Konzertierte Aktion:Gerne mehr davon

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Konzertierte Aktion: Auf einer Linie? Olaf Scholz, DGB-Chefin Yasmin Fahimi und Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger nach ihrem Gespräch zur konzertierten Aktion in Berlin.

Auf einer Linie? Olaf Scholz, DGB-Chefin Yasmin Fahimi und Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger nach ihrem Gespräch zur konzertierten Aktion in Berlin.

(Foto: IMAGO/Christian Spicker/IMAGO/Christian Spicker)

Dass sich Arbeitgeber und Gewerkschaften im Kanzleramt wieder getroffen und geredet haben, ist schon einmal gut. Damit die Krise sich nicht weiter verschärft, müssen sie auch in den anstehenden Tarifrunden zusammenarbeiten.

Kommentar von Benedikt Peters

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger und Yasmin Fahimi, die Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbunds, sind nicht gerade natürliche Verbündete. Insofern ist es gut, dass sie an diesem Donnerstag wieder miteinander gesprochen haben, im Kanzleramt, auf Einladung von Olaf Scholz. Die Treffen der konzertierten Aktion zeigen, dass Arbeitgeber und Gewerkschaften zusammenarbeiten können, wenn es darauf ankommt. Und in diesen Monaten kommt es so sehr darauf an wie seit vielen Jahren nicht: Energiekrise und Inflation bringen viele Menschen und einige Firmen an den Rand des Abgrunds. Wenn Gewerkschaften und Arbeitgeber sich in dieser Lage auch noch gegenseitig bekriegten, machten sie alles nur noch schlimmer.

Also: Reden gut, alles gut? Leider nicht. Denn das Kanzleramt ist nicht der einzige Schauplatz, an dem maßgeblich darüber entschieden wird, ob Arbeitnehmer und Arbeitgeber einigermaßen heil durch die verheerende Krise kommen. Ähnlich wichtig sind Orte, die nicht ganz so sehr im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit stehen. Da wären zum Beispiel Gelsenkirchen, Nürnberg oder Kornwestheim in Baden-Württemberg.

In diesen und einigen weiteren Städten treffen sich in dieser Woche Verhandlungsdelegationen der IG Metall und der Metall-Arbeitgeber. Es ist der Auftakt der größten Tarifrunde in Deutschland, jener in der Metall- und Elektroindustrie und der Anbruch eines tarifpolitisch heißen Herbsts und Winters: Im Oktober verhandelt die Chemie- und Pharmaindustrie, im Januar folgt der öffentliche Dienst von Bund und Kommunen. Zusammengenommen geht es um die Löhne von etwa sieben Millionen Arbeitnehmern.

Diese Krise braucht schnelle Einigungen, und die sind auch möglich

Der Verhandlungsauftakt der Metaller deutet nun nicht unbedingt darauf hin, dass der kooperative Geist aus dem Kanzleramt schon in die Provinz herübergeweht ist. Arbeitgeber und Gewerkschafter werfen sich Eskalationsabsichten vor und betonen, wie weit sie noch auseinanderlägen. Das muss nicht gleich tief beunruhigen, ein Stück weit ist es das übliche Geplänkel, dass sich zu Beginn von Tarifrunden abspielt. Dennoch sollten beide Seiten ihre ideologischen Positionen schnell räumen. Diese Krise braucht schnelle, verantwortungsvolle Einigungen, und sie sind möglich.

Die IG Metall pocht zu Recht auf eine Lohnforderung von acht Prozent. In anderen Zeiten wäre das übertrieben, jetzt aber entspricht es so gerade dem Ausgleich der Inflation. Die Arbeitgeber sollten dem zustimmen, auch, weil bei vielen Firmen genug Geld dafür da ist, gerade in der Metall- und Elektroindustrie. Einem großen Teil der Unternehmen ist es gelungen, die höheren Produktionskosten an die Kunden weiterzugeben. Doch das gilt nicht für alle, deshalb müssen sich auch die Gewerkschafter kooperativ zeigen. Sie müssen sich auf Ausnahmen einlassen, damit Betriebe, die es schwer haben, nicht zahlungsunfähig werden. Und sie müssen anerkennen, dass nicht alle Beschäftigten einen Inflationsausgleich wirklich nötig haben. In der Elektro- und der Chemieindustrie etwa gibt es viele Gutverdiener, die jetzt nicht zwingend auf eine hohe Lohnsteigerung angewiesen sind. Sie sollten - zugunsten der weniger betuchten Kollegen - auf ein paar Prozente verzichten.

Gewerkschafter und Arbeitgeber können diese Krise nur gemeinsam bewältigen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob sie dazu in der Lage sind.

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