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Corona:Unterlassene Hilfeleistung

Politiker erschrecken über die Vernachlässigung vieler Kinder in der Pandemie - doch sie handeln leider nicht entsprechend.

Von Henrike Roßbach

Knapp 60 600 Kinder und Jugendliche haben im Pandemiejahr 2020 Vernachlässigung erfahren, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt - ein trauriger Rekord. Damit ist eingetreten, wovor Kinderärzte, Sozialarbeiter und Psychologen schon länger gewarnt haben, freilich ohne dass dies sonderlich Einfluss gehabt hätte auf die Corona-Politik für die Jüngsten im Land.

Das tatsächliche Leid dürfte dabei sogar noch größer sein, als es die Statistik widerspiegelt. Experten gehen von einem großen Dunkelfeld aus - Missbrauch und Vernachlässigung finden im Verborgenen statt, hinter der geschlossenen Kinderzimmertür. Außerdem haben die Jugendämter speziell im Jahr 2020 weniger Hinweise aus den Schulen bekommen als sonst, gegen den allgemeinen Trend. Weil Schulen und Kitas monatelang ganz oder teilweise geschlossen waren, dürften viele Fälle, auf die sonst vielleicht die Lehrerin und der Erzieher aufmerksam gemacht hätten, in der Statistik fehlen.

Die Frage ist: Wann endlich nehmen Bund und Länder all diese Erkenntnisse nicht mehr bloß erschrocken zur Kenntnis, sondern handeln danach? Die beinahe schon eineinhalb Jahre währende Politik des bedauernden Schulterzuckens mit Blick auf die Kinder muss aufhören. Zum Schwur kommen wird es im Herbst - wenn die Infektionszahlen wieder steigen.

© SZ/kia
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