WDR-Comedyshow Träne im Ozean

Muss etwas Selbstironie beweisen: Frank Elstner als Comedy-Protagonist.

(Foto: WDR/Jens Öllermann, Jakob Beurle)

"Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von ...", Jan Böhmermanns neue Show im WDR, ist ganz nett, aber ausbaufähig. Frank Elstner ist der größte Schwachpunkt dieser durchweg auf Ironie gepolten Angelegenheit.

Von Hans Hoff

Es lasten große Hoffnungen auf dieser neuen WDR-Comedyshow. Sie soll zeigen, dass man sich wieder etwas traut in Köln, dass man sich nicht länger zufriedengibt mit biederen Rankingshows, in denen die besten Orte Nordrhein-Westfalens in eine ziemlich wahllos wirkende Reihenfolge gebracht werden. Der WDR-Showchef Siegmund Grewenig bringt dazu Klimbim als Vergleich ins Spiel. Er prophezeit, dass die neue Ensembleproduktion denselben Gesprächswert haben wird wie in den 70er-Jahren die für eine verstaubte Bundesrepublik sensationelle Blödelshow mit Ingrid Steeger. Das ist natürlich ziemlicher Nonsens, zeigt aber schön, wie hoch die Wellen der Hoffnung schwappen.

Und die neue Show, produziert, aber nicht moderiert von Jan Böhmermann? Nun ja, sie enttäuscht nicht gleich alle Hoffnungen. Sie ist so etwas wie eine Träne im Ozean. Das aber immerhin.

Zu Beginn der Show, die den Bandwurmtitel Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von Frank Elstner trägt, liegt der Wetten, dass..?-Erfinder tot im offenen Sarg. Es wird getrauert, aber die Trauer reicht nicht weit, denn auf einmal erhebt sich der blasse Greis aus dem Satin seiner Liegestätte und ruft laut "Verstehen Sie Spaß?", woraufhin die Mehrheit der Trauernden empört die Kapelle verlässt. Das gehe zu weit, sagen sie, und Elstner versucht, dumm zu gucken.

Viele Anfragen, viele Absagen

Sie haben beim WDR lange gesucht, bis sie einen Protagonisten für die erste Ausgabe dieser Show gefunden haben. Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von ... soll schließlich in jeder Folge von einem anderen Prominenten präsentiert werden. Von einem, der eine gewisse Fallhöhe markiert, der sich selbst nicht so bierernst nimmt, der darauf gefasst sein muss, dass man mit seinen Schwächen spielen wird. Es gab viele Anfragen und viele Absagen. Man wolle doch erst einmal sehen, was das werde, sagten die meisten. Da half selbst der Verweis auf Jan Böhmermanns Grimme-prämierte Produktionsfirma Bild- und Tonfabrik (Roche & Böhmermann, Neo Magazin) wenig.

Frank Elstner sagte Ja. Erstens ist er ein netter Kerl, zweitens ziemlich schmerzfrei und drittens seit einiger Zeit als Nachwuchsunterrichter an der Axel-Springer-Akademie aktiv. Aus seiner Masterclass haben immerhin zwei Mitglieder den Sprung ins sehenswerte Ensemble der Show geschafft.

Leider ist Frank Elstner nun der größte Schwachpunkt in dieser durchweg auf Ironie gepolten Angelegenheit. Der 72-jährige Moderator steht für große Freundlichkeit, charmantes Auftreten, aber für nichts, an dem man sich als junger aufstrebender Comedian reiben könnte. Elstner ist immer Elstner ist immer Elstner. Er sagt ROFL und YOLO, um zu zeigen, wie peinlich das ist, wenn sich Alte am jungen Slang vergreifen, er bleibt aber immer nur ein staunender Showdino. Genau daran und an der eigenen Ehrfurcht scheitert das Team mehrfach.

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Jeder in der Branche weiß, dass Elstner ein Glasauge trägt. Also behauptet man nun, er habe ein Glasohr. Man spürt, dass sich jene, die das erdachten, schwer mutig dünkten. Leider gleitet der Gag einfach so weg. Ein anderes Mal hört Elstner den Ein-Sommer-Hit "Mambo No. 5" von Lou Bega. Elstner sagt, der Song sei doch von Mr. President, und das Team zimmert daraus einen halbgaren Sketch über eine mangelhafte Songerkennungssoftware und die Unwissenheit von Google, an dessen Ende die Erkenntnis steht, dass "Mambo No. 5" ein Hit von Mr. President gewesen sein muss. So banal, so gähn.

Wollte man unbedingt etwas Positives über diese neue Show behaupten, könnte man sagen, dass sie den Zuschauer neun durchweg sehr begabte Comedians entdecken lässt, dass sie etwas will, dass sie eine sehr schöne Halbstundensendung ist, leider aber 45 Minuten dauert. Alles zieht sich, die Sketche, die durchaus Potenzial haben, verschenken genau dieses, weil sie ausufern und ihre Pointen zu oft verschleudern. Der Rest scheitert an Elstner.

Zu viel hängt bei diesem Format am Präsentator, was zum Start das Scheitern erklärt, was aber gleichzeitig auch Grund zur Hoffnung gibt. Nach dieser Pilotfolge will der WDR die Show nämlich noch fünf Mal auf den Sender lassen, und da die Macher bereits manche Schwäche der im Juni aufgezeichneten Premierenfolge selbst erkannt haben, könnte es im Herbst, wenn es weitergeht, schneller, dichter und frecher werden. Es dürfte dann mehr Aufwühlendes geben als nur einen potenziellen Amokläufer, der in Elstners Montagsmaler-Revival immer nur Hakenkreuze malen kann, die dann von seinen Mitspielern als Penis erkannt werden. Da geht noch was.

Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von Frank Elstner, Sonntag, WDR, 22.15 Uhr.