt, aber ein würdiges Gedenken wurde möglich

Um dieses Wunder trotz der vielen Wunden möglich zu machen, war eine Kraftanstrengung in letzter Minute nötig. Schuld verlangt nach Entschuldigung und auch Entschädigung, Versagen nach der Übernahme von Verantwortung. Dass Deutschland nun endlich dazu bereit ist, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner emotionalen und ehrlichen Fürstenfeldbrucker Rede überzeugend klargemacht. Und die israelischen Vertreter - Präsident Isaac Herzog und Ankie Spitzer als Sprecherin der Opferfamilien - haben das anerkennen können. Die Schuld ist dadurch nicht getilgt, Schmerz und Trauer der Hinterbliebenen sind nicht vorbei. Aber es ist am Ende ein würdiges Gedenken möglich geworden, das nach all den Verletzungen der vergangenen 50 Jahre nun zum Anfang eines Heilungsprozesses werden kann.

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