bedeckt München 11°
vgwortpixel

TV-Kritik: Maischberger zu Japan:"Pakt mit der Vergesslichkeit"

So eine Haltung kann Erhard Eppler gar nicht verstehen. Bereits 2008 hat er sich in einem Essay über Atomenergie die Frage gestellt, ob Deutschland in der Lage ist, "ein unübersehbares Zeichen gegen die Renaissance" der Atomenergie zu setzen, "die heute noch weniger verantwortbar ist als vor 40 Jahren". Damals wie heute kommt der SPDler zu dem gleichen Schluss: Die Politiker hätten einen "Pakt mit der Vergesslichkeit" geschlossen. Hätten nicht aus der Katastrophe von Tschernobyl gelernt, verschlössen die Augen vor den Gefahren dieser Energie. Sein Fazit: Atomenergie "ist nichts für den Menschen".

Presseschau zur Katastrophe in Japan

Helden und Profiteure

Auch Wolfgang Renneberg spricht von einer trügerischen Sicherheit, die den Menschen suggeriert werde. Zwischen 1998 und 2009 war Renneberg Referatsleiter für Reaktorsicherheit und somit Chef der Bundesatomaufsicht, bis ihn Bundesumweltminister Norbert Röttgen kurz nach Amtsantritt entließ. Als Chef der hessischen Atomaufsicht hatte er 1997 ein Verfahren zur Stilllegung von Biblis A eingeleitet - und war gescheitert. Kein Wunder also, dass auch er das Restrisiko beschwört, dass immer bleibt.

In einem sind sich alle einig

Bis hierhin ist die Debatte sachlich, aber auch in vielen Teilen erwartbar. Erst am Schluss der Sendung stellt Maischberger die Frage, die die Deutschen innenpolitisch derzeit wohl am meisten bewegt: Kann aus der angekündigten Aussetzung der Atomlaufzeitverlängerung ein dauerhafter und frühzeitiger Ausstieg werden?

Denn wenn es um Strahlung und die Gefahren von Atomenergie geht, löse das bei den Deutschen immer "besondere Reize aus", stellt der Journalist und Atom-Befürworter Jan Fleischhauer fest. Doch an eine dauerhafte Energiewende in Deutschland glaubt er nicht. Ebenso wenig wie die Atomkraft-Gegner, die Maischberger an diesem Abend ihn ihr Studio gebeten hat.

Richard David Precht ist skeptisch. Von der Politik erwartet er sich wenig, mehr schon von der Gesellschaft. Von ihr müsse der Protest und damit der Wille zu Veränderungen in der deutschen Energiepolitik ausgehen, betont er immer wieder. Und genau jetzt sei die Zeit reif für diesen Protest. Denn, so der Philosoph: "Der Motor der Veränderung ist nicht die Vernunft, sondern der Affekt."

Ob das reicht, bleibt fraglich. Denn in einem Punkt scheint sich die Runde dann doch einig zu sein - die einen aus Überzeugung, die anderen aus Ernüchterung: Einen dauerhaften und vorzeitigen Ausstieg aus der Atomenergie wird es in Deutschland wohl nicht geben. Alles ändert Japan vermutlich doch nicht.