Kampf gegen IS in Syrien Assad bleibt ein Mörder

Hatte vor einem Jahr 1400 Menschen mit Giftgas ermorden lassen: Syriens Präsident Baschar al-Assad.

(Foto: dpa)

Was vor einem Jahr noch undenkbar schien, könnte jetzt Realität werden. Der Westen und die USA denken darüber nach, Syrien und Präsident Baschar al-Assad im Kampf gegen die IS-Terrormiliz zu unterstützen. Doch der Diktator ist keinesfalls "das kleinere Übel".

Kommentar von Sonja Zekri, Kairo

Vor einem Jahr schlug sich Amerika mit der Frage herum, ob es Syrien bombardieren sollte. Präsident Baschar al-Assad hatte 1400 Menschen mit Giftgas ermordet und damit Barack Obamas "rote Linie" überschritten. Wie man weiß, bombardierte Amerika nicht.

Heute denkt der Westen erneut über Luftangriffe auf Syrien nach. Nur freut sich Assad diesmal auf US-Bomber, denn sie würden nicht ihn attackieren, sondern die Kämpfer des Islamischen Staates (IS). Assad, der Giftgasmörder, robbt sich Zentimeter für Zentimeter zurück in die Weltgemeinschaft. Eine Allianz mit Amerika, Großbritannien, Frankreich - vor Monaten undenkbar - liegt in der Luft.

Die Bundesregierung muss allen Ernstes auf die Frage antworten, ob man Waffen an Assad liefern werde. Der Islamische Staat ist zweifellos das Beste, was Assad in den vergangenen drei Jahren passiert ist. Auch der Verlust des Luftwaffenstützpunktes Tabka ist militärisch vielleicht ungünstig, aber strategisch ein Geschenk. Die IS-Milizen lösen im Westen Ängste aus vor einer schier unaufhaltsamen islamistischen Erobererhorde. Jeder neue Sieg mobilisiert weitere Verbündete.

Bevor alle Hemmungen fallen, sei daran erinnert: Assad lässt Kinder als "Terroristen" foltern. Er hat die IS-Milizen geschont, auch wenn sie ihm inzwischen Angst einjagen. Soll man das belohnen? Polemisch zugespitzt: Ist Enthaupten wirklich so viel schlimmer als Gas?