Ernährungssituation:Jeder zehnte Mensch auf der Erde hungert

Millionen Menschen in Myanmar benötigen humanitäre Hilfe

Kinder einer vom Welternährungsprogramm unterstützten Familie in Myanmar sitzen beim Mittagessen in ihrer Hütte.

(Foto: Kaung Htet Lin/dpa)

Die Welt sei weit vom Ziel entfernt, bis zum Jahr 2030 den Hunger zu besiegen, warnt die Welthungerhilfe. Kriege, Corona und der Klimawandel verschlimmerten die Situation. Nichts zu tun, sei "Mord", sagt Entwicklungsminister Müller.

Die Welthungerhilfe hat vor einer Zunahme von Hungersnöten gewarnt. "Die Welt ist bei der Hungerbekämpfung vom Kurs abgekommen und entfernt sich immer weiter vom verbindlichen Ziel, den Hunger bis 2030 zu besiegen", heißt es im Welthungerindex 2021. Aktuell hungerten etwa 811 Millionen Menschen weltweit, das ist fast ein Zehntel der Weltbevölkerung. Und 41 Millionen stünden kurz vor einer Hungersnot. Besonders dramatisch sei die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und dem Südsudan.

Der am Donnerstag veröffentlichte Welthungerindex untersucht die Ernährungslage in 128 Ländern und beklagt "die deutlichen Rückschritte bei der Hungerbekämpfung". 47 Länder werden demnach bis 2030 noch nicht einmal ein niedriges Hungerniveau erreichen, 28 davon liegen in Afrika südlich der Sahara.

Der scheidende Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) geißelte die Situation mit scharfen Worten: "Hunger ist Mord, denn wir haben das Wissen und die Technologie, alle Menschen satt zu machen", sagte er der Augsburger Allgemeinen. Dass jeden Tag 15 000 Kinder verhungerten, sei "ein unglaublicher Skandal".

"Der Hunger ist wieder auf dem Vormarsch", sagte Mathias Mogge, der Generalsekretär der Organisation, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Ernährungslage verschlechtere sich wegen der vielen verschiedenen Krisen: Kriege und Konflikte, Klimawandel sowie die Folgen der Corona-Pandemie. Gewaltsame Konflikte hätten in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Sie seien einer der größten Hungertreiber. "Wo Krieg herrscht, werden Ernten, Felder sowie Infrastruktur zerstört und fliehen Menschen aus ihren Dörfern", sagte Mogge. Nötig seien "politische Initiativen, um die Konflikte weltweit einzudämmen" und "finanzielle Anstrengungen, um den akuten Hungersnöten zu begegnen". Zudem müsse die bevorstehende UN-Klimakonferenz in Glasgow verbindliche Vereinbarungen zur Bekämpfung des Klimawandels treffen.

Auch Entwicklungsminister Müller sagte: "Wir müssen Hunger- und Armutsbekämpfung endlich als vorausschauende Friedenspolitik verstehen - und ganz oben auf die Agenda der Weltpolitik setzen." Eine Welt ohne Hunger sei grundsätzlich möglich: "Mit rund 40 Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr für eine nachhaltige Ernährungs- und Landwirtschaft durch die Industrieländer, Privatwirtschaft und Entwicklungsländer kann der Hunger bis 2030 besiegt werden."

© SZ/dpa/kast/bix
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