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TV-Kritik: Burda bei Beckmann:"Besessener" liebt Blasmusik

Der öffentliche Geburtstag: Verleger Burda und seine Frau Maria Furtwängler erklären sich und ihre Ehe in der ARD-Talkshow Beckmann.

Wer in den Medien nicht vorkommt, kommt nicht vor. Das beklagen manche, die ein Buch, eine CD oder ein politisches Programm verkaufen wollen und unbedingt Coverage brauchen. Auch Medienunternehmer selbst möchten gelegentlich in Medien vorkommen, natürlich lieber mit Sonnenblumen als mit Disteln - besonders wenn ein runder Geburtstag ansteht.

Maria Furtwängler, Hubert Burda, Foto: dpa

Sie steigt im letzten Moment ins Flugzeug, er ist schon 90 Minuten vorher am Airport: Szenen der Ehe von Maria Furtwängler und Hubert Burda.

(Foto: Foto: dpa)

Auf das Motto Expose Yourself! des Künstlers Andy Warhol, den er 1973 in Deutschland eingeführt hat, versteht sich der Zeitschriftenverleger Hubert Burda aufs Schönste. So schön, dass er mit seiner Frau Maria Furtwängler und den Wegbegleitern Reinhold Messner und Karl Lagerfeld eine Stunde deutsches Talkshowfernsehen bestreiten kann und die Nation am 70. teilhaben lässt.

Zur Inszenierung gehört, dass der Moderator Reinhold Beckmann in der aufgezeichneten Sendung am Ende lächelnd sagt: "Jetzt ist es nach zwölf", obwohl es in Wahrheit sehr viel früher ist. Blumensträuße werden gereicht und das Paar des Abends liegt sich in den Armen, obwohl diese Ausgabe von Beckmann in der ARD eher eine Art Rollenbeziehung nahelegt.

Da korrigiert Verlegerfrau Furtwängler beispielsweise ihren Mann, der gemeinsame Sohn Jacob werde erst im März zwanzig, sei also erst neunzehn. Und das Bild, das der Verlag der Süddeutschen Zeitung für die Samstagsausgabe als Selbstporträt ausgereicht hat, sei in Wahrheit von ihr gemalt. Nun ja, es handelt sich eben um ein Familienporträt der besonderen Art.

Die Ärztin und Schauspielerin, die in der ARD als Tatort-Kommissarin zu sehen ist, schildert ihn bei Beckmann als "Besessenen", der schon um fünf Uhr am Morgen seinen Gedanken nachjagt und sie einem Diktiergerät anvertraut. Er sei "frühaktiv". Das klingt ehrlich, aber auch irgendwie schrecklich distanziert.

Hubert Burda scheint es nichts auszumachen, im Fernsehen von seinen Lieben unterbrochen zu werden und einen Satz nicht zu Ende führen zu können. Gedanken brauchen den Halt einer Form, die vielleicht eine Zeitungsseite bietet oder ein Büchlein, nicht aber ein Talk-Format. Ihn stört auch die Nabelschau seines Lebens nicht weiter, das öffentliche Psychologisieren über den (nach außen) dominanten Vater Franz Burda, den sie "Senator" nannten, und über die (nach innen) dominante Mutter Aenne Burda, die Frau mit den Schnittmusterbögen.

Es siegt: Das Dogma der Dynastie

Hier siegt das Dogma der Dynastie, der man nie entweichen kann, im Guten nicht wie im Schlechten. Sie ist immer da. Man siegt mit ihr oder geht mit ihr unter, und zwischendurch ist man bei Beckmann.

Wie sich Hubert Burda in dieser Familie, auch gegenüber den beiden älteren Brüdern durchgesetzt habe, das sei eine große Leistung, konzediert Bergsteiger Messner. Als der Südtiroler jung war, hatte der "Senator" schon mal mit 20.000 Mark eine Himalaya-Expedition der Messner'schen Bergcrew finanziert und später die Bilder in seiner Bunten gezeigt.

Aenne Burda wiederum bekannte stets freimütig, mit der üblichen Mutterschaft nichts zu tun gehabt zu haben. Dafür hatte man Personal. Sie sei "wie eine Kanonenkugel" gewesen, erzählt Modemacher Lagerfeld, der mit der resoluten Macherin von Burda Moden manchen Plausch hatte. Dabei werde der Kreative, der sich als Mann mit dem Zopf inszeniert, nach eigenem Bekunden stets "wie ein rohes Ei behandelt".

Hubert Burda erklärt, durch die Verhältnisse im Offenburger Elternhaus frei aufgewachsen zu sein, mit winterlichen Skirennen und sommerlichen Tennisturnieren. "Ich bin starke Frauen gewöhnt", sagt der Verleger von Elle und Freundin: Maria habe er geheiratet, weil sie eine starke Frau sei. Es traf also die Dynastie Furtwängler auf die Dynastie Burda, und das war zunächst ein "Schock", wie Maria Furtwängler erzählt. Die Offenburger Matriarchin war wohl wenig glücklich über die viel jüngere Gefährtin des Filius. Die Enkel aber machten sie richtig glücklich.

So bietet also die Chronik der Burdas genügend bunten Stoff für die abendspäte TV-Unterhaltung, eine Großfamiliensaga mit Macht, Geld, Kunst, Liebe und etwas Ränkespiel. Fast so wie bei den Guldenburgs. Oder bei der italienischen Industriellenfamilie Agnelli, die Hubert Burda genauso schätzt wie die Fuggers oder die Medici. Er selbst war im eigenen Clan manche Jahre der unverstandene, auch verlorene Sohn, der die braven Badener zu Hause schockte, weil er sich in München in der linken Boheme herumtollte und Frank Zappa, den Bürgerschreck, auflegte.

Trauma "M" und "Super"

Auch nachdem Jung-Burda in Kunstgeschichte promovierte, wurde es nicht besser - 1970 verlegte er für die Zeit einer Schwangerschaft sogar eine Zeitschrift namens M, die Männer als Faulpelze rühmte, leichtbekleidete Mädchen über Wiesen rennen ließ und behauptete: "Über Sex wird niemand mehr sprechen." Das Krawallo-Blatt Super-Zeitung hielt sich gut 20 Jahre später nur unwesentlich länger, aber dann kam Focus, das in den ersten Jahren überaus erfolgreiche Nachrichtenmagazin, das Burda aus schwerster Not befreite.

Damals habe er alles auf eine Karte gesetzt, sagt er heute. Und dass es nicht darauf ankomme, in einer Dynastie einfach in die Fußstapfen des Alten zu treten, sondern dass man Neues entwickeln müsse. "Geschäft ist Sprünge", haucht er ins Studio. Bei anderer Gelegenheit hat er verkündet: "Mein Vorbild ist Odysseus: nie ankommen."

Hubert Burda

Vom Vater zum Verleger auserkoren