TV-Kritik:Dingsda wieder da

Dingsda

Dingsda-Moderatorn Mareile Höppner.

(Foto: dpa)
  • Eine ganze Kindergeneration wuchs Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger mit der Rateshow "Dingsda" auf, in der Kinder Prominenten Begriffe erklären mussten, ohne den Begriff selbst zu nennen.
  • Jetzt hat die ARD den alten Quotenhit neu aufgelegt.
  • Während die Kinder früher die Stars der Sendung waren, bleiben sie in der Neuauflage eher blass.

Von Vera Schroeder

Als Fernsehen noch ein großes Ding war, war "Dingsda" ein extragroßes Ding. Eine ganze Kindergeneration durfte Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger am Dienstag Abend um 20:15 Uhr mit den Eltern vor dem Fernseher sitzen und ihren Kinderkollegen dabei zusehen, wie sie sich mit Begriffsbeschreibungen abrackerten, ohne das Wort selbst zu nennen.

Die Stars, so wiederholte es Moderator Fritz Egner wieder und wieder, waren dabei immer die Kinder. Egner moderierte die Sendung über zehn Jahre, 132 Folgen lang, und wenn man heute an "Dingsda" denkt, dann denkt man an die sich mit verdrehten Armen am Ellenbogen kratzenden Grundschüler in ihrer vollen Ausdrucksniedlichkeit und immer auch an Egner.

Jetzt hat die ARD den alten Quotenhit neu aufgelegt und in ihr Vorabendprogramm am Freitag gepackt. Mit ein bisschen neu und ganz viel Retro. Mit Mareile Höppner als Moderatorin, die gleich mal festhält: "Dingsda, das ist ja so 'ne Sendung mit absolut Wohlfühl-Gefühl". Dann holt sie ihre "Mädels" ins Studio, "Lindenstraße"-Schauspielerin Andrea Spatzek und Moderatorin Birgit Lechtermann, die als Rateteam den Musikern Stefan Mross und Maximilian Arland gegenübertreten.

Google: "Weiß auch nicht immer alles"

Schade ist, dass die Promis nicht wie früher von den Kindern vorgestellt werden. Aber wahrscheinlich kennen die meisten Kinder die Prominenz, die sich selbsterhaltend durch deutsche Spielshows tingelt, auch gar nicht mehr und könnten sie deshalb auch nicht beschreiben.

Zu Beginn werden dann gemütlich die Worte "Märchen" und "Feuerwehr" geraten und Mareile Höppner legt sich einmal flach auf den Boden, um den Begriff "Schatten" zu verdeutlichen ("Wenn man auf dem Bauch liegt, hat man keinen"). Ein kleines Highlight hingegen ist die neue Idee, den Kindern nicht nur Begriffe, sondern auch ihnen unbekannte Retro-Gegenstände vorzusetzen. Mit der Lavalampe funktioniert das ziemlich gut ("Sieht innen aus wie Spiegelei"), zumindest bis zum Schwenk zurück ins Erwachsenenstudio. Maximilian Arland hat eine Lavalampe zum 18. Geburtstag bekommen und findet: "Im Dunkeln ist gut munkeln".

Und so nimmt die Sendung ihren Lauf, wobei es immer dann ganz interessant wird, wenn die Kinder neue Begriffe wie Google ("Weiß auch nicht immer alles") oder Instagram ("Und dann gibt's da so ne Unterleiste, wo man sein Gesicht verunstalten kann") beschreiben - und immer dann richtig langweilig wird, wenn die Prominenten Fragen zu ihrem Privatleben mit Nicht-Antworten parieren (Höppner: "Liest Du Deinen Kindern auch Märchen vor?" Mross: "Für ein Märchen sollte immer Zeit sein"). Und nach 48 Minuten ist man dann doch recht froh, dass es rum ist. Ein Spaß wie früher ist es nicht.

Das neue Dingsda lässt die Kinder blass aussehen

Woran das liegt? Vielleicht hätte man ein bisschen mehr auf Fritz Egner hören können: "Die eigentlichen Stars sind die Kinder." Während damals über viele Jahre Egner selbst in Kindergärten und Grundschulen tingelte und sich, laut eigenen Aussagen, manchmal zwei bis drei Tage Zeit ließ, um genau das passende Kind für einen bestimmten Begriff zu finden, lässt die Wiederauflage die Kinder eher blass aussehen. Was nicht an den Kindern selbst liegt, die sind entzückend wie eh und je. Aber sie bekommen weniger Aufmerksamkeit.

Von vielen Kindern erfährt man weder Namen, Alter, noch wo sie herkommen, ihre Nachnamen sind ganz verschwunden. Die Kulissen wirken einheitlicher und steriler, die Schnitte zwischen ihren Begriffsbeschreibungen sind viel schneller. Dabei waren es oft die Pausen, in denen sich ein Kind am Kopf kratzte oder plötzlich verstummte und eine Fliege an der Wand verfolgte, die das alte Format so liebenswert machten.

Fritz Egner sagte vor den Einspielern "Julian Reimann, sechs Jahre alt aus Berlin" an und dann berlinerte der kleine Julian drauflos. Mareile Höppner sagt: "Hier kommt der Film für Euch" zu ihren schmerzhaft scherzenden Studiogästen. Wer sich also bei Dingsda mehr für die Kinder als für die Promis interessiert, der sollte sich lieber ein paar alte Folgen auf Youtube angucken.

© SZ.de
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