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Medienkolumne "Unser Beitrag":Spazierbegleitung

Unser Beitrag
(Foto: Steffen Mackert)

Was die Öffentlich-Rechtlichen senden, Folge 13: Warum Pierre M. Krauses fantastisches Talkformat "Kurzstrecke" immer wieder überrascht.

Von Kathrin Müller-Lancé

Der onkelige SWR ist nicht unbedingt der erste öffentlich-rechtliche Sender, der einem einfällt, wenn man an hippe Online-Inhalte denkt. Wer sich aber ein bisschen durch Youtube wühlt, findet ein kleines, feines Talkformat, das sich wunderbar weggucken lässt: die Kurzstrecke mit Pierre M. Krause.

Mit seinen 44 Jahren ist Krause sowas wie der Berufsjugendliche vom Südwestrundfunk, der Jan Böhmermann von Baden-Baden. Seit anderthalb Jahrzehnten moderiert er eine eher so mittelmäßige Late-Night-Show mit seinem Namen im Titel. Besser als die Rolle des Gastgebers liegt Krause die des charmanten Eindringlings. Das war schon toll, als er für sein Format Krause kommt bei B- bis D-Promis übernachtete. Noch besser ist es jetzt bei der Kurzstrecke.

Das Konzept ist simpel und coronazeitgemäß: Krause trifft sich mit Prominenten zum Spazierengehen, begleitet sie auf einem Weg, den sie anscheinend auch ohne Kameras zurücklegen müssten. "Vom Sauerteig zur Maultasche" heißt die Folge mit Katrin Bauerfeind, "Vom Görli zum MoMa" die mit Dunja Hayali. Die Gäste sind die üblichen Verdächtigen aus dem deutschen Humor- und Mediendunstkreis. Natürlich wird viel durch Berlin flaniert. Trotzdem ist die Kurzstrecke immer wieder überraschend.

Besonders sensationell geraten die Spaziergänge, wenn der Alltag kickt. Wenn Benjamin von Stuckrad-Barre beim Augenarzt vorbei muss, weil er dort seine Sonnenbrille vergessen hat. Oder wenn Mai Thi Nguyen-Kim im Corona-Testzentrum mit der Online-Anmeldung kämpft, weil sie es nicht schafft, auf ihrem Handy das Geburtsdatum einzustellen.

Pierre M. Krause ist als Begleiter angenehm, immer gepflegt aufdringlich, aber nie nervig. Und mit einem grandiosen Gespür für die Situation. Zum Beispiel, wenn er mit Hazel Bruggers 83-jährigem Großvater in dessen Hofeinfahrt rumwitzelt.

Sollen doch die anderen Stand-up-Comedy machen. Krause ist am besten im Gehen.

© SZ/cag
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