bedeckt München 14°

Presseschau zur Katastrophe in Japan:Helden und Profiteure

Die Helden von Japan, die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke und wer von der Katastrophe profitiert. Was schreiben "El País", "The New York Times" und Co? Die Presseschau vom 16. März 2011.

Christina Maria Berr und Beate Wild

1 / 8

Presseschau zur Katastrophe in Japan:Japan hat nicht aus Fehlern gelernt

Presseschau El Pais

Quelle: Screenshot

Japan habe nicht aus seinen Fehlern in Umgang mit atomaren Zwischenfällen gelernt, meint die spanische Tageszeitung El País. Bereits am 16. Juli 2007 habe ein Erdbeben der Stärke 6,8 das japanische Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa, mit sieben Reaktoren das größte AKW der Welt, beschädigt. Schon damals hätten die Betreiber die Schäden und Gefahren heruntergespielt. Erst später hätten sie zugegeben, dass durch den Zwischenfall Radioaktivität ins Meer gelangt sei.

Diese schlechte Informationspolitik beziehungsweise Verschleierungstaktik behalte Japan nun auch im Fall Fukushima bei. Mit anderen Worten: Die Bevölkerung könne nichts von dem glauben, was man ihr erzählt.

Bild: Screenshot elpais.es

2 / 8

Presseschau zur Katastrophe in Japan:"Fukushima 50" - Die Helden von Japan

Presseschau Guardian

Quelle: Screenshot

Im Guardian kommentiert Peter Hadfield die Krise. Er prophezeit, dass das japanische Erdbeben einen globalen Finanzschock zur Folge haben wird. Die Versicherungskosten und der Wiederaufbau, so prognostiziert der Journalist, könnten die globalen Märkte durcheinanderbringen, während die japanische Wirtschaft boomt.

In einem anderen Artikel erklärt die Zeitung, die 50 verbliebenen Arbeiter im Atommeiler Fukushima seien für sie Helden. Die tapferen Männer seien nun schon als die "Fukushima 50" bekannt, erklärt man da. Sie seien die letzten Frontsoldaten der Atomindustrie und gingen ein unbeschreiblich hohes Risiko ein. Was die Zukunft für diese Arbeiter bringe, stehe in den Sternen.

Bild: Screenshot guardian.co.uk

3 / 8

Presseschau zur Katastrophe in Japan:Verantwortung in einer neuen Situation

Logo am Hauptgebäude der Neuen Zürcher Zeitung

Quelle: AP

Die Neue Zürcher Zeitung beschäftigt sich mit der Abschaltung von sieben Atomkraftwerken in Deutschland und meint dazu: "Merkel begründete ihr Vorgehen mit dem Hinweis, bei den Vorgängen in Japan handle es sich um eine Zäsur in der Geschichte der technisierten Welt. Unabhängig von Wahlen gehe es hier um Verantwortung in einer Situation, die es so noch nie gegeben habe. Die Opposition spottete sofort über diese Rechtfertigung, mit gutem Recht, denn natürlich zielt der Aktivismus, den das offizielle Berlin nun produziert, ganz auf die Beruhigung der Gemüter vor den Landtagswahlen. Und ebenso natürlich ist die hastige Frontbegradigung eine Peinlichkeit ersten Ranges, denn bisher galten die nun abzuschaltenden AKW als sicher, so sicher, dass sie sogar mit einer Verlängerung ihrer Laufzeit bedacht worden waren."

4 / 8

Presseschau zur Katastrophe in Japan:Spezialisten haben mittlerweile Angst, sich zu äußern

presseschau

Quelle: SZ

Auch die französische Regionalzeitung Le Journal de la Haute-Marne kommentiert das Atomunglück in Japan: "Morgen? Übermorgen? Die Spezialisten wagen es nicht mehr, sich zu äußern, aus Angst, von noch schwereren Tatsachen widerlegt zu werden. Man erkennt nur, dass die Region Fukushima ein Schicksal erleiden könnte, das zwischen dem von Tschernobyl und dem von Three Mile Island liegt. Zwischen dem Schlimmsten und dem 'weniger Schlimmen'. Die dritte Macht der Welt zeigt so, gegen ihren Willen, eine große Schwäche. Auch wenn der menschliche Aspekt aus offensichtlichen Gründen im Vordergrund stehen sollte, sind die wirtschaftlichen Betrachtungen nicht zu vernachlässigen: Die Rechnung wird teuer werden für Japan."

