Hunger:Ein Mord an Millionen Menschen

Lesezeit: 2 min

Hungersnot im Jemen

Eine Paste aus grünen Bohnen: die Mahlzeit, die ein Mann im Jemen seinen Kindern zubereitet, hier auf einer Aufnahme von 2018.

(Foto: Hani Mohammed/picture alliance/dpa)

Eine einzige Anklage an die Menschheit: die neuen Zahlen, die die Welthungerhilfe vorlegt.

Kommentar von Andrea Bachstein

Herzlos klingt das Wort "Index", wenn es um etwas so Grausames geht wie Hunger, Leid und Tod. Aber es sind genau die nackten Zahlen und Fakten des "Welthungerindex" der Welthungerhilfe, die so schockieren: 811 Millionen Menschen auf der Welt hungern, 41 Millionen stehen am Rande einer Hungersnot. Sie stehen auf mit leerem Magen, legen sich hin mit leerem Magen, jeden Tag ein bisschen schwächer. Oft müssen sie zusehen, wie ihre Kinder zu schwach werden, um zu leben. Man muss sich das immer und immer wieder vor Augen führen.

Die Daten des Welthungerindex sind nicht neu, sie decken sich mit denen des UN-Welternährungsberichts vom Sommer. Sie schreiben einen andauernden Menschheitsskandal fort, ihren größten vielleicht - dass Zehntausende täglich zugrunde gehen, obwohl inzwischen die Kapazitäten da wären, dies zu verhindern. Erneut ist die deprimierende Erkenntnis bestätigt, dass ganz sicher nichts wird aus dem globalen UN-Ziel, bis zum Jahr 2030 den Hunger besiegt zu haben. Im Gegenteil, er wird noch mehr Menschen treffen, und Kinder am härtesten. Denn auch wenn sie überleben, die Unterernährung beschädigt ihre Entwicklungschancen. Zur Zunahme des Hungers hat auch die Pandemie zuletzt beigetragen, gerade in ohnehin armen Ländern, doch auch ohne Corona wäre der Trend kaum anders.

In Madagaskar essen die Menschen Lehm

Wo Kriege und Konflikte toben, kämpfen die Menschen bald auch mit dem Hunger. In einigen Weltregionen tun sie das pausenlos seit Jahrzehnten, weil immer weiter gekämpft wird. Auf den traurigen Spitzenrängen besonders dramatischer Ernährungslagen gibt es alte Bekannte, Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und Südsudan. Neue Konflikte und Krisen kommen in raschem Takt hinzu, ohne das alte enden.

Naturkatastrophen sind der andere große Hungertreiber, und man kann es nicht laut und oft genug sagen: Es geht da längst nicht mehr um Einzelereignisse. Die Naturkatastrophe heißt Klimawandel, mal zeigt er sich in einer Flut, mal in einer Dürre. Madagaskar ist eines der erschütternden Beispiele. Dort gibt es keinen Krieg, keine Vertreibung. Aber Verzweifelte versuchen dort ihre leeren Mägen mit Lehm zu beruhigen, Bauern verzehren ihr Saatgut, weil vier Jahre Dürre die Lebensgrundlagen zerstört haben.

Entwicklungsminister Gerd Müller hat es gerade so formuliert: "Hunger ist Mord." Es ist ein Satz, der bei der bevorstehenden Weltklimakonferenz im Schachern um CO₂-Kontingente am besten immer wieder eingespielt werden sollte.

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