"Waldis Club" in der ARD:Sportlicher Musikantenstadl

Cheerleader, grölende Fans und peinliche Gesänge auf einer Bierkutsche: "Waldis Club" mit Waldemar Hartmann soll eine lockere Nachbetrachtung des Fußball-EM-Geschehens sein, übertrifft dabei aber die schlimmsten Befürchtungen. Selbst Studiogast Frank Elstner frieren die Gesichtszüge ein.

Christian Mayer

Man soll ja nicht immer nur auf dem deutschen Fernsehen herumhacken, weil an den Rändern oft Wunderbares gedeiht, selbst gute Satire.

Waldemar Hartmann moderiert ´Waldis Club"

Er moderiert nicht, er dirigiert: Waldemar Hartmann leitet in "Waldis Club" seinen eigenen Musikantenstadl.

(Foto: dpa)

Keinesfalls eine Randerscheinung ist allerdings der einstige Sportmoderator Waldemar Hartmann, der zur Zeit mal wieder auf Sendung ist mit einer Show, die als lockere Nachbetrachtung zum EM-Geschehen konzipiert war - und die schlimmsten Befürchtungen noch einmal übertrifft.

Waldis Club im Ersten ist keine Satire, auch wenn man bei der Sendung nach dem Dänemark-Spiel diesen Eindruck haben muss. Zunächst mal ist da diese peinliche Bierkutsche, auf der die Gäste öffentlich bloßgestellt werden. "Wir sind die Besten in Europa, wir ham' die geilsten Fans der Welt", spielt die Band, und nicht nur die Fans in Leipzig grölen mit, auch Hartmann ist ganz geil, er trägt das schwarz-rot-goldene Armband und dirigiert seinen eigenen Musikantenstadl. Bei der Duz-Maschine Waldi triumphiert die völlige Distanzlosigkeit. Und konzeptionell stimmt einfach nichts, selbst die harmlose Formation der Cheerleader gerät zur unfreiwilligen Lachnummer.

Wer sich so anbiedert, muss sich nicht wundern, wenn das Publikum verrückt spielt. Nur mit Mühe gelingt es Hartmann, siegestrunkene Zwischenrufer zu bändigen - wer von wem ein Kind wolle, das könne man doch auch nach der Sendung klären: "Ich melde mich schon mal ab." Auf dem Niveau geht es weiter, bis sogar dem unverwüstlichen Frank Elstner die Gesichtszüge einfrieren. Immerhin hatte der zuvor das "beste Spiel einer deutschen Nationalmannschaft" seit Jahrzehnten gesehen - so viel zum Fachverstand der Gäste.

In anderen sportverrückten Ländern dürfen alternde Sportlegenden das Spiel anschließend in alle Einzelteile zerlegen, das hat eine gewisse Würde. Hier schwätzt ein ehemaliger Handballnationalspieler über seine Tattoos, und der unvermeidliche Matze Knop, Deutschlands führender Fußball-Komiker, greift die allerletzten Lacher mit einer fettigen Reiner-Calmund-Nummer ab, aber da ist schon eh alles wurscht.

Nein, Waldis Club ist keine Satire. Was der völlig enthemmte Moderator hier treibt, ist Sabotage.

© SZ vom 19.06.2012/mahu
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