5 / 8

Presseschau zur Katastrophe in Japan:Wichtige Kehrtwende von Merkel

Presseschau Figaro

Quelle: Screenshot

Darauf konzentiert sich auch die konservative Pariser Zeitung Le Figaro. Dort heißt es "Hört man die Grünen, so müsste Frankreich seine Atomkraftwerke so schnell wie möglich abschalten. Vier Tage vor den Kantonswahlen glauben sie, dass der Fukushima-Effekt ihnen nützlich sein kann. Zum Glück zeigen die Regierungspartei UMP und die Sozialisten auch angesichts der Katastrophe in Japan Verantwortungsbewusstsein. Beide Parteien unterschätzen keineswegs die schwerwiegenden Ereignisse in Japan, sie kennen aber auch die Realität. Die 58 Atomreaktoren in Frankreich produzieren 78 Prozent der im Land verbrauchten Elektrizität und geben mehr als 100 000 Menschen Arbeit. Die Kraftwerke zählen zu den sichersten auf der Welt. Premier Fillon hat mit seiner Ankündigung einer gründlichen Prüfung aller Anlagen Verantwortungsbewusstsein gezeigt."

Bild: Screenshot lefigaro.fr

6 / 8

Presseschau zur Katastrophe in Japan:Schlimmste Krise in 65 Jahren

-

Quelle: AFP

Die französische Tageszeitung Le Monde beschäftigt sich mit dem Außmaß der Katastrophe: "Japan erlebe seine schlimmste Krise in 65 Jahren, seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte Premierminister Naoto Kan, und er hat nicht übertrieben. Über die Zukunft der Atomkraft wird man zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Doch noch bevor man Lehren aus den Ereignissen in Fukushima ziehen kann sind schon jetzt Fragen angebracht. Wie riskant ist der Bau von Atomkraftwerken am Meer? Warum sind die Sicherheitsstandards der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA immer noch nicht obligatorisch? Und wenn die Gefahren so groß sind, darf man dann die Geheimniskrämerei und Undurchsichtigkeit vieler Betreiber von Atomkraftwerken akzeptieren?"

7 / 8

Presseschau zur Katastrophe in Japan:50 Mann nehmen den Tod in Kauf

weltz

Quelle: SZ

Autor Michael Stürmer beschäftigt sich in der Online-Ausgabe der Welt mit den Arbeitern und Technikern, die "in den Gerippen der Reaktoren von Fukushima einen Super-GAU abzuwenden" versuchen.

Er schreibt: "Qualvolles langes Sterben ist ihnen sicher, wie vor 25 Jahren den russischen Arbeitern und Technikern im ukrainischen Tschernobyl. Und dennoch haben sie sich freiwillig gemeldet, Fachleute der Reaktortechnik, die die Gefahren besser kennen als jeder andere. Wo wiederholte Erdbeben die Sicherheitstechnik zerschmettert haben, wo nukleares Feuer unvorstellbare Hitzegrade erzeugt und Strahlung alles durchdringt, gibt es keinen Schutz mehr, keine Sicherheit, keine Zukunft."

Weiter schlussfolgert er: "Opfermut kann nicht den Tod überwinden, wohl aber die Angst vor Qual und Tod. Patriotismus, Nächstenliebe, Pflichtgefühl? Was auch immer - die ganze Welt schuldet diesen Männern Achtung und Dank."

screenshot: Welt.de

8 / 8

Presseschau zur Katastrophe in Japan:Hohe Kosten für japanische Regierung

Presseschau NYT

Quelle: Screenshot

Die meisten Kosten des Erdbebens und der nuklearen Katastrophe muss die japanische Regierung wohl selbst tragen, berichtet die New York Times in ihrer Online-Ausgabe. Die erwarteten Kosten überstiegen 100 Milliarden bei weitem. Nur einen Bruchteil davon würden die Versicherungen tragen.

Nach dem Erdbeben 1995 in Kobe hätten die Versicherungen von insgesamt 100 Milliarden Euro nur etwa 2 Milliarden getragen. Der größte Unsicherheitsfaktor sei die radioaktive Kontaminierung, die der Tsunami indirekt verursacht habe. Wie es in diesem speziellen Fall mit der Versicherungsdeckung aussehe, sei nicht geklärt.

Bild: Screenshot nytimes.com

© sueddeutsche.de/berr
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema