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TV-Kritik: Beckmann:Rrrrummms - Peer Steinbrück rechnet ab

Ex-Finanzminister Peer Steinbrück mit Hasskappe: Er kanzelt die Finanzelite ab - mit Fachbeistand aus prominentem Hause.

Der Wortakrobat der Sozialdemokraten meldet sich zurück. "Die Zahnpasta muss wieder in die Tube!" So etwas sagt er. Oder: "Gelegentlich habe ich masochistische Anwandlungen!"

Peer Steinbrück, Bundesfinanzminister just zu dem Zeitpunkt, als in den USA die Investmentbank Lehman Brothers kollabierte und die Welt in den Abgrund riss, taucht aus der Versenkung aus - sprachgewaltig, schnörkellos, gnadenlos. Und mitunter sogar ein klein wenig sich selbst reflektierend. Superman returns? Nicht ganz, aber ein bisschen.

Die Banker: Arroganz und Ignoranz

Die Abrechnung mit der Finanzelite kommt an diesem TV-Abend auf typisch Steinbrück'sche Art daher. "Am Anfang", doziert der studierte Volkswirt über das große Ganze, "steht ein Marktversagen." Doch nicht nur der Markt, sondern auch die Wirtschaftsjournalisten hätten total falsch gelegen. Das "Paradigma der Deregulierung, der Entfesselung der Märkte", resümiert der gebürtige Hanseat, sei auch von den Wirtschaftsredaktionen gepredigt worden.

Rrrrummmmms. Das hat gesessen.

Doch Steinbrück geht bei Beckmann in der ARD ans Eingemachte. Was ihn ärgert? Dass trotz des großes Crashs Investmentbanker die im übertragenen Sinne immer noch große Party feierten. "Arroganz" und "Ignoranz" hat Steinbrück bei der angeprangerten Finanzelite ausgemacht. Was ihn nervt? Die juvenile, "rotzige" Haltung der Generation Mitte 20 bis Mitte 30. Dazu passt der Einspieler der Beckmann-Crew. Tenor des Filmchens: Die Banker feiern sich - ganz so, als ob es keinen Crash gegeben hätte.

Und Peer Steinbrück? Der Sozialdemokrat hat sich für diese Talkshow freiwillig die Hasskappe übergestülpt. Dabei hat er sichtbar Spaß.

Der Ex-Minister, einst Held des rechten Seeheimer Kreises seiner Partei, legt los und lacht dabei viel. "Es gibt Manager, die den Urknall gehört haben", doziert Steinbrück über die Bankerszene. Der Druck, der automatisch durch das Amt des Bundesfinanzministers entsteht - den ist er los. Darum kann er sich zuweilen auch in Selbstkritik (Stichwort: von der Politik forcierte Deregulierung) und Angela-Merkel-Bashing üben.

Auf die Frage von Moderator Reinhold Beckmann, ob er, Steinbrück, gelegentlich noch mit der Kanzlerin telefoniere, antwortet er flugs: "Damit kann ich nicht kokettieren. Ich habe keinen Bedarf."

Rrrrummmmms. Auch das hat gesessen.

Aber der Oktober 2008, als Steinbrück quasi als Angela Merkels sorgenvoller Adjutant den Deutschen vor laufenden Kameras die Sicherheit der Spareinlagen garantierte, ist ja auch lange vorbei.