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Angela Merkel:Eine fünfte Amtszeit ist Quatsch

Coronakrise - Statement Merkel

Amtiert seit 2005 und möchte ihre Kanzlerschaft spätestens 2021 beenden: Angela Merkel (CDU)

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Angela Merkel kann und wird ihre derzeitig sprunghaft gestiegenen Popularitätswerte für vieles nutzen - aber sicher nicht für eine weitere Kandidatur.

An diesem Freitag kehrt Angela Merkel aus der Quarantäne ins Kanzleramt zurück. Manch einer mag in so einer Phase der Abgeschiedenheit die Ruhe finden, über sein Leben und seine persönliche Zukunft nachzudenken.

Gut möglich, dass auch die Kanzlerin dazu trotz ungezählter Schaltkonferenzen noch Zeit hatte. Eines hat sie aber ganz gewiss nicht erwogen, auch wenn nun hie und da publizistisch darüber spekuliert wird: eine Kandidatur für eine fünfte Amtszeit als Bundeskanzlerin.

Anlass für solche Spekulationen sind die Umfragezahlen der Union und die Beliebtheitswerte Merkels, die gerade - ganz im Trend des Corona-Zeitalters - nicht linear steigen, sondern exponentiell. Das gilt im übrigen auch für andere Regierungspolitiker aus Bund und Ländern, wenn auch nicht für alle Regierungsparteien.

Die Belastbarkeit dieser Zahlen ist jedoch gering. Es sind Momentaufnahmen, die einstweilen kaum handfeste Ergebnisse des Krisenmanagements bewerten können - mal abgesehen von den unterm Strich erfolgreichen ersten Hilfen für Firmen und Arbeitnehmer -, sondern vielmehr Eindrücke der Bürger von den verantwortlichen Politikern in den vergangenen Wochen.

Da werden Tatendrang und Souveränität benotet, Ernsthaftigkeit und Kommunikation. Insofern sind es mehr Haltungs- als Handlungsnoten. Solche Umfragewerte drücken Zutrauen aus, dass der Staat mit dieser Krise fertig werden kann, aber ein Indikator für dauerhaftes Vertrauen sind sie ganz bestimmt noch nicht.

Für den politischen Betrieb, einschließlich nicht zuletzt der Medien, hat die Demoskopie in dieser Zeit etwas beruhigend Nostalgisches. Sie erinnert an eine Zeit, als noch Fragen wichtig erschienen, die mittlerweile völlig in den Hintergrund gedrängt wurden - vor allem Personalfragen, wie zum Beispiel der CDU-Vorsitz. Und sie suggeriert, dass es unterhalb der Krise so etwas wie eine Strömung gibt, die Althergebrachtes hinüberrettet in eine Zeit nach Corona.

Niemand weiß besser, wie schnell hohe persönliche Beliebtheitswerte in den Keller rauschen können

Die Halbwertszeit der jetzigen Zahlen aber wird sich an der weiteren Entwicklung der Krise bemessen, an der Zahl der Infizierten, der Toten, der Belastung für das medizinische Personal und dessen Ausstattung.

Und sie bemisst sich in den nächsten Wochen daran, wie lange die Einsicht in die Notwendigkeit drastischer Beschränkungen des öffentlichen und des ökonomischen Lebens auf der einen Seite die wachsenden Existenzsorgen, den Aufenthalt in schwierigen privaten Verhältnissen, die Isolation im Pflegeheim oder auch nur den schlichten Freiheitsdrang der Menschen auf der anderen Seite überwiegt.

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Niemand weiß besser, wie schnell hohe persönliche Beliebtheitswerte wieder in den Keller rauschen können, als Angela Merkel. Trotzdem ist der wohlwollende Blick einer großen Mehrheit auf sie für die Kanzlerin in der Corona-Krise nicht völlig wertlos.

Wenn Merkel ihre aktuell hohe Popularität etwas nützt, dann jedoch bestimmt nicht, um sich darauf vorzubereiten, irgendwann für eine fünfte Amtszeit ins Kanzleramt einzuziehen, sondern jetzt und gleich, wenn sie an Bürgerinnen und Bürger immer und immer wieder appellieren muss, sich mindestens auch über Ostern an die geltenden Regeln zu halten.

© SZ.de/odg
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