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TV-Kritik: "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!":Schlamm drüber

Wie RTL die Drehbuchvorlagen seiner Camp-Insassen aufgreift und Außenseiter Peer Kusmagk zum Dschungelkönig gekrönt wird: 16 Tage Authentizität pur.

Normalerweise entfachen Historiker, Dopingsünder oder Ex-Kanzler sie, die Glaubwürdigkeitsdebatte. Doch RTL hat es geschafft, Fragen nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit, Inszenierung und Integrität in die heimische Glotze zu holen: 16 Tage lang angewandten Ethikunterricht von 22.15 Uhr bis kurz vor Mitternacht.

RTL-"Dschungelcamp"

Auf Augenhöhe mit Krabbeltieren

Mitte Januar ziehen elf mehr oder weniger bekannte und mehr oder weniger verschuldete Promis in den australischen Dschungel. Es locken Preisgeld und Presserummel. Alle wollen sie Dschungelkönigin oder Dschungelkönig werden, potentielle Ekelprüfungen - wie einen Teller Maden essen oder eine Maß Kotzfruchtsaft trinken - schrecken niemanden mehr. In der mittlerweile fünften Staffel von "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" begrüßt der Schwimmer Thomas Rupprath Kakerlaken freundschaftlich lächelnd und Schauspielerin Katy Karrenbauer knabbert lässig am Hirschpenis.

Das wahre Ich, die eigene Persönlichkeit

Spinnen, Ratten, Schlangen, Skorpione und ähnliches Urwald-Getier sind längst keine Feinde mehr. Der Dschungelpromi sucht und findet seine Gegner unter den Camp-Kollegen. "Der ist ein Depp" oder "Der ist ein Lappen" sind noch harmlose Beleidigungen. Es wird gelästert und gestichelt, was die Kamera aufnehmen kann: Ein Kasperletheater, in dem sich alle zum Affen machen. Und alles nur, weil der bislang verkannte oder einfach unbekannte Promi den Leuten da draußen endlich mal sein wahres Ich, die eigene Persönlichkeit und so weiter und so fort zeigen möchte.

Besonders authentisch will Ex-Boygroup-Sänger Jay Khan sein. Für das perfekte Image sollte eine Liebesbeziehung mit Ex-Topmodelkandidatin Sarah Knappik her. Behauptet diese zumindest eines Abends am Lagerfeuer. Die Runde guckt entsetzt und sperrt zur besseren Illustration dieser Emotion ihre Münder ganz weit auf. Richtig gut kann das Mathieu Carrière. Da macht sich eben doch bemerkbar, dass er einst unter dem Oscar-prämierten Regisseur Volker Schlöndorf agierte.