Hochwasserschutz:Gebt der Natur Raum

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz lehrt: Es werden zu viele Flächen versiegelt.

Kommentar von Thomas Hummel

Armin Laschet spricht gerne von "Entfesselung". Der Ministerpräsident und seine Regierung beschlossen zum Beispiel im Jahr 2019, dass in Nordrhein-Westfalen wieder mehr als fünf Hektar Land pro Tag neu für den Bau von Häusern, Straßen oder Gewerbe verbraucht werden dürfen. Das war vorher die Obergrenze. Die Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und anderswo haben nun gezeigt: Entscheidungen wie diese weisen genau in die falsche Richtung.

Die Wasserwirtschaftsverbände fordern hingegen: Hört auf, Flächen zu versiegeln! Fällt Regen auf Dächer, Straßen, Parkplätze, kann das Wasser nicht versickern. Die gesamte Infrastruktur ist bisher darauf ausgerichtet, Wasser loszuwerden, abzuleiten in Kanäle oder Bäche. Selbst Felder und Sportplätze haben heute Drainagen. Doch die heftiger werdenden Starkregen lassen dann weiter unten alles überlaufen. Die Folgen können schwerwiegend sein.

Bebauung einzuschränken, ist unpopulär. Menschen wollen zunehmend in Einfamilienhäusern mit Garten wohnen, Kommunen wollen Gewerbe ansiedeln, um Arbeitsplätze und Einnahmen zu schaffen. Die Agrarindustrie will Land nutzen und nicht brachliegen lassen. Doch die Natur braucht ihren Raum. In Zeiten des Klimawandels umso mehr, gerade beim Hochwasserschutz. Es wird Zeit für Politiker, den Menschen das zu erklären.

© SZ
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