Fall Haderthauer Ein Kunstwerk von einer Affäre

Christine Haderthauer weigert sich, zurückzutreten.

(Foto: dpa)

Immer, wenn sie die Modellbau-Affäre kleinreden wollte, hat sie es nur schlimmer gemacht: Christine Haderthauer verheddert sich in Widersprüche, doch Aufgeben kommt für sie nicht in Frage. Auch wenn strafrechtlich die Unschuldsvermutung gilt - politisch ist längst erwiesen, dass sie nicht unschuldig ist.

Kommentar von Mike Szymanski

Im Modellbau kommt es auf Fingerspitzengefühl und Präzision an. Jeder Handgriff muss sitzen. Darin liegt das eigentlich Große im Kleinen. Die Affäre wiederum, in die Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer sich verstrickt hat, ist alles andere als eine Miniatur, auch wenn es um kleine Autos geht.

Genauer betrachtet, handelt es sich um ein Kunstwerk von einer Affäre. Der Fall passt in kein geläufiges Schema nach dem Muster "A hat von B Geld angenommen, was er so nicht durfte." Darin hat Bayern eine gewisse Routine.

Hat die Ministerin einen Mörder zum Essen ausgeführt?

Dieser Fall liegt anders: Haderthauers Mann Hubert, ein Arzt im Dienste des Freistaats, lässt psychisch kranke Straftäter in ihrer Arbeitstherapie Modellautos fertigen, die er dann verkauft. Unter Sammlern erreichen die Fahrzeuge Kultstatus. Und seine Frau hilft mit beim Aufbau des kleinen, dazu erforderlichen Familienunternehmens. Erst vorneweg als Mitgesellschafterin, später - als sie in der Politik Karriere macht - im Hintergrund.

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Nun geht es um solche Fragen: Hat Christine Haderthauer tatsächlich den Modellbauer S. - einen psychisch kranken Dreifachmörder - zum Essen ausgeführt und ihm das Du angeboten? Haben sie und ihr Mann Straftäter ausgebeutet, wie diese jetzt beklagen und zugleich frühere Geschäftspartner beim Geschäft mit den Mini-Autos über den Tisch gezogen, wie die Staatsanwaltschaft vermutet? Klar dagegen scheint zu sein, dass es hier keinesfalls um die gute Sache ging, wie die Haderthauers tatsächlich glauben machen wollen, sondern um Gewinnstreben.

In dieser Affäre verschieben sich die Maßstäbe auf skurrile Art: Schwerstverbrecher, die für die Haderthauers die Autos zusammengeschraubt haben, werden zu Belastungszeugen. Ex-Geschäftspartner, die früher keine Skrupel hatten, an der Idee mitzuverdienen, werfen den Haderthauers heute vor, nur Profit vor Augen gehabt zu haben.

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Dazu kommt, dass Medien wie Bild und Spiegel Online längst bekannte Informationen aus Ermittlerkreisen als Top-News neu aufbereiten, um den Druck auf die Eheleute noch einmal zu erhöhen. Ja, eine gewisse "Skandalhysterie", wie Haderthauer unlängst kritisierte, gehört tatsächlich zu dieser Affäre. Sie ist irgendwie auch zum Verrücktwerden.

Haderthauer hat keine Kraft mehr

Haderthauer weigert sich zurückzutreten. Obwohl sich die Leute mal wieder das Maul über die Geschäftstüchtigkeit eines CSU-Menschen zerreißen, soll sie ihrem Chef Horst Seehofer nicht einmal angeboten haben, den Platz frei zu machen. Wer die Frau kennt, der weiß, dass Aufgeben in ihrer mentalen Software nun wirklich nicht vorkommt. Und Seehofer hält sie vorerst mit dem Argument im Amt, dass für sie die Unschuldsvermutung gelte. Die gilt natürlich für das strafrechtliche Verfahren. Politisch ist schon erwiesen, dass sie nicht unschuldig ist.

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Immer dann, wenn sie die Affäre kleinreden wollte, hat sie es nur schlimmer gemacht. Sie sagt: Seit 2003 habe sie mit den Geschäften ihres Mannes nichts mehr zu tun gehabt. Das ist durch Geldtransfers von ihrem Konto widerlegt, die sie als Versehen abtut. In nachweislich einem Fall hat sie den Landtag falsch informiert: Sie leugnete, dass es persönliche Treffen zwischen ihrem Mann und Modellbauer S. gab. Das allein ist schon so schwerwiegend, dass ihr Verbleib in der Staatskanzlei zweifelhaft sein muss.

Mittlerweile liegt das Leben der Haderthauers selbst in Einzelteilen da. Wenn nicht Ferien wären und der politische Betrieb nahezu darniederläge, würde sichtbar, dass Haderthauer keine Kraft für ihre Arbeit in der Regierungszentrale mehr hat. Sie kämpft ums politische Überleben und um ihren Ruf. Das ist selbst für eine so ehrgeizige Frau wie sie nicht im Nebenjob zu erledigen.

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