"Black Mirror" auf Netflix Was nur ein paar Klicks entfernt lauert

Ist das schon die Zukunft oder noch eine Simulation? Eine der neuen Black Mirror-Folgen zitiert Star Trek.

(Foto: Netflix)

Die neue Staffel der britischen Serie "Black Mirror" lotet die Konflikte zwischen künstlicher Intelligenz und unberechenbaren menschlichen Emotionen aus.

Von Nicolas Freund

Beziehungen beginnen schon heute oft digital. Tinder, die App, in der man mit einfachem links oder rechts wischen potenzielle Partner selektieren kann, hat angeblich das Liebesleben und Paarungsverhalten einer ganzen Generation verändert. Für alle, die es etwas weniger brachial mögen, gibt es schon lange Online-Partnerbörsen, in allen denkbaren Varianten.

Was wäre nun, wenn es ein Programm gäbe, das Menschen immer für eine vorbestimmte Zeit aneinander vermittelt und aus den gewonnen Daten dieser Kurz- und Langzeitbeziehungen irgendwann, so das Versprechen, die perfekte Menschen-Kombination destilliert? Chance oder Albtraum? Manchmal muss man es vielleicht lange mit einem schrecklichen Menschen aushalten, während der Algorithmus noch rechnet, was beim nächsten Versuch besser laufen sollte. Eine Episode aus der neuen Staffel der britischen TV-Serie Black Mirror spielt dieses tragisch-komische Szenario sehr ernüchternd durch und ist exemplarisch für die ganze Serie, die in jeder Folge ein kleines Detail unserer immer weiter durchdigitalisierten Gegenwart nimmt und ein paar Schritte weiterdenkt.

Was wäre, wenn sich das Bewusstsein eines Menschen einfach kopieren ließe, in einen anderen Menschen oder in die Cloud? Was wäre, wenn Eltern ihre Kinder mit einem Tablet auf Schritt und Tritt überwachen könnten? Oder wenn man aus der kleinsten DNA-Probe ein digitales Abbild des dazugehörigen Menschen erschaffen könnte. Bei Black Mirror liegen Chance und Horror immer nah beieinander. Jede Folge der Serie hat eine eigene Besetzung und erzählt eine abgeschlossene Geschichte, geschrieben werden aber fast alle von dem britischen Journalisten und Fernsehmacher Charlie Brooker, dem es vor allem auf eine Botschaft ankommt: Wir sind auf den Wandel, den neue Technologien mit sich bringen, völlig unvorbereitet.

Die neueste, vierte Staffel dreht sich nun in jeder Episode um einen Aspekt der Interaktion mit künstlicher Intelligenz. Killerroboter sind das vorhersehbarste Szenario. Was in jedem Fall zum Konflikt mit den Dating-Algorithmen, dem digitalisierten Bewusstsein und der Vollüberwachung führt, ist der menschliche Faktor, die Unberechenbarkeit menschlicher Emotionen. Muss der Algorithmus die Beziehung wirklich noch weiter "verbessern", wenn das erste Date eigentlich schon funktioniert? Eine Technik, die Gedanken streamen kann, eröffnet in der Medizin ungeahnte Möglichkeiten - aber sie macht diese Menschen auch so manipulierbar wie eine Computerdatei und wirft die Frage auf, ob man bei so kopierten Gehirnen überhaupt noch von Menschen sprechen kann.

Der Black Mirror - der dunkle Spiegel - ist der schwarze Bildschirm all der Geräte, die uns jeden Tag umgeben und die Serie scheut keinen Blick in diesen Abgrund. Oft geht sie dabei an die Grenze zur Geschmacklosigkeit. Aber auch deshalb ist sie so gut und mutig: Black Mirror zeigt, was nur ein paar Klicks entfernt lauern könnte.

Black Mirror, bei Netflix.

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