bedeckt München

Zum Tod des Maus-Zeichners Friedrich Streich:"Ich bin die Maus"

Maus-Zeichner Friedrich Streich gestorben

Bevor er die Maus klappern und klimpern ließ, war er als Schauspieler, Journalist und Karikaturist tätig: Friedrich Streich, hier an seinem Schreibtisch im Jahr 2001.

(Foto: dpa)

Er brachte der Maus das Seilspringen bei und ließ sie mit den Augen klimpern. Trickfilmzeichner Friedrich Streich animierte die Maus für die "Lach- und Sachgeschichten". Ohne ihn hätte es keinen blauen Elefanten gegeben und keine gelbe Ente. Nun ist er im Alter von 80 Jahren gestorben.

Von Thorsten Glotzmann

Es war im März 1971, da blickte eine orangefarbene Maus aus dem Fernsehapparat in die Wohnzimmer der Bundesrepublik. Etwas traurig sah sie aus, die Augenlider halb geschlossen, die Mundwinkel nach unten verzogen, die Pfoten unbeholfen vor dem Bauch zusammengefaltet. Ratlos war sie, die Maus, denn vor ihr lag ein Haufen ungeordneter Buchstaben. Ein heilloses Durcheinander. Doch die Maus wäre nicht die Maus, wenn ihr da nichts einfiele. Zu Rock'n'Roll-Takten tanzend wirbelte sie die Buchstaben durcheinander. Und siehe da, sie fügten sich wie von selbst zum Titel "Lach- und Sachgeschichten".

So hieß die Sendung damals, als die Maus erstmals klappernd durchs Bild stakste und mit den Pfoten klatschte. Doch schon im Jahr darauf wurden die "Lach- und Sachgeschichten" in die "Sendung mit der Maus" umbenannt, nach ihrer Leitfigur, die mit einem riesigen gelben Luftballon durchs Bild flog und Bücher auf ihrem Kopf stapelte. Mit den Augen geklimpert hat sie erst später, sie tat es dann aber so unnachahmlich, dass das Klimpern zu ihrem Markenzeichen wurde. Geschenkt hat es ihr Friedrich Streich. Der Trickfilmzeichner animierte die Titelfigur aus der Bildergeschichte "Maus im Laden" von Isolde Schmitt-Menzel, im Auftrag des WDR-Kinderfernsehens.

Nun ist der Mann, der der Maus nicht nur das Klimpern, sondern auch das Laufen und Seilspringen beibrachte, im Alter von 80 Jahren in München gestorben. Der WDR twitterte anlässlich seines Todes ein Bild der weinenden Maus, diesmal sieht sie nicht nur traurig aus, sie ist es wirklich.

Mehr als 330 Trickfilme hat Friedrich Streich produziert, jeder davon etwa eine halbe Minute lang. Gleich mehrere Kindergenerationen sind mit dieser halben Minute aufgewachsen, in der der Maus meist irgendein Missgeschick unterlief. 1975 stieß der blaue Elefant hinzu, der treutrötende Partner der Maus, der so manches Mal an ihrer Tollpatschigkeit verzweifelte. Bis er sich vor sieben Jahren selbstständig machte und durch eine eigene Sendung, nämlich die mit dem Elefanten, trompetete. Streich hat ihn erfunden, ebenso die kleine gelbe Ente, die 1987 aus dem Duo ein Trio machte.

"Mit Friedrich Streich haben wir einen kreativen Pionier verloren, der für das Kinderfernsehen so unglaublich viel Gutes getan hat", sagt WDR-Intendant Tom Buhrow. "Noch vor Kurzem ließ er uns wissen, wie glücklich er ist, dass seine Figuren im Kinderprogramm sind. Seine Arbeiten sind zeitlos. Sie begeistern Jung und Alt gleichermaßen und werden das auch in Zukunft tun."

Geboren wurde Friedrich Streich am 17. Juni 1934 in Zürich. In seinem Leben vor der Maus war er als Schauspieler, Journalist und Karikaturist tätig, veröffentlichte Cartoons im Tagesanzeiger Zürich, in der Süddeutschen Zeitung und in der Münchner Abendzeitung. Ab 1960 arbeitete der im Deutschen Institut für Filme und Fernsehen (DIFF) ausgebildete Dramaturg und Regisseur als Trickfilmer.

In seinem Münchner Trickstudio ließ er die Maus klappern und klimpern, die Arbeit an jedem Spot begann am Zeichentisch, mit einem Bleistift und einem weißen Blatt Papier. Die schönsten Spots präsentiert die "Sendung mit der Maus" am kommenden Sonntag. Zu Ehren von Friedrich Streich, der seiner Figur gar nicht mal so unähnlich gewesen sein soll: "Angeblich geht die Maus wie ich", sagte er in einem Interview. Auf die Frage, wer mehr Post kriege, der Elefant, die Maus oder er, antwortete Streich: "Die Maus, natürlich. Aber ich bin die Maus."

© SZ.de/dpa/khil
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema