TV-Kritik: Harald Schmidt Selbst die Aufreger sind keine mehr

Schmidts Anfangsmonolog wirkt, als habe er ihn sich von Bierzeltbespaßern schreiben lassen. Hundertmal sagt Schmidt "ich kann" - und beweist doch immer wieder, dass er es eben nicht mehr kann. Er wirkt wie ein Vertreter, dem niemand mehr etwas abkaufen mag und der darob verzweifelt.

Der Bart ist ab, die Haare werden lichter. Das Äußere korrespondiert auf wundersame Weise mit dem Inhalt. Einmal sagt Schmidt "Juden, Juden, Juden" und tut so, als breche er jetzt ein Tabu. Er wird wohl darunter leiden, dass sich niemand darüber aufregt.

Dann zeigt er ein Bild von Cherno Jobatey und macht sich über den Morgenmagazin-Moderatoren vom ZDF lustig. So weit ist er schon, dass er seine Witzchen auf Kosten von Cherno Jobatey machen muss.

Schließlich erzählt er, wie er in einem Straßencafé in Rom saß und ihn tatsächlich so etwas wie Erkenntnis überfiel. "Leck mich am Arsch. Nicht mal mehr die Ossis sprechen mich an. Ich muss mehr Sendungen machen", sagt er dazu und spielt damit natürlich auf seinen im nächsten Sommer anstehenden Abgang zu Sat 1 an.

Eine matte Kopie der Welke-Show

Gleichzeitig wird deutlich, dass es bis dahin noch eine verdammt lange Strecke werden wird, denn auch seine Angestellten funktionieren nicht.

Der von Switch ausgeliehene Parodist Max Giermann liefert mit seiner Christian-Wulff-Darstellung den besten Beweis, dass er nicht alles kann. Sein Bundespräsident könnte problemlos auch Horst Köhler sein oder ein ARD-Intendant oder sonst wer.

Selbst der sonst so zielsicher das Absurde im Selbstverständlichen aufspürende Jan Böhmermann langt bei seinem Beitrag über die Protestierer von "Stuttgart 21" nur ins Seichte.

Schmidt macht zudem deutlich, wie prima die heute show im ZDF funktioniert. Dort weiß Oliver Welke, wie man Politikerstatements witzig in den Fluss einer Sendung einbaut und kommentiert. Schmidt weiß gar nichts mehr davon. Eine überlange Sommerpause hat gereicht, seine Sendung wie die matte Kopie der Welke-Schau wirken zu lassen.

Doch er wird der ARD noch etliche Shows zumuten, bevor er endlich zu Sat 1 geht. Strafe könnte er dort indes erwarten, denn beim neuen Arbeitgeber wird man sicherlich von ihm fordern, dass er, um ein bisschen Werbung für seine Show zu machen, durch die anderen Sendungen des Senders tingelt. Die werden gestaltet von Oliver Pocher und von Johannes B. Kerner.

Schmidt als Gast bei Kerner - eine gruselige Vorstellung.

Harald Schmidt geht zurück zu Sat 1

Pokerface