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Corona:Raus aus der Konfrontation

Coronavirus - Bund-Länder-Beschlüsse - Pressekonferenz Ramelow

Bodo Ramelow: "Ich hatte unrecht."

(Foto: Jens-Ulrich Koch/dpa)

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linken gesteht eigene Fehler im Umgang mit Corona ein: Sein weicher Kurs sei gescheitert. Endlich bekennt sich jemand in der Corona-Politik zu Irrtümern. Dies tut auch der Debattenkultur gut.

Kommentar von Jens Schneider

Es ist beklemmend, wie das Coronavirus in diesem Land wütet. Das ist, noch mitten in der Pandemie, schon jetzt festzustellen. Da ist, besonders an diesem Tag mit einer Rekordzahl an Todesfällen, das große Leid, dazu die Last, die von denen zu tragen ist, die etwa in den Krankenhäusern, längst an den Grenzen ihrer Kraft, um das Leben erkrankter Menschen kämpfen.

Es gibt zugleich die schweren Folgen des Lockdowns, die über Jahre nachwirken werden. Dazu aber kommen die enormen und vermutlich auch nachhaltigen Risse in der Gesellschaft, ausgelöst durch eine oft von extremer Konfrontation und Selbstgewissheit geprägte Debatte über die Pandemie. Ausgerechnet in diesen Zeiten großer Unsicherheit geben sich viele besonders sicher.

Umso bemerkenswerter sind die Aussagen, mit denen jetzt der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow in aller Deutlichkeit eigene Fehler eingestanden hat. Der Linken-Politiker zeigt mit seinem höchst ungewöhnlichen Eingeständnis einen Weg aus der Konfrontation auf, heraus aus einem Wettstreit der Rechthaber, den niemand braucht, und der schon einigen Schaden angerichtet hat.

Unmissverständlich sagt Ramelow: "Ich hatte unrecht."

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagt Ramelow, dass er sich im vergangenen Herbst geirrt habe. Damals zählte er zu den Bremsern, als die Kanzlerin mit Blick auf den Winter einen harten Lockdown forderte. Unmissverständlich sagt er: "Ich hatte unrecht." Er habe sich im Oktober von der irrigen Hoffnung leiten lassen, dass ein weicher Lockdown die Welle brechen könne. Dies sei ein teurer und falscher Weg gewesen.

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Gewiss ist es auch typisch für den durchaus selbstgewissen Ramelow, seinen persönlichen Irrtum in den Vordergrund zu stellen. So ist er halt. Auch mag man sich fragen, was es über seine Amtsführung sagt, wenn er im gleichen Interview eingesteht, manches im eigenen Land nicht durchsetzen zu können. Aber entscheidend und sehr wertvoll ist das Signal, das er - in einem Wahljahr - mit seinem Eingeständnis setzt.

Corona ist nicht über die Welt gekommen, damit sich Ministerpräsidenten und andere Politiker profilieren können. Dennoch haben sich einige in den vergangenen Monaten oft verhalten, als wäre ein politischer Schönheitswettbewerb ausgerufen worden. Angesichts der schweren Folgen des Virus ist die Frage, ob etwa ein Markus Söder oder ein Armin Laschet ein besonders toller Krisenmanager ist (wonach es bei diesen beiden auch nicht gerade unbedingt aussieht), nicht von zentraler Bedeutung. Ramelow hat zumindest für einen Moment verstanden, dass es darauf nicht ankommt. Es geht um die Suche nach dem richtigen Weg in einer schwer berechenbaren Lage, die sich ständig verändert. Seine Bereitschaft, die eigene Position zu prüfen und Fehler einzugestehen, sollte beispielgebend sein.

© SZ/bix
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