Aktuelles Lexikon:Flüssigerdgas

Ein Energieträger, der nicht aus einer russischen Pipeline käme.

Von Thomas Balbierer

Im Chemieunterricht lernt man, dass Stoffe klassischerweise drei Aggregatzustände annehmen können: fest, flüssig, gasförmig. Dass Stoffe aber wandelbar sind, veranschaulichen Lehrende im Laborkittel gerne am Beispiel Wasser. Je nach Temperatur kann es fließen, gefrieren oder als Dampfwolke aus dem Kochtopf steigen. Dass auch Erdgas trotz seines eindeutigen Namens flüssig sein kann, mag da schon mehr überraschen. Der ein oder andere Regierende kramt aber möglicherweise bereits nach dem alten Chemiebuch, um sich über Beschaffenheit und Potenzial von Flüssigerdgas zu informieren. Es gilt als kurzfristige Alternative zu den Gasimporten aus Russland. Flüssigerdgas (kurz LNG, abgeleitet von "Liquefied Natural Gas") wird etwa in den USA aus Erdgas hergestellt, das durch Fracking aus dem Boden gewonnen wird, aber auch in Katar und Japan produziert. Anders als Wasser gefriert dieses methanreiche Gas bei Kälte nicht, sondern verflüssigt sich bei Temperaturen von etwa minus 161 Grad Celsius an. Vorteil: In flüssiger Form verringert sich sein Volumen um ein Hundertfaches und kann deshalb gut transportiert und gespeichert werden. Nachteil: Die Bilanz von Frackinggas ist im Vergleich zu jenem Gas, das etwa durch russische Pipelines strömt, deutlich klimaschädlicher. Noch hat Deutschland keine eigenen LNG-Speicher, zwei Anlagen sind jedoch geplant.

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