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ZDF-Kulturmagazin "Aspekte":Botschaft an die Kollegen in türkischen Gefängnissen

Can Dündar

Can Dündar war langjähriger Chefredakteur der türkischen Zeitung ´Cumhuriyet" und lebt nun im Exil.

(Foto: dpa)

Es soll ein Zeichen der Solidarität mit den vielen inhaftierten Journalisten in der Türkei sein: Ex-"Cumhuriyet"-Chef Can Dündar moderiert am Freitag die ZDF-Sendung "Aspekte".

Von Luisa Seeling

Der Journalist Can Dündar gehört zu den bekanntesten Kritikern der türkischen Regierung, er ist auch einer der unermüdlichsten. Er schreibt Kolumnen, gibt Interviews, gerade hat er den Bundespräsidenten getroffen, um ihm vom Zustand der türkischen Pressefreiheit zu berichten. Mindestens 130 Journalisten sitzen im Gefängnis, unabhängige Medien gibt es kaum noch. Aus diesem Grund hat auch das ZDF Platz für Dündar geschaffen, er hat eine Ausgabe des Kulturmagazins Aspekte mitgestaltet und wird als Co-Moderator durch die Sendung führen.

Redaktionsleiter Daniel Fiedler spricht von einem "Zeichen der Solidarität der Aspekte-Redaktion mit den vielen inhaftierten Journalisten in der Türkei". Zumal sich die Situation jüngst noch einmal zugespitzt hat: Zehn Mitarbeiter der Oppositionszeitung Cumhuriyet wurden verhaftet, deren Chefredakteur Dündar bis August war. Er werde auch "ein paar Botschaften für meine inhaftierten Kollegen haben", kündigt er an.

Dündar ist selbst ein Verfolgter. Mehrere Monate saß er in Untersuchungshaft, später verurteilte man ihn zu knapp sechs Jahren Gefängnis. Seine Zeitung hatte über mutmaßliche Waffenlieferungen an syrische Extremisten berichtet, das Gericht warf ihm Spionage vor. Nach dem gescheiterten Militärputsch im Juli gab Dündar die Hoffnung auf ein faires Berufungsverfahren auf und reiste aus. Für Aspekte hat er türkische Journalisten und Kulturschaffende getroffen, er spricht aber auch mit dem Vize-Chefredakteur der kürzlich eingestellten ungarischen Tageszeitung Népszabadság.

"Es sind universelle Werte, für die wir kämpfen"

Feinde der Pressefreiheit gibt es nicht nur in der Türkei. "Es sind ja universelle Werte, für die wir kämpfen", sagt Dündar. Er hat angekündigt, ein neues Medium zu gründen, "die Menschen in der Türkei müssen mit echten Nachrichten versorgt werden". Noch sei das Format nicht ganz klar, vielleicht eine Online-Zeitung, vielleicht Web-TV, klar sei nur, dass es "besser heute als morgen" losgehen soll.

Dündar sieht sein Land in den Fängen eines "islamo-faschistischen" Regimes. In einem seiner Aspekte-Beiträge spricht er mit Edzard Reuter, der seine Kindheit als Flüchtling vor den Nazis in der Türkei verbrachte. "Sehen Sie da Parallelen?", will Dündar wissen. Reuter antwortet: Das, was in der Türkei vor sich gehe, erinnere ihn in der Tat "so ein wenig an die Anfangsjahre der Nazizeit in Deutschland. Diese gespenstische Stimmung der Angst, die überall spürbar ist."

Aspekte, ZDF, Freitag, 23.45 Uhr.

© SZ vom 10.11.2016/efri
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