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Missbrauch in der Kirche:Sie können es nicht

Das Verhalten der EKD und die jüngsten Aussagen von Bischof Ackermann zeigen: Das Konzept der Betroffenenbeiräte in ihrer bisherigen Form muss überdacht werden.

Von Annette Zoch

Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann sprach entlarvende Sätze beim Ökumenischen Kirchentag: Er sei skeptisch über die Arbeit von "Aktivisten" in Betroffenenbeiräten. Aktivisten seien aus seiner Sicht Menschen, die "kompromisslos Fehler aufdecken, immer den Finger in die Wunde legen", und dies auch "politisch öffentlich"?

Ja, was sollen Betroffene denn sonst tun? Brav mitarbeiten, still sein? Der Bischof bedauerte die Aussage später als "missverständlich". Trotzdem: Es ist ein seltsames Verständnis jenen Menschen gegenüber, denen die Institution Kirche mit das Schlimmste angetan hat, was Menschen sich antun können. So setzt sich das im Missbrauch angelegte Machtgefälle fort. Seine Aussage und die De-facto-Auflösung des Beirats durch die EKD gegen den Willen der Mehrheit der Betroffenen zeigen, dass das Konzept der Beiräte in ihrer bisherigen Form unter dem Dach der Kirchen problematisch ist. Die Expertise der Betroffenen ist unerlässlich bei der Aufarbeitung. Aber es darf nicht die Täterinstitution sein, die Beratung durch Betroffene organisiert, sie sogar mit auswählt. Sonst kommt es unweigerlich zu Rollenkonflikten und Instrumentalisierungen.

Die Kirchen müssen die Aufarbeitung aus der Hand geben. Sie können es nicht alleine. Es ist Zeit für eine unabhängige Wahrheitskommission.

© SZ
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