Modellbau-Affäre Ehemalige Geschäftspartner kritisieren Haderthauer

Unter Druck: Christine Haderthauer. Nun kristisieren sie ehemalige Geschäftspartner.

(Foto: dpa)

"Vom ersten Moment an war unser Gedanke, dass wir mit den Modellautos Geld verdienen können": Die Unternehmer Roger Ponton und Fritz Sager widersprechen Christine Haderthauers Aussage, wonach es bei den Geschäften mit den Modellautos nur um idealistische Motive gegangen sei.

Von Dietrich Mittler

Die Geschäfte der Firma Sapor Modelltechnik waren offenbar alles andere als idealistisch motiviert. Das behaupten Christine Haderthauers ehemalige Geschäftspartner Roger Ponton und Fritz Sager. Sie widersprechen damit der Staatskanzleichefin, gegen die die Staatsanwaltschaft München II wegen des Verdachts auf Betrug ermittelt.

Im Bayerischen Fernsehen meldeten sich Sager und Ponton in einem Interview zu Wort. Darin sagte Sager: "Es ging nur darum, möglichst schnell die Fahrzeuge fertigzustellen und sie zu verkaufen, dass die Investitionen wieder zurückkommen und dass Geld verdient wird." Christine Haderthauer hatte erklärt, sie und ihr Mann hätten sich rein aus "Idealismus" in der Firma Sapor Modelltechnik engagiert, die exklusive, von psychisch kranken Straftätern in der Arbeitstherapie hergestellte Oldtimer-Modelle vertreibt.

Haderthauers Sprüche und Widersprüche

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"Ich bin enttäuscht, die sehen immer nur das Geld", sagte der 84-jährige französische Geschäftsmann Ponton der SZ. Ponton fühlt sich durch seine früheren Geschäftspartner, die Haderthauers, "arglistig hintergangen und betrogen". Die nun laufenden Ermittlungen gegen beide sind auf eine Strafanzeige zurückzuführen, die der Nürnberger Anwalt Malte Magold in Pontons Auftrag stellte.

Fritz Sager wiederum wurde 1992 auf Druck der Haderthauers aus der Firma gedrängt - sein Verbleiben sei für Sapor Modelltechnik "untragbar", schrieb ihm Christine Haderthauer. "Mir sind fast die Tränen gekommen, als ich den Buben entlassen musste", erinnert sich Ponton.

"Das sagt sie nur, um sich zu verteidigen"

Ponton und Sager sehen Christine Haderthauers in Nürnberg gemachte Idealismus-Aussage in einem ganz anderen Licht: Das sei nicht mehr als eine "Schutzbehauptung". Vor dem Hintergrund, dass der Ministerin und ihrem Mann vorgeworfen wird, sie hätten mit dem Vertrieb der in Arbeitstherapie hergestellten Modellautos abhängige Forensikpatienten ausgebeutet, hatte Haderthauer wörtlich gesagt: "Und dann wird sehr schnell deutlich, dass das Ganze kein fragwürdiges Geschäftsmodell war, sondern ein von Idealismus getragenes Engagement finanzieller Art." Dem widerspricht Ponton: "Das sagt sie nur, um sich zu verteidigen. Vom ersten Moment an war unser Gedanke, dass wir mit den Modellautos Geld verdienen können."

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Ponton ging es dabei offenbar aber nicht allein um den persönlichen Profit. "Ich wollte auch etwas vorsehen für denjenigen, der die Autos konstruierte", sagt er. Also für den Forensik-Patienten Roland S., ohne den der Modellbau im Bezirkskrankenhaus Ansbach - und später im Bezirkskrankenhaus Straubing - nie zustande gekommen wäre.

Dass diese Aussage stimmt, beweist auch ein Schreiben von Hubert Haderthauer vom 5. März 1990, geschrieben unter seinem offiziellen Briefkopf als Vertragsarzt in Ansbach. "Anbei", so teilt er dort mit, liege sein "Vorschlag erstens für einen Gesellschaftsvertrag und zweitens für einen Vertrag" mit Roland S., seinem Patienten.

"Es geht um Gerechtigkeit"

Haderthauer hatte S. als zuständiger Arzt auf seiner Station kennengelernt. Er war beeindruckt von dessen Fähigkeiten - und daraus entwickelte sich rasch eine Geschäftsidee. Bei dieser wollte er offenbar eine entscheidende Rolle spielen, wie aus einem Protokoll der Gründungsbesprechung für Sapor Modelltechnik zu ersehen ist. Dort ist festgehalten, um was es ging: um Geld, um Anteile, um Gewinn. Aus einem Gewinnanteil für Roland S. wurde nichts, er erhielt eine für Forensik-Patienten übliche Arbeitsentlohnung: In Straubing waren das schließlich 138 Euro im Monat.

"Der Doktor", so Ponton, "hat immer klargemacht: Ohne mich geht gar nichts." Für Haderthauer findet er kein gutes Wort mehr. "Am Ende hat er hinter meinem Rücken meine 50 Prozent Firmenanteil verkauft." Dieser Vertrag aus dem Jahr 2008 liegt der SZ vor. Haderthauer ist darin als "alleiniger Inhaber" genannt.

2011 wurde mit einem Anwalt von Ponton ein Vergleich geschlossen, Roger Ponton erhielt 20 000 Euro. Viel zu wenig, wie offenbar auch die Staatsanwaltschaft glaubt. "Ich will, dass die Wahrheit ans Tageslicht kommt", begründet Ponton seine Strafanzeige. Hier gehe es ihm nicht nur ums Geld, "sondern um Gerechtigkeit".

